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Stillstand durch Corona

Führt der zweite Lockdown zu einem Mitgliederschwund? Das sagen die Sportvereine im Enzkreis

Bereits zum zweiten Mal können Mitglieder die Angebote ihrer Sportvereine wegen des Teil-Lockdowns nicht nutzen. Haben die Sportvereine im Enzkreis deshalb vermehrt mit Austritten zu kämpfen? Ein Stimmungsbild.

Gähnende Leere: Zahlreiche Sportanlagen – wie hier das Birkenfelder Erlachstadion beispielhaft im Juni – dürfen auch im Teil-Lockdown nicht genutzt werden. Für die Mitgliederentwicklung in den Sportvereinen verheißt das nichts Gutes. Foto: Harry Rubner

Sie hatten alles gemacht: Hygienekonzepte mit Einbahnstraßenregelungen ausgearbeitet, zahlreiche Desinfektionsstellen eingerichtet, einen neuen Hallenbelegungsplan mit integrierten Lüftungszeiten auf den Weg gebracht – und doch war am 1. November bis auf Weiteres wieder Schluss. Beim TB Wilferdingen, der etwas mehr als 1.000 Mitglieder zählt, können derzeit kaum Kurse angeboten werden, an Trainingsbetrieb ist unter den derzeitigen Corona-Verordnungen nicht zu denken.

Ein Umstand, der nicht nur die Wilferdinger, sondern sämtliche Vereine vor Herausforderungen stellt. Schon allein aus dem Grund, dass Mitglieder sich mangels Möglichkeiten dazu entschließen könnten, den Vereinen den Rücken zu kehren.

Sorgen bestehen auch beim Sportbund

Florian Dürr, stellvertretender Geschäftsführer des Badischen Sportbundes Nord und Leiter des Geschäftsbereichs Sport- und Vereinsentwicklung, hat derzeit noch keine konkreten Zahlen – die Bestandserhebung für das laufende Kalenderjahr hat erst begonnen. „Sorgen haben wir aber, das ist keine Frage“, sagt er. „Dieser Teil-Lockdown kommt für uns zur Unzeit, weil sich viele bis Jahresende noch dazu entschließen könnten, auszutreten“, erklärt Dürr weiter.

Die natürliche Fluktuation belaufe sich auf zehn bis 15 Prozent, allerdings habe sich das in den vergangenen Jahren mit den Beitritten die Waage gehalten. „Dieses Jahr haben wir die Sorge, dass die Austritte überwiegen. Ernsthafte Prognosen können wir aber erst gegen Jahresende geben.“ Zumal im Sommer gerade im Kinder- und Jugendbereich zahlreiche Beitritte zu verzeichnen gewesen seien.

Es werden definitiv ein paar weniger sein, aber konkrete Zahlen kennen wir erst am 31. Dezember.
Stefan Ermentraut, Vorsitzender der TSG Niefern

Um ihren Mitgliedern dennoch etwas zu bieten – und wohl auch um dem möglichen Unmut entgegenzutreten – haben viele Vereine Online-Angebote ins Leben gerufen. Besonders in der ersten Phase der Pandemie, wie Dürr bestätigt, habe man beim Badischen Sportbund Nord „eine große Zahl an Rückmeldungen aus den Vereinen erhalten“. Er geht davon aus, dass die Konzepte ohnehin noch in den Schubladen der Vereine lägen und sie daran anknüpfen.

Vereine schaffen alternative Angebote

Genau das ist beispielsweise bei der TSG Niefern der Fall, wie Geschäftsführer Stefan Ermentraut erklärt. Bereits seit März setzt man bei der TSG auch auf Online-Angebote – und wird das vermutlich noch längerfristig machen. Wie sich das allerdings auf die Mitgliederzahlen, die derzeit bei gut 2.050 stehen, auswirkt, wagt er noch nicht abzuschätzen. „Es werden definitiv ein paar weniger sein“, sagt er, „aber genaue Zahlen kennen wir erst am 31. Dezember.“

Bei den Gesundheitskursen der Generation Ü70 scheitern Online-Kurse leider oft an den technischen Möglichkeiten.
Beate Bartel, Vorsitzende des TB Wilferdingen

Beim rein ehrenamtlich getragenen TB Wilferdingen bewegen sich die Austritte laut der Vorsitzenden Beate Bartel bislang im normalen Rahmen, finanzielle Nöte stehen nicht ins Haus. „Aber man will natürlich weitermachen – und man muss lernen, mit der Unsicherheit zu leben, auch wenn es schwierig ist“, sagt sie.

Einige Regelungen aber erschließen sich der TB-Vorsitzenden nicht: „Wir haben den Vorteil, eine vereinseigene Halle und das Stadion zu haben, die Halle ist für den Schulunterricht an die Gemeinde vermietet“, erklärt sie. Ganz im Gegenteil zum Betrieb des Vereins darf der Schulunterricht in eben dieser Halle weiter stattfinden. Einzig den Zumba-Kurs könne man derzeit online anbieten, „bei den Gesundheitskursen der Generation Ü70 scheitert das leider oft an den technischen Möglichkeiten“, erklärt Bartel.

Schwund wird es wohl geben

Auch bei der TG Stein setzt man vereinzelt auf Online-Angebote. Im Gros sei das aufgrund der vielfältigen Sportmöglichkeiten im Verein aber nicht umsetzbar, sagt der Vorsitzende Manuel Roser. Es zeichne sich ab, „dass wir in diesem Jahr mehr Vereinsaustritte haben als in den Jahren zuvor“, so Roser – und das führe man auf die Pandemie zurück. Immerhin: „Das Beitrittsverhalten ist auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren.“ Für den Verein, der knapp 1.100 Mitglieder zählt, ist es eine „weiterhin erträgliche Situation“. Doch je nach Dauer der Gesamtlage, auch das gibt Roser zu bedenken, könnte sich diese Situation natürlich verschlechtern.

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