Skip to main content

16 Wochen quer durch Deutschland

Enzkreispaar radelt für Krebsvorsorge fast 5.000 Kilometer

Reinhard und Doris Kappes sind zurück im Enzkreis. Das Ehepaar war 16 Wochen lang für die Krebsvorsorge-Organisation Pink Ribbon mit dem Fahrrad in Deutschland unterwegs. Mitgebracht haben sie viele Erlebnisse, Fotos und Erfahrungen, die das Rentnerpaar nun zu einem Reiseführer verarbeiten möchte.

Beeindruckende Naturerlebnisse: Der Donaudurchbruch bei Weltenburg hat Reinhard und Doris Kappes auf ihrer Radtour durch Deutschland fasziniert. Foto: Reinhard Kappes

Die Zahlen beeindrucken: 4.967 Kilometer legten Reinhard (73) und Doris Kappes (60) seit dem Start Ende Juni auf ihrer Tour durch ganz Deutschland zurück. Rund 100 Kilogramm Gepäck, inklusive Zelt und Kochausstattung, haben die beiden in Rucksäcken, Radtaschen und einem Anhänger vom Bodensee bis Bremerhaven und wieder zurück nach Bayern transportiert. An freien Tagen teilten die Radler ihre Erlebnisse in insgesamt 75 Blogeinträgen und 1.425 Fotos mit anderen. „Wir brauchen Zeit, um wieder anzukommen und die Erlebnisse zu verarbeiten“, sagt das Paar ein bisschen wehmütig in seiner Wohnung im Knittlinger Stadtteil Kleinvillars.

Botschafter, die den Austausch suchen

Im Mittelpunkt der Reise, die Ende Oktober in Passau endete, stand der Austausch mit Menschen, die das Paar als Botschafter für Pink Ribbon über Krebsvorsorge informierte. Mit Brustkrebspatientinnen sprachen sie beispielsweise darüber, wie wichtig die positive Lebenseinstellung ist auf dem Weg zur Genesung sei. „Alle haben sich ihr Leben zurückerobert; das macht Mut“, sagt Doris Kappes, die in den Gesprächen auch über ihre eigenen Krebserfahrungen berichtete.

Wir haben ein tolles, offenes und buntes Land
Doris Kappes, Botschafterin von „Pink Ribbon“

Unvergesslich sind für beide aber auch spontane Begegnungen: Etwa nahe Siegen mit einem Wanderer, der sie nach einem netten Gespräch zu sich einlud und ihnen seinen Hausschlüssel in die Hand drückte. Einen denkwürdigen Abend haben Kappes auch mit einem syrischen Schriftsteller in Würzburg verbracht, der sie bekochte.

„Wir haben ein tolles, offenes und buntes Land, in dem sich die Leute gegenseitig helfen – und das gilt für alle Bundesländer“, schwärmt Doris Kappes. Viele Gastgeber haben die Radler auch über „Dachgeber“, dem Netzwerk für Radfahrer, kennen gelernt.

Man bekommt einen Blick für die kleinen Dinge am Wegesrand
Reinhard Kappes, Mitglied im Fahrradclub ADFC

Die Veränderungen in der Natur haben das Paar auf seiner Tour ebenfalls stark beeindruckt. Ob Hitze im Juli oder kühles Herbstwetter im Oktober: Die zwei Radler haben sehr viel Zeit im Freien verbracht und bis September oft gezeltet. „Der Blickwinkel verschiebt sich, wenn man lange mitten in der Natur lebt. Man bekommt einen offenen Blick für die kleinen Dinge am Wegesrand“, erzählt Reinhard Kappes.

Wieder im Enzkreis eingerollt: Reinhard und Doris Kappes haben fast 5.000 Kilometer im Sattel zurückgelegt. Ihre Erlebnisse wollen sie nun in Buchform verarbeiten. Foto: Reinhard Kappes

Auch Regen hat sie meist nicht von ihrer Tagesetappe abgehalten. „Das ist ein wunderschönes Erlebnis. Man ist in der Natur und die Luft hat einen besonderen Duft“, findet Doris Kappes. An kalten Tagen wärmten sich beide manchmal mit Gymnastik am Wegesrand auf. Oder wie in Bayern mit einem spontanen Donauwalzer im Regen, für den begeisterte Autofahrer hupend Beifall spendeten.

Körperlich haben die fitten Rentner die lange Tour gut weggesteckt. „Ich bin relativ untrainiert losgefahren, aber die Kondition hat sich im Laufe der Wochen aufgebaut“, erzählt Doris Kappes. Dennoch waren regelmäßige Ruhetage von Anfang an eingeplant – auch um den Blog mit Texten und Fotos zu pflegen und Sehenswürdigkeiten vor Ort zu würdigen. Massenaufläufe haben die Radler gemieden und „Corona-Anfeindungen“ somit umrundet, erzählt Reinhard Kappes schmunzelnd.

Diavorträge und Reiseführer geplant

Die kommenden Wochen wollen Doris und Reinhard Kappes dazu nutzen, um ihre Erlebnisse und Tipps in Zusammenarbeit mit Pink Ribbon in einen Reiseführer fließen zu lassen. Diavorträge über ihre Tour sind ebenfalls geplant – sobald solche Veranstaltungen wieder möglich sind. „Die Reiselust ist immer da“, weiß Reinhard Kappes, der mit dem Rad auch schon in Neuseeland war.

Nächstes Jahr will das Ehepaar aber mit dem Rad in Deutschland bleiben. Denkbar wäre eine Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze oder Heinrich Heines „Harzreise“ nachzuwandern – allerdings auf Schusters Rappen. Eines ist für das sportbegeisterte Paar aber klar: „Die Ideen gehen uns nicht aus. Jetzt nehmen wir uns erst einmal Zeit, um zu Träumen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang