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Sehnsucht nach Öffnungen

Corona und Kultur: Keine Perspektive für Kino und Konzerte im Enzkreis

Renovieren, Digitalangebote machen, Pläne schmieden – damit überbrücken Kultureinrichtungen im Enzkreis die Zeit, bis sie wieder öffnen dürfen. Den meisten fehlt momentan aber die Perspektive.

Endlich wieder ins Kino: Das wollen viele filmbegeisterte Stammgäste von „Scala“-Chef Joachim Baensch. Wann er sein Filmtheater in der Bahnhofstraße in Mühlacker wieder öffnen kann, ist momentan schwer zu sagen. Foto: Joachim Baensch

Das Öffnungsszenario und das Datum, auf das man hinarbeiten kann – das fehle der Branche derzeit ganz besonders, sagt Joachim Baensch, Betreiber des Scala Filmtheaters in Mühlacker. Mit Ausnahme von ein paar Wochen im September und Oktober hat sein Kino in der Bahnhofstraße seit Mitte März 2020 geschlossen.

„Es ist eine sonderbare Situation“, sagt der 58-Jährige, der das 1954 erbaute Kino mit insgesamt 216 Plätzen in dritter Generation führt. Wenn jetzt aber nach und nach das Oechsle-Fest in Pforzheim und das Münchner Oktoberfest abgesagt werden, „macht das schon Angst“, sagt Baensch.

Die Zeit der Schließung hat das Filmtheater für Renovierungsarbeiten genutzt: Das Treppenhaus ist frisch verputzt und neue Tischplatten wurden aufmontiert. Bis es wieder losgeht, sollen Polster und Teppiche gereinigt, eine neue Theke eingebaut und die Bestuhlung in beiden Sälen erneuert werden.

Durch die Arbeiten hätten auch einige der 15 bis 20 im Scala geringfügig beschäftigten Studenten etwas zu tun gehabt, so Baensch. Finanziell sei das Kino durch staatliche Zuschüsse und Überbrückungshilfen „auf der sicheren Seite“. Geld gab es auch über das Förderprogramm der Filmförderanstalt. Dadurch konnte im Kino unter anderem eine neue Spülmaschine angeschafft werden.

Was die Branche schmerzt, ist nicht nur die fehlende Perspektive sondern auch, dass Produktionen in den Streamingbereich abwandern. Der digitale Wechsel sei durch Corona beschleunigt worden, sagt der gebürtige Pforzheimer. Dennoch höre er fast täglich von Leuten, die am Schaukasten vor seinem Kino stehen, dass sie endlich wieder ins Kino kommen wollen.

Digitale Veranstaltungen wie die Live-Übertragung eines Konzerts mit dem Lienzinger Pianisten Michael Fiedler oder der Video-Serie „Zwei im Kino“ werden gut angenommen, seien aber auch technisch aufwändig, sagt der Scala-Chef. Eine Fortsetzung sei dennoch geplant.

Filmstarts im Juni im Scala Mühlacker eher unrealistisch

Pläne für die kommenden Wochen gebe es schon; sie stehen und fallen aber mit den Corona-Auflagen. „Es gibt keine Planungssicherheit. Was heute gilt, kann morgen schon überholt sein. Die Branche wartet also gespannt ab.“ Open-Air-Kino sei mit Ausgangssperre kaum möglich und „Experimente“ wie 2020 mit Filmgucken im Auto in diesem Jahr auf wirtschaftliche Weise auch nicht umzusetzen.

Angekündigte Starttermine von Filmen im Juni hält Baensch für zu optimistisch. Realistischer sei, dass das Publikum den mehrfach verschobenen James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ ab 30. September im Kino sehen kann.

Wenn der Spielbetrieb in der zweiten Jahreshälfte wieder losgehen sollte, dann aber sicher nicht „von null auf hundert“. Das werde alles Zeit brauchen – auch bis sich die Gäste wieder trauen, nach anderthalb Jahren der Isolation in größeren Gruppen Filme zu schauen.

Es ist eine harte und schwierige Zeit.
Anne von der Vring, Leiterin der Theaterschachtel

Als „harte und schwierige Zeit“ bezeichnet Anne von der Vring, die mit ihrem Mann Matthias die „Theaterschachtel“ in Neuhausen betreibt, die Zwangsschließung ihrer Kleinkunstbühne und Begegnungsstätte. Mit Gastro-Angeboten „to go“ halten sie sich derzeit über Wasser.

Ob das neue Programm ab Ende Mai starten kann, ist noch offen, da Theater bei der Öffnungsreihenfolge das Schlusslicht bilden. Sie fühle sich wie ein Wettkämpfer, der zum Start gerufen wird und dann doch nicht loslaufen dürfe, schildert von der Vring ihre Stimmung.

Umbauarbeiten in der Theaterschachtel in Neuhausen im Lockdown

Den Lockdown nutzt die Theaterschachtel für Umbauarbeiten. Das Foyer wird erweitert und erhält ein barrierefreies Eingangsportal. Außerdem gibt es künftig ein Bühnenlager mit Platz für Requisiten. Die Fenster im Saal wurden erneuert und mit Verdunklungsrollos versehen. Und obendrein ist die orangerote Farbe an der Außenfassade entfernt und das Fachwerk freigelegt worden. „Es ist jetzt auch von außen ein richtiges Schmuckstück“, freut sich von der Vring.

Kleinkunstbühne ohne Publikum: Matthias und Anne von der Vring nutzen die Zwangsschließung ihrer Kultureinrichtung für Umbauarbeiten. Foto: Michael Lautenschlager

Mit dem neu gegründeten Künstlerbund betreibt die Theaterschachtel auf ihrer Internetseite einen Blog, auf dem neue Projekte per Video als Appetithäppchen vorgestellt werden. Außerdem ist im Juni ein Crowdfunding-Projekt geplant, bei dem 12.000 Euro zusammenkommen sollen.

Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und gucke immer nach vorn.
Wolfgang Kienzle, Betreiber „Musikpark Live“

„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und gucke immer nach vorn“, sagt Wolfgang Kienzle, Betreiber des „Musicparks Live“ in Maulbronn. Am 13. März 2020 fand in seinem Club in der Daimlerstraße das bisher letzte Konzert statt. Danach wurde der Betrieb komplett heruntergefahren.

Eine Öffnung vergangenen Sommer mit Auflagen kam nicht in Frage, weil laut Kienzler Live-Musik für ein kleines Publikum unrentabel gewesen wäre und Feiern und Tanzen mit Abstand schlicht unrealistisch.

Guckt immer nach vorn: Wolfgang Kienzle (hier mit seiner Frau Alexandra) renoviert momentan seinen Maulbronn Club „Musicpark Live“ und schiedet Pläne für Konzerte ab September. Foto: Steffen Andres

Konzerte im Maulbronner Musikpark ab September geplant

Seit einem halben Jahr wird auch im Musikpark viel renoviert: Boden, Beleuchtung, Eingangstür und die Musikanlage werden erneuert. Er habe trotz Schließung keine finanzielle Probleme, weil er seine Halle gut vermietet habe, sagt der Betreiber.

Kienzler hat zwar mit einigen Bands Termine für das letzte Quartal des Jahres ausgemacht, glaubt aber, dass es erst dann wieder richtig losgeht, wenn mehr als 60 Prozent geimpft sind und die Corona-Zahlen „richtig runtergehen“. Bis dahin will der 63-Jährige seinen Club mit Biergarten weiter optimieren. „Ich bin guten Mutes und sehe die Sache ganz cool.“

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