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Innenstadt ohne Lebensmittelangebot

Der City-Supermarkt in Pforzheim schließt vor Weihnachten

Ein großes Lebensmittelangebot sucht man vergebens in Pforzheims Innenstadt, nachdem am 23. Dezember das Licht ausgeht im City-Supermarkt. Danach wird das Sinn-Leffers-Gebäude abgerissen.

Ungarn ist in Sicht: Die Produkte aus der neuen Heimat wollen Rosmarie und Helmut Pischzan aber noch verkaufen, bevor sie ihren City-Supermarkt am 23. Dezember schließen und im Frühjahr die Koffer packen und Pforzheim wieder verlassen. Foto: Herbert Ehmann

Einräumen, umräumen, Lücken schließen – für Helmut Pischzan ist das Alltag, seitdem Sinn-Leffers 2009 die letzte Bluse verkauft hat in dem großen Kaufhaus an der Ecke Leopold-, Zerrenner-Straße. Während im City-Supermarkt, den er 2005 eröffnete, die Geschäfte wie geplant weiterlaufen, gilt es über die ganzen Jahre hinweg, das Erdgeschoss zumindest provisorisch mit Leben zu füllen. An diesem Mittwoch ist auch das vorbei. Helmut Pischzan feiert seinen 66. Geburtstag im Januar als Ruheständler.

Geplant war das so nicht. Tatsächlich sind Pischzan und seine Frau Rosmarie bis Mai dieses Jahres auf Verlängern eingestellt. Edeka-Südwest sei vor rund zwei Jahren mit dem Vorschlag gekommen, er möge doch ein bis zweieinhalb Jahre dranhängen. Damals zeichnete sich ab, dass endlich wieder was geht mit dem seit 2009 weitgehend leerstehenden Kaufhaus. Immobilienentwickler Johannes Kalker hatte zugegriffen, als es auf den Markt kam.

Danach werden viele Nutzungsvarianten durchgeplant und verworfen. Nur eines bleibt konstant: Ins Erdgeschoss soll ein neuer Edeka-Vollsortimenter kommen und der Umbau soll von oben nach unten verlaufen.

Abriss verhindert fließenden Übergang

„Die Stadt ist schuld“, dass nichts daraus wird, sagt Pischzan. Statt des angedachten fließenden Übergangs von seinem Geschäft im Untergeschoss zum neuen Lebensmittelmarkt im Erdgeschoss, gibt es ab 24. Dezember für lange Zeit gar kein derartiges Angebot mehr in Pforzheims bester Innenstadtlage. Frühestens im Herbst 2023 nach Abriss und Neubau wird die Leopoldstraße wieder eine Adresse für Obst, Käse, Fleisch und andere Lebensmittel.

Hintergrund ist, dass für das vom Gemeinderat am 28. Juli beschlossene neue Sozialrathaus an der Stelle nicht um- sondern neu gebaut wird. Dafür braucht es einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der nach Stand der Dinge nicht vor dem Frühsommer fertig werden wird. Die erneute Präsentation der Gebäudekonzeption für die markante Stelle im Gestaltungsbeirat ist von Januar auf April verschoben, so ist im Rathaus zu erfahren.

Corona verhindert guten Ausverkauf

Dem Ehepaar Pischzan kann es egal sein. Es schaut jetzt einem guten Teil der Ersparnisse hinterher, die es für den Ruhestand auf die hohe Kante gelegt hatte. Die Einzelhändler verbuchen durch den doppelten Lockdown für Pforzheims Innenstadt „ein sehr schlechtes Jahr“.

Das Virus sorgt außerdem dafür, dass „ich nicht werben darf“ für den geplanten Ausverkauf, erzählt Helmut Pischzan. Und das kostet ihn nochmal viel Geld.

Rouladen und Schweinefilet heißen die beiden zentralen Zutaten für „ein diplomatisches Schlussangebot“, das der Kaufmann nach fast einem Vierteljahrhundert in der Selbstständigkeit und über 49 Jahren im Beruf lanciert, damit die Regale leer werden in seinem Geschäft. Was bis Mittwochabend nicht weg ist, will er Kollegen anbieten.

Entsorgungsfirma übernimmt Metzgertheke

Danach übernimmt eine Entsorgungsfirma die Metzgertheke, die er erst vor fünf Jahren für 50.000 Euro gekauft habe, oder die Kühltechnik im Geschoss unter der Verkaufsfläche, wo allein ein Verdichter um die 6.500 Euro koste.

Gut geht es den Pischzans bei alledem nicht, auch wenn sie sich „auf die Rente und das Haus in Ungarn freuen“. Er sei davon ausgegangen, dass die Edeka-Genossenschaft einen Nachfolger besorgt, der dann den Warenbestand und anderes zum Buchwert übernehme, sagt Pischzan. „Da hätte ich noch schönes Geld kommen.“ Jetzt lege er stattdessen noch 21.700 Euro für den Entsorger drauf.

Pischzan klingt heiter, obwohl die 15 Jahre Pforzheim, in die er am Anfang rund eine Million Euro investierte, nicht enden wie erhofft. „Äußerlich muss ich trotz allem Ärger souverän wirken, sonst stecke ich die Mitarbeiter an“, erläutert Pischzan. 37 von 40 „zeigen Loyalität“. Sie bleiben bis zum letzten Tag des City-Supermarkts, sorgen „für Ordnung“ in den Regalen, indem sie die Waren umschichten, damit keine hässlichen Lücken entstehen bevor die Lichter endgültig ausgehen.

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