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Vollsperrung der A8

Unvergesslicher Abend: Filmfans genießen Open-Air-Kino mitten auf der Autobahn bei Pforzheim

Zahlreiche Filmfans haben am Samstagabend ein Open-Air-Kino mitten auf der Autobahn bei Pforzheim genossen. Die A8 war wegen Abrissarbeiten an einer Brücke über das Wochenende gesperrt.

500 Filmfans haben am Samstag ein Freiluft-Kino der ganz besonderen Art genießen können: mitten auf der Autobahn. Foto: Uli Deck/dpa

Das war mehr als nur ein Kinoabend. Das war geradezu ein einzigartiger Moment, den das Kommunale Kino in Pforzheim am Samstagabend mit der Autobahngesellschaft des Bundes und der hiesigen Feuerwehr auf die Beine gestellt hat.

Das offiziell erste Open-Air-Kino auf der Autobahn bei Pforzheim war nicht nur schnell ausverkauft – binnen eineinhalb Stunden waren alle Karten vergeben – sondern auch ein ausgelassenes Ereignis, bei der Feierlaune geherrscht hat.

Zur Musik der SWR1-Band wurde hinter dem bestuhlten Bereich getanzt, die Menschen standen auf, klatschen und sangen begeistert mit, während andere sich weiter hinten noch mit allerlei kulinarischer Köstlichkeiten versorgten.

Das Autokino-Event wurde alleine deshalb schon zu einem großen Fest, an einem mehr als denkwürdigen Abend, der übrigens gar nicht so viel Vorlauf hatte, wie man bei so einer Geschichte denken mag.

Das ist etwas Einmaliges und total toll.
Katja Mast, SPD-Bundestagsabgeordnete

Publikum statt Autos auf einer leeren A8, ein Bild mit Seltenheitswert. Foto: Stefan Friedrich

Bei der letzten Vollsperrung wurde die Idee im Kommunalen Kino geboren. Timo Gerstel und Christine Müh sprachen darüber „und wie das bei uns im KoKi so ist, haben wir das dann gemacht“, strahlt Müh mit Blick auf die eindrucksvolle Kulisse.

Einen Moment hat es trotzdem gedauert, bis der richtige Kontakt bei der Autobahngesellschaft gefunden war. Sarah Münzer hat sich darum gekümmert. Im Juli hat es das erste Gespräch gegeben. Dann ging alles überraschend schnell. Statt dem erwarteten Kampf mit den Ämtern stieß sie direkt auf Unterstützung.

Aus Sperrung Event gemacht

Gute Laune auch bei den Machern des Autobahnkinos: Christine Müh und Jan-Philipp Strobel. Foto: Stefan Friedrich

Wobei man die Autobahn nicht etwa für das Kino gesperrt hat, wie es gerüchteweise schon hieß, lacht Jan-Philipp Strobel, stellvertretender Pressesprecher der Niederlassung Südwest. „Die Autobahn war sowieso gesperrt und wir wollten ein cooles Event draus machen.“ Trotzdem weiß auch er: „Erstmalig in Deutschland Kino auf der Autobahn. Das gab’s noch nie zuvor und wird es wahrscheinlich auch so schnell nicht mehr geben.“

Als „Wahnsinn“, kann denn auch Münzer ihre Gefühle nur beschrieben. Angefangen vom Kartenverkauf bis zu dem Moment, als das Team auf die leere Autobahn gefahren ist und aufgebaut hat: So etwas erlebe man wahrscheinlich nur einmal im Leben, sagt sie.

Eine Herausforderung war es trotzdem, bemerkt Gerstel. „Auf der Autobahn gibt es keine Steckdosen und kein fließend Wasser. Das müssen Sie alles organisieren.“ Insofern gilt sein Dank vor allem der Feuerwehr, die sich sofort bereit erklärt hat, mitzumachen und ein Stromaggregat aufzustellen.

„Richtig gut“, findet Gerstel das. Er, wie das ganze Team des Kommunalen Kinos, sei stolz auf das, was sie hier geschafft haben, aber auch etwas traurig, „dass kein Vertreter der Stadt Pforzheim heute Abend gekommen ist.“ Anders als die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, die am Samstagabend „eine ganz tolle Atmosphäre“ erlebt hat. „Das ist etwas Einmaliges und total toll.“ Es zeige aber auch, wie kreativ man in Pforzheim sein kann.

Denkwürdiger Abend für Besucher

Das dürften auch die mehreren hundert Besucher so gesehen haben, die sich schon frühzeitig zu einem der denkwürdigsten Abende in der jüngeren Pforzheimer Geschichte eingefunden hatten. Schon lange vor Öffnung des Zugangs hatte sich eine lange Schlange auf dem Feldweg zwischen Möbelzentrum und Autobahnbrücke gebildet, dem Zugang zum Gelände.

Eine 15 Meter breite Leinwand hing für das Open-Air-Kino von der Brücke. Foto: Stefan Friedrich

Securitykräfte sorgten hier dafür, dass die Kinofreunde nur in kleinen Gruppen kontrolliert und durchgelassen wurden, über die Brücke vorbei am zweiten Check-in, wo Sarah Münzer und ihre Kollegen warteten. Erst dann ging es eine enge Treppe hinab auf die Autobahn, die große Bühne und die 15 Meter breite Leinwand unmittelbar vor sich.

Statt Autolärm hört man Grillen zirpen

Für die meisten dürfte es ein eigenartige Gefühl gewesen sein: Dort wo sonst die Autos auf sechs Spuren vorbei rasen, war es in diesem Moment so still, dass man sogar die Grillen zirpen hören konnte. Zumindest bis die Band loslegte und das Vorprogramm zum Film schmiss.

Im Hauptprogramm lief später dann das Roadmovie „25 km/h“; ein Film, der fast ein Heimspiel hatte: Szenen dafür wurden nicht weit weg, unter anderem an einem Bahnübergang der Murgtalbahn in Baiersbronn und an der Schwarzwaldhochstraße gedreht.

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