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Agrarvögel in der Region

Der Vogelbestand in der Region Pforzheim: Das sind die Gewinner und Verlierer

Die Agrarvögel sind im Sinkflug. Besonders Feld- und Wiesenvögel leiden unter der industriellen Landwirtschaft. Doch neben Verlierern gibt es auch Gewinner in der Region Pforzheim.

Gefiederte Gewinnerin: Die Ringeltaubenbestände haben sich in der Region erholt. Foto: Gerhard Vögele

Die Nabu-Vogelzählung „Stunde der Wintervögel“, die von 8. bis 10. Januar stattfand, hat den Mitmachrekord gebrochen. Mehr als 175.000 Menschen in Deutschland haben über 4,2 Millionen Vögel in über 112.000 Gärten gesichtet und gemeldet, teilt der Nabu mit. Doch weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung: Mit nur 31,6 Vögeln je Garten liegt Baden-Württemberg zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 34,4, was der niedrigste Wert seit Beginn der Aktion ist.

Beängstigende Entwicklung

Doch nicht nur die Zahl der Wintervögel wird weniger. Nach den nationalen Vogelschutzberichten, die die Bundesregierung alle sechs Jahre an die EU weiterleitet, leiden besonders die Feld- und Wiesenvögel unter den Folgen der industriellen Landwirtschaft. Den Daten zufolge hat die Gesamtzahl dieser Vögel zwischen 1980 und 2016 um ein Drittel oder über zehn Millionen Brutpaare deutschlandweit abgenommen.

Diese beängstigende Negativentwicklung ist auch auf den Feldern, Wiesen und Weiden im Stadt- und Enzkreis zu beobachten. So sind Kiebitze und Grauammern als Brutvögel im Enzkreis verschwunden. Von der Turteltaube und dem Braunkehlchen gibt es allenfalls nur noch Gelegenheitsbruten, und die Populationen der Feldlerche und des Rebhuhns haben dramatisch abgenommen, so dass wie beim Rebhuhn im Biet oder Heckengäu Schutzmaßnahmen notwendig geworden sind.

Etwas positiver sieht es nach den Vogelschutzberichten in Siedlungen und Wäldern aus. So ist die Zahl der Vögel in den Kommunen in etwa gleich geblieben, doch der gelegentlich wenig sorgfältige Umgang mit Pestiziden in den Kleingärten und die besonders in den Siedlungen wie Sonnenberg und Sonnenhof zu beobachtende Katzendichte geben Anlass zur Sorge. Erfreuliche Zunahmen sowohl in Park- und Gartenanlagen in Pforzheim sind bei der Mönchsgrasmücke, dem Buchfink und bei den Ringel- und Türkentauben zu verzeichnen.

In unseren Wäldern haben die Vogelbestände sogar leicht zugenommen. Doch auch hier gibt es Verlierer. So ist der Grauspecht fast nur noch im Bannwald ‚Zimmeracker‘ zu hören, und der Waldlaubsänger kommt nur noch mit wenigen Paaren im Klapfenhardt-Wald vor. Ein nicht zu unterschätzendes Problem stellt der infolge des Klimawandels notwendig gewordene Waldumbau dar, der das Ökosystem mit noch nicht absehbaren Konsequenzen für Flora und Fauna verändern kann.

Verlierer und Gewinner halten sich Waage

Insgesamt halten sich Verlierer und Gewinner die Waage. Bei den Gewinnern greifen auch im Stadt- und Enzkreis Schutzmaßnahmen bei Großvögeln wie Uhu, Wanderfalke, Turmfalke und Schleiereule, doch häufige Arten wie die sogenannten Allerweltsvögel nehmen flächendeckend ab. So gingen zwischen 1998 und 2009 deutschlandweit 13 Millionen Brutpaare oder 15 Prozent des Gesamtbestandes verloren.

Im letzten Bericht der Bundesregierung, der die Jahre 2004 bis 2016 umfasst, gehen die Vogelzahlen insgesamt um sieben Prozent leicht nach oben. Zwar nehmen die Feld- und Wiesenvögel weiter ab, aber andere häufige Vogelarten konnten sich erholen. So haben im Hauptfriedhof die Bestände des Wintergoldhähnchens und des Buchfinks leicht zugenommen, und auf dem Sonnenberg sind erfreulicherweise wieder einige Haussperlings-Schwärme zu beobachten.

Von einem generellen Vogelsterben und einem damit verbundenen stummen Frühling kann also nicht gesprochen werden. Das allmähliche Verschwinden der Feld- und Wiesenvögel bedeutet jedoch, dass wir in über der Hälfte der Fläche in Deutschland dramatisch abnehmende Vogelbestände haben.

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