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Antwort auf Vorwürfe

Bürgermeisterwahl in Heimsheim: Wahlsieger Troll rechnet mit Stadträten ab

Viel vor hat Jürgen Troll, der am Sonntag als Bürgermeister wiedergewählt wurde, in der Stadt Heimsheim. Vor allem möchte er sich erstmal jene Stadträte zur Brust nehmen, die ihn für seinen Haushalt kritisiert hatten - obwohl sie dafür gestimmt hatten. Verliererin Di Mauro sieht auch Corona als Mitgrund für die Niederlage.

Viele Projekte zu managen: Heimsheims Bürgermeister Jürgen Troll möchte im großen Stil investieren. Der Breitbandausbau und die Klimawende bedeuten große finanzielle Eingriffe. Darum hatte es im Wahlkampf zuletzt großen Streit gegeben. Foto: Holger Keller

Es waren harte Bandagen, die da zuletzt im Bürgermeister-Wahlkampf der Stadt Heimsheim aufgefahren wurden.

Zu harte Bandagen für den Geschmack von Jürgen Troll, der trotz der aufgeheizten Stimmung knapp wiedergewählt worden ist. Und nun zum Gegenschlag ausholt.

„Das wird im Gemeinderat sicherlich nochmal besprochen werden müssen“, sagt er an die Adresse einzelner Stadträte, die ihm vorgeworfen hatten, mit seinem Haushalt „Heimsheim gegen die Wand gefahren zu haben“. Pures Herumgetrolle gegen Troll, findet der Bürgermeister. „Das war ein vorgeschobenes Argument, das einfach nicht zutrifft.“ Zumal der Haushalt einstimmig beschlossen worden sei. Die Stadt Heimsheim gibt erstmals seit langem mehr Geld aus, als sie einnimmt.

„Das ist nun einmal ein Pandemiehaushalt“, betont Troll, „die Prognose für die kommenden Jahre ist gut“. Vor allem die Investitionen in den Breitbandausbau kommen diesmal hinzu. Rund neun Millionen Euro an Fördergeldern bekommt die Stadt Heimsheim hierfür, allerdings muss man auch einiges selbst beisteuern. „In Zukunftsprojekte muss man investieren, selbst wenn man dafür einen Kredit aufnehmen muss“, sagt Troll.

Bürgermeister will Politik gegebenenfalls überdenken

Dabei sei ihm durchaus bewusst, dass das Wahlergebnis knapp war. „Ich nehme geäußerte Kritik durchaus selbstkritisch mit“, versichert der parteilose Bürgermeister, dem 53,93 Prozent der Wähler vertrauten.

Ob und wie er seine Politik anpasst, das ließ er allerdings offen. „Konkretes gibt es nicht.“ Und außerdem war ja immer noch die – wenn auch knappe – Mehrheit „mit meiner Amtsführung zufrieden“.

Di Mauro hält Corona für wichtigen Wahlfaktor

Ein Argument, dem die unterlegene Gegenkandidatin Nastassia Di Mauro aus Marxzell in gewisser Weise widerspricht. „Ich bin davon überzeugt, dass ohne die Pandemie mein Ergebnis besser ausgefallen wäre. Ich war zwar Klinken putzen, allerdings konnte ich in Zeiten der Pandemie bei weitem nicht jeden Haushalt erreichen“, glaubt sie.

Als Auswärtige habe sie schlechte Startvoraussetzungen gehabt. Eine Frau etwa habe ihr gesagt: „Wenn ich gewusst hätte, wie sympathisch Sie sind, dann hätte ich Sie gewählt.“ Und so viele Stimmen hatten schließlich nicht gefehlt, bei immerhin 45,22 Prozent der Stimmen für die 32-jährige ebenfalls Parteilose.

Der attestierte übrigens auch Troll einen fairen Wahlkampf, trotz der Scharmützel mit Gemeinderäten. Entsprechend mahnt Di Mauro Troll, dieses knappe Ergebnis ernst zu nehmen, auf die Heimsheimer genauer zu hören, „die ich sehr schätze“.

Breitbandausbau startet 2022

Für Di Mauro geht es jetzt erst einmal wieder in Marxzell im Hauptamt weiter. Zwar wolle sie schon noch einmal Bürgermeisterin werden. „Ich werde aber jetzt nicht losziehen und direkt eine andere Kommune suchen.“ Dem gegenüber steht nun die zweite Amtszeit von Troll, der dann insgesamt 16 Jahre die Geschicke der Stadt geleitet haben wird. Und danach?

„Dann bin ich 64 Jahre alt, dann wird man sehen.“ Zunächst jedenfalls stehen ganz konkrete Projekte an. Der umstrittene Breitbandausbau soll starten. Die Planungen für den ersten Bauabschnitt sind abgeschlossen, 2022 soll es losgehen.

Und auch in der Ökologie möchte er seine Stadt voranbringen. Bis 2040 will Heimsheim klimaneutral werden, Straßenlampen werden bald auf LED-Leuchten umgestellt, ein Klimaschutzbeauftragter soll eingestellt werden. Vorher allerdings möchte er im Gemeinderat Klartext sprechen.

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