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Spuren der Trockenheit

Enz in Pforzheim liegt bei langjähriger Niedrigwassermarke

Niedrigwasser und kein Ende in Sicht: Die Enz am Pegel in Pforzheim ist an der historischen Tiefstmarke. Die Prognosen verheißen weiter Dürre.

Sandbänke an der Nagold: So breit ist das Ufer hier nicht immer. Während andere Wasservögel leiden, stören sich Schwäne weniger an der Wasserknappheit. Sie sind reine Vegetarier, brauchen also keine Wassertiere als Nahrung. Foto: Jürgen Müller

Die gute Nachricht zuerst: Auch nach dem dritten trockenen Hitzesommer in Folge kann sich Pforzheim noch Drei-Flüsse-Stadt nennen. Nagold, Würm und Enz plätschern aus dem Schwarzwald heraus in die Goldstadt und – am Kupferhammer und an der Auerbrücke vereint – weiter Richtung Mühlacker und dem Neckar zu. Doch die Spuren des markanten Wetters sind durchaus zu sehen. Was der Spaziergänger beim Blick vom Ufer vermutet, bestätigt sich auf der Pegelkarte der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg.

Niedrige Stände trotz Wasserentnahmeverbot

30 Zentimeter: Höher steht das Wasser der Enz am Pegel in Pforzheim schon seit Tagen nicht mehr. Im Februar und März lagen die Werte noch über dem langjährigen Mittel – seither sind sie fast durchgängig darunter. Und sie fallen im Jahresgang immer weiter. Zur Einordnung der aktuellen Lage: Der niedrigste offiziell gemessene Wasserstand der Vergleichsperiode von 1981 bis 2010 an dieser Stelle beträgt genau: 30 Zentimeter.

Kaum anders sieht es weiter flussaufwärts an der Würm aus. Historisch niedrigster Stand sind dort 17 Zentimeter. Aktuell am Wochenende wurden 20 Zentimeter gemessen. Weniger aussagekräftig ist dagegen der Wasserstand am Pegel der Enz in Neuenbürg. Die aktuell 49 Zentimeter sind nach Informationen der Hochwasservorhersagezentrale extrem durch die Stauhaltung beeinflusst, bilden also nicht akkurat die möglicherweise größere Trockenheit ab.

Insgesamt ist die Lage noch nicht extrem.
Manfred Bremicker Leiter des Referats Hydrologie und Hochwasservorhersage bei der Landesanstalt für Umweltschutz, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Doch wo die Werte eine Aussagekraft haben, zeigt die Karte fast überall in der weiteren Region mittleres Niedrigwasser. „Insgesamt ist die Lage noch nicht extrem“, sagt Manfred Bremicker, Leiter des Referats Hydrologie und Hochwasservorhersage bei der Landesanstalt für Umweltschutz, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Generell sind die Wasserstände ausgangs des Sommers in der Regel am niedrigsten.

Doch diesmal sind sie eben noch etwas niedriger.

Und es gibt ungewöhnliche Zeichen: So gilt im Enzkreis noch bis Mitte Oktober zum zweiten Mal nach 2018 ein Entnahmeverbot von Wasser aus Seen, Bächen und Flüssen. Und im Bereich der Mannenbach-Wasserversorgung im westlichen Enzkreis erging im August der dringende Appell an die Bevölkerung, doch bitte sparsamer mit dem Trinkwasser umzugehen – sonst müsse man die Abgabe bald drosseln. So weit kam es dann aber nicht.

Aufwendige Prognosen zeigen simples Ergebnis: Es ändert sich erstmal nichts

Die Wasserstände dürften in den nächsten Wochen stabil niedrig bleiben. Die Prognosen für die Hochwasserkarte werden aufwendig errechnet, erklärt Experte Bremicker. „Alle Wettervorhersagen für die kommenden zehn Tage fließen ein. Es ist ein sehr kompliziertes Modell.“ Im Moment mit einem sehr simplen Ergebnis: Es ändert sich kaum etwas. Bremicker: „Es zeichnet sich in den nächsten Tagen kein Impuls ab, dass eine Änderung der Wasserstände zu erwarten ist. Sie werden wohl ganz langsam weiter fallen.“ Erst in einer Woche könnte es dem Modell zufolge einen kurzen Anstieg geben.

Das deckt sich mit den Prognosen von BNN-Wetterexperte Dominik Jung. Er erkennt eine extreme Wetterlage für September. „Der Sommer schlägt noch einmal richtig zu, teilweise deutlich wärmer als es im Juni war.“ Das aktuelle Hoch bringe viel Sonnenschein und Wärme, „leider aber auch reichlich Dürre“, so Jung. Für diese Redaktion wertete er kürzlich die Daten der Wetterstation Mühlacker aus und machte für den Sommer nur die halbe Regenmenge des langjährigen Mittels aus. Sollte Regen kommen, wäre das auf den trockenen Böden nur noch der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Umgekehrt werden die Wasserstände aber wohl auch nicht drastisch weiter sinken – eben weil sie schon so niedrig sind. Aktuell sind die Flüsse laut Experte Bremicker vor allem gespeist aus Grundwasser und Kläranlagen-Zuflüssen. Das seien relativ konstante Größen.

Für Fische wird es eng

Auswirkungen haben die niedrigen Wasserstände auf die Tierwelt. Für Fische und Kleinstlebewesen im Wasser wird es desto enger, je weniger Wasser da ist und je wärmer es ist. Sterben sie weg, fehlt wiederum manchen Wasservögeln die Nahrung. Der Pforzheimer Naturexperte Gerhard Vögele, der auch für diese Redaktion Beiträge verfasst, erklärt: Graureiher und Eisvögel haben bereits Schwierigkeiten, genug Nahrung zu finden, denn die Fischwelt ist dezimiert.

Wahrscheinlich gebe es auch weniger Fliegenlarven, die eine wichtige Nahrungsquelle für Amseln seien. Andere Vögel leiden weniger. „Schwäne und Nilgänse sind reine Vegetarier, sie finden am Ufer genügend Nahrung“, sagt Vögele. „Auch Enten kommen vegetarisch gut über die Runden.“ Ein klarer Vorteil, wenn die drei Flüsse so wenig Wasser führen.

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