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Inzidenz bleibt unter 100

Enzkreis darf die Corona-Regeln nach nur drei Tagen schon wieder lockern

Terminshopping ist ab Freitag im Enzkreis wieder möglich. Auch andere Corona-Regeln werden gelockert – nach nur drei Tagen. Das wirft ein Schlaglicht auf die geltenden Regelungen.

Geöffnet mit Einschränkungen: Einzelhändler dürfen jetzt wieder "Click&Meet", also Einkaufen mit Termin anbieten. Foto: Hendrik Schmidt/picture alliance/dpa-Zentralbild

Noch schneller hätte es fast nicht gehen können: Nur drei Tage nach der Notbremse gibt es im Enzkreis schon wieder Lockerungen im gesellschaftlichen Leben. Ab diesem Freitag dürfen Einzelhändler wieder Shopping nach Terminvereinbarung anbieten, Museen können öffnen und Anbieter körpernaher Dienstleistungen können ihrem Beruf nachgehen.

Erlaubt ist ebenfalls wieder die Öffnung von Außen- und Innensportanlagen für den Amateur- und Freizeitsport, und Musikschulen dürfen im Rahmen der geltenden Kontaktbeschränkungen wieder Präsenzunterricht anbieten.

Dem vermeintlichen Verwirrspiel liegen klare Regeln aus der Corona-Landesverordnung zugrunde. Steigt die Wocheninzidenz drei Tage hintereinander über den Wert 100, gibt es mit zwei Werktagen Verzögerung strengere Vorgaben, um die Kontakte der Menschen weiter zu reduzieren.

Inzidenz im Enzkreis beträgt am Donnerstag 89,2

Bleibt der Wert fünf Tage in Folge unter der 100er-Grenze, kann schon am nächsten Tag wieder gelockert werden. Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner angibt, nach Zahlen des Landesgesundheitsamts im Enzkreis genau bei 89,2 – und damit zum fünften Mal unter 100.

Die Behörden vor Ort haben bei Lockerungen und Verschärfungen kaum noch Spielraum, vor allem wenn das Infektionsgeschehen so diffus ist wie im Enzkreis. Das Landratsamt ist dann angehalten, „unverzüglich“ die Zahlen per Allgemeinverfügung zu veröffentlichen. Der Rest ergibt sich quasi von selbst aus den Landesregeln. Genau darauf hob auch Landrat Bastian Rosenau nun noch einmal ab: „Diesen Automatismus gibt uns die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg klar vor.“

Zuletzt unterschiedliche Regeln im Enzkreis und in Pforzheim

Weil die Regeln für jeden Stadt- und Landkreis an die Inzidenz gekoppelt sind, ergeben sich teils Unterschiede in der direkten Umgebung. In Pforzheim, also in der Mitte des Enzkreises, lag das Infektionsgeschehen zuletzt stabil unter 100. Während also im Enzkreis die Geschäfte nur noch Waren an Abholer abgeben konnten, war Terminshopping in der Großstadt die ganze Zeit möglich.

Dort waren auch Kosmetik- und Nagelstudios geöffnet, was viele Kollegen aus dem Enzkreis nicht gerne sahen. Dass die Menschen aus dem Enzkreis, wo die Notbremse galt, zum Einkaufen oder ins Sonnenstudio also nach Pforzheim fahren, wo viele von ihnen sowieso arbeiten, liegt also nahe.

Wir brauchen dringend eine landesweite Strategie unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen.
Bastian Rosenau, Landrat Enzkreis

Man wisse sehr wohl, dass es inzwischen bei vielen um die berufliche und finanzielle Existenz gehe, sagte Landrat Rosenau vor einigen Tagen. „Wir haben großes Verständnis für die Sehnsucht und die Forderung vieler Menschen nach Lockerungen und Öffnungen. Wir brauchen hierzu dringend eine landesweite Strategie unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen.“

Wie es jetzt weitergeht? Zwei Szenarien schweben drohend über den frischen Öffnungen. Wenn sich die große Politik nun doch auf einen bundesweiten harten Lockdown einigt, wäre davon natürlich auch der Enzkreis betroffen. Und: Sollte die Inzidenz nach der Osterzeit, in der weniger getestet wurde, dann doch schon ab diesem Freitag über 100 gehen, wären frühestens ab Dienstag wieder Einschränkungen möglich.

Landrat appelliert: Regeln einhalten, damit die Lockerungen bleiben

Rosenau appelliert in einer Mitteilung an die Einwohner im Enzkreis, weiter ihren Teil zu einer positiven Entwicklung beizutragen: „Damit wir diese Lockerungen in Kürze nicht wieder zurücknehmen müssen, sollten wir uns alle nach wie vor strikt an die AHA-Regeln halten.“ Man solle also Masken tragen, wo immer es enger zugeht, und die Kontakte auf das absolut Notwendige reduzieren. Erlaubt sind aktuell maximal fünf Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten, Kinder bis einschließlich 14 Jahre ausgenommen.

Außerdem rät der Landrat, die inzwischen in vielen Kreisgemeinden und in Pforzheim vorhandenen Testmöglichkeiten zu nutzen. „Damit können symptomfreie Menschen gefunden und Infektionsketten rasch unterbrochen werden. Dies wird uns helfen, einen Weg aus der Pandemie zu finden“, so Rosenau.

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