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Zu Erntedank

Realschüler lesen ihren eigenen Wein in Eisingen

Statt einem Biobuch geht es für Realschüler aus dem Enzkreis auf den Weinberg in Eisingen. Dort kümmern sie sich um ihre eigenen Reben. Der Erlös aus dem Weinbau fließt in soziale Projekte.

Bei der Weinlese eifrig mit angepackt hat die Weinbau-AG der Willy-Brandt-Realschule zusammen mit Lehrer Boris Knorr (hinten von links), den Eisinger Winzern Otto und Michael Keller und dem Lehrer im Ruhestand Wilhelm Kramer. Foto: Julian Zachmann

Das Lektüre-Lesen überließ die Weinbau-AG der Königsbacher Willy-Brandt-Realschule kurz vor Erntedank ihren Mitschülern und machte sich stattdessen auf zur Trauben-Lese im schuleigenen Eisinger Weinberg.

Tatkräftig unterstützt vom örtlichen Weingutbesitzer Michael Keller und seinem Vater Otto machten sich acht Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Klassenstufen eifrig ans Werk.

Sie lernten zwischen den Rebzeilen sicherlich mindestens genauso so viel dazu wie im Klassenzimmer. Obendrein unterstützten sie mit ihrem Einsatz den guten Zweck: In inzwischen langer Tradition verkauft die Schule ihren „Willy-Brandt-Wein“ bei Festen oder Jubiläen.

Schüler pflegen die Reben am Weinberg in Eisingen

In den ersten Jahren hat sie damit die Rebstöcke bezahlt. Nun spendet sie den Erlös an die Krebsnachsorge oder die Lebenshilfe, wie Lehrer Boris Knorr verdeutlicht.

Knorr hat die AG nach dem Ruhestand seines Kollegen Wilhelm Cramer im Jahr 2011 übernommen. Mitte der 1990er Jahre legte das Bildungszentrum auf Initiative des damaligen Eisinger Bürgermeisters Werner Kiko sechs Rebzeilen an.

Während sich Winzerfamilie Keller das Jahr über um die Pflege und den fachgerechten Pflanzenschutz kümmert, statten die Schüler regelmäßig, meist samstags, einen Besuch ab – nicht nur zum Ernten: „Im Frühjahr wächst der Wein wild über die Reihen, deshalb muss man ihn zurückschneiden“, erklärt Zehntklässler Jonas Mairbichler, während er einen Eimer voll Trauben in die große Wanne kippt.

Viele kaufen das Obst und Gemüse im Supermarkt und wissen nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt.
Wilhelm Cramer, Initiator der AG

„Dann sucht man die schönsten Triebe aus, biegt und bindet sie an die Drähte“, sagt Schüler Jonas Mairbichler. Auch zu Hause gärtnert der 16-Jährige gerne – und blickt nach dem verregneten Sommer, der nach zwei Trockenjahren zwar den Bodenwasservorrat aufgefüllt, aber in vielen Kulturen für Fäule und Qualitätseinbußen gesorgt hat, immerhin auf eine zufriedenstellende Kirsch- und Himbeer-Ernte.

Für die hat er an Erntedank Grund zur Freude. „Auch für viele andere Dinge kann man dankbar sein, zum Beispiel dass das Homeschooling vorbei ist und wir uns wieder in der Schule treffen können.“

Lehrer wollen Schülern die Natur näher bringen

Auf den Wert der eigenen Gesundheit weisen Siebtklässler Finn Schäfer aus Königsbach und Noel Kozik aus Eisingen hin. Um später vielleicht den Hobby-Weinbau ihrer Familien fortzuführen, sind sie mit Begeisterung bei dem Schulprojekt dabei.

„Das Schönste dabei ist das Draußensein in der Natur“, bringen es Amelie Grözinger und ihr Bruder Lorenz auf den Punkt. Zu Hause bepflanzen sie zwei Hochbeete und einen Mirabellenbaum, dessen Ernte sie zu Marmelade verarbeitet haben.

„Viele kaufen das Obst und Gemüse im Supermarkt und wissen nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt. Daher und um etwas Gutes für die Natur zu tun, haben wir die AG gegründet“, erklärt Wilhelm Cramer die Motivation. Der frühere Biolehrer hatte zuvor keinerlei Ahnung vom praktischen Weinbau und ist heute erst recht mit Begeisterung dabei.

Initiator Wilhelm Cramer erinnert sich, wie er von seinen eigenen Schülern – darunter der heutige Eisinger Weinbautechniker Michael Keller – dazulernen konnte: „Gemeinsam zu lernen ist eine tolle Erfahrung. Wir sind hier kein Lehr- sondern ein Lern-Weinberg, wo man auch Fehler machen darf. Denn aus Fehlern wird man schlau.“

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