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Für den Ernstfall gerüstet

Die Feuerwehr Pforzheim simuliert bei Großübung einen Maschinenbrand im Arlinger Tunnel

Ein Baumaschinenbrand im Arlinger Tunnel: Er wäre für die Einsatzkräfte der Feuerwehr Pforzheim eine große Herausforderung. Die Abläufe müssten dann genau sitzen und wollen dementsprechend geprobt sein.

Gerettet: Mit einem Unimog wird der vermeintlich Verletzte aus dem Tunnel gebracht. Foto: Stefan Friedrich

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Einmal im Jahr findet eine solche Großübung statt. Am Dienstagnachmittag wurde ein solches Szenario 800 Meter weit im Tunnel simuliert.

Ein paar Schaulustige hatten sich zur Baustelle verirrt, auch wenn sie nur wenig von der eigentlichen Übung zu sehen bekamen: die fand weiter unten, tief drin im Tunnel statt, dort, wo unter realen Bedingungen Menschenleben gerettet und Brände bekämpft werden müssten. Von oben hatte auch Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer alles im Blick.

„Wir nehmen diese Aufgabe sehr ernst“, versicherte er. Die Kollegen lassen sich nicht nur regelmäßig bei einem namhaften Anbieter aus der Schweiz schulen, wo man die beste Fachkenntnis in Sachen Tunnelbauten und deren Absicherung hat; eine Großübung auf der Baustelle ist Pflicht, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun hat.

Es gibt eine Personenüberwachung im Tunnel.
Sebastian Fischer, Feuerwehrkommandant

Wie viele Menschen es zu retten gilt, das ist in einem solchen Szenario sehr schnell feststellbar: „Es gibt eine Personenüberwachung im Tunnel“, erklärte Fischer. Über ein eigenes System wird auf Monitoren draußen zu jeder Zeit angezeigt, wie viele Arbeiter im Tunnel sind. „Das müssen wir wissen.“ Sollte beispielsweise ein Teil des Tunnels eingestürzt sein und Arbeiter unter sich begraben haben, dann zählte jede Minute. In diesem Fall war es aber der Brand einer Baumaschine, der simuliert worden ist.

Die Lage im Blick: Der Einsatz in 800 Metern Tiefe im Tunnel wird von draußen koordiniert und beobachtet. Foto: Stefan Friedrich

Die Arbeiter im Tunnel haben regelmäßig Sicherheitsunterweisungen und wissen genau, was in einem solchen Fall zu tun ist, versicherte Bauleiter Ralf Weisenburger. „Wenn ein Unfall passiert ist, leisten sie sich gegenseitig Erste Hilfe und rufen sofort die Feuerwehr. Sollten sie es nicht selbständig aus dem Tunnel schaffen, etwa weil die Rauchentwicklung zu stark ist, dann gibt es dort auch Rettungscontainer, in die sie bei Gefahr flüchten können.

„Dort sind sie vor den Flammen und vor giftigen Gasen geschützt“, erklärte Kommandant Fischer. Von der Feuerwehr werden die Arbeiter dort erst herausgeholt, sobald keine Gefahr mehr besteht.

Zwei Einsatzkräfte als Erkundungstrupp voraus

Die Feuerwehrleute selbst schicken im Fall des Falles als erstes zwei Einsatzkräfte als Erkundungstrupp zu Fuß in Richtung der Unglücksstelle. „Wir brauchen schnell eine Übersicht über die Lage“, so Fischer. Die Kameraden sind dabei mit speziellen Atemschutzgeräten und einer Wärmebildkamera ausgerüstet, die ihnen auch bei dichtem Rauch noch eine vergleichsweise gute Sicht erlaubt.

Im zweiten Schritt wird dann ein Unimog mit fünf Einsatzkräften in den Tunnel geschickt und bis zur Rauchgrenze gefahren; fünf weitere Kameraden halten draußen Stellung und können jederzeit nachrücken. Zusätzliche Hilfe von anderen Wehren würde dann entsprechend organisiert.

Arbeiten im Arlinger Tunnel kommen gut voran

Die Arbeiten am Arlinger Tunnel selbst würden gut vorankommen, wie der leitende Baudirektor Jürgen Genthner vom Regierungspräsidium Karlsruhe am Rande der Großübung erklärte. Zwar stand die Baustelle im Frühjahr vier Wochen lang still, nachdem es unter den Arbeitern einen Corona-Fall gegeben hatte.

„Den zeitlichen Verzug haben wir aber sehr gut aufgeholt“, betonte Genthner. Ursprünglich sei geplant gewesen, den Tunnel im nächsten Frühjahr durchzustechen. „Wenn es jetzt keine großen Probleme mehr gibt, dann können wir es unter Umständen sogar noch vor Weihnachten schaffen.“

Im Moment kommen die Arbeiten etwa fünf bis sechs Meter täglich voran. Der kritische Bereich wartet jedoch am Ende: „Da müssen wir unter den Häusern durchfahren“, sagte Genthner. Das geschieht dann mithilfe eines Rohrschirmverfahrens: Über spezielle Injektionslanzen – lange hohle Rohre mit Löchern drin – wird unter hohem Druck eine Mischung aus Zement und Wasser injiziert, das sich sehr schnell verfestigt. Erst wenn das dadurch entstehende Betongewölbe vorhanden ist, wird damit begonnen, weiter Material abzutragen, so Genthner.

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