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„Verlängerte Werkbank“ nach draußen

Firma im Knast: Die Arbeit des Landesbetriebs Vollzugliches Arbeitswesen in Heimsheim

Rund 320 Insassen der JVA Heimsheim verdienen ihr Geld in einem der 15 Betriebe, die zum Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen gehören. Den Wert der Arbeitkennenzulernen, soll sie auch nach ihrer Entlassung dazu animieren, einen Beruf zu ergreifen.

Made in prison: Für Frank Jansen und Lars Klapper (von links) ist es Slogan und Verpflichtung zugleich Foto: Stefan Friedrich

In baden-württembergischen Gefängnissen gilt die Arbeitspflicht, so auch in der Justizvollzugsanstalt Heimsheim. Was sich auf den ersten Blick problematisch anhören könnte, nehmen viele Gefangene allerdings dankbar an. Nicht nur, weil sie dadurch Geld verdienen und eine feste Struktur in ihrem Tagesablauf haben; sie erarbeiten sich damit auch Urlaub, der gegebenenfalls auf die Haftdauer angerechnet werden kann.

„Draußen freut man sich auf ein langes Wochenende. Hier drin ist das genaue Gegenteil zu verspüren“, weiß Frank Jansen, Leiter der JVA Heimsheim. Speziell in der Weihnachtszeit, wenn die Menschen normalerweise die Zeit im Kreis ihrer Familie genießen, fehle den meisten Gefangenen der Weg in ihren Betrieb. Klingt seltsam, hat aber vor allem damit zu tun, dass sie während ihres „Urlaubs“ die überwiegende Zeit in ihrem Haftraum verbringen müssen, mit Ausnahme etwa der freien Zeit während des einstündigen Hofgangs, die ihnen täglich zusteht natürlich.

Warum wenige JVA-Insassen in den Urlaub wollen

Viele wollen das nicht, auch wenn sie ganz normal dafür bezahlt würden, wie beim Urlaub draußen eben auch. „Deshalb werden Urlaubstage auch nicht mit der Akribie genommen, wie es ein Beschäftigter draußen machen würde“, erklärt Jansen. Interessanter ist ohnehin die Option, dass Urlaubstage in speziellen Fällen auf die Entlassungzeit angerechnet werden können, ergänzt Lars Klapper, Geschäftsführer des Landesbetriebs Vollzugliches Arbeitswesen (VAW) in der Niederlassung Heimsheim.

Ich sage immer: so ein bisschen wie eine Firma im Justizvollzug.
Frank Jansen, Leiter der JVA Heimsheim

320 Gefangene arbeiten momentan in der JVA Heimsheim, etwa 200 davon im originären VAW, andere in den Versorgungsbetrieben der Anstalt, in Küche oder Wäscherei beispielsweise. Angestellt sind sie alle beim Landesbetrieb VAW, der in nahezu jeder Anstalt eine eigene Niederlassung hat, erklärt Klapper. Dieser Betrieb gehört formal zwar zur Landesverwaltung, ist aber kaufmännisch aufgestellt. „Ich sage immer: so ein bisschen wie eine Firma im Justizvollzug“.

„Den Wert der Arbeit vor Augen führen“

Seine Aufgabe ist es, jeden Gefangenen möglichst in eine Arbeit zu bringen, die seinen Fähigkeiten, seinen Neigungen und seinen Fertigkeiten entspricht. Die Idee dahinter: „Wir wollen den Gefangenen den Wert von Arbeit vor Augen führen.“ Eine Erfahrung, die sie auch nach ihrer Entlassung dazu animieren soll, arbeiten zu gehen. Deshalb wirkt auch vieles in den Betrieben innerhalb der Mauern fast genauso, wie bei einem normalen Betrieb draußen.

Was hier jedoch anders ist: Die regelmäßigen Kontrollen. Die Insassen der JVA können jeweils in einem von 15 Betrieben arbeiten, hier vor allem in den sieben Eigen- und sechs Unternehmerbetrieben. Ein weiterer Betrieb dient nur der Ausbildung; ein anderer der reinen Arbeitstherapie für Gefangene, die aus körperlichen oder psychischen Gründen nicht arbeiten können. Die Unternehmerbetriebe verstehen sich als „verlängerte Werkbank für eine Firma von draußen“: Nur Personal und Räume werden zur Verfügung gestellt. Anders als in den Eigenbetrieben, die über einen eigenen Maschinenpark verfügen und eigene Produkte herstellen können.

Auch der Landesbetrieb gehorcht den Gesetzen des Marktes

Egal, wo die Gefangenen untergebracht sind: Angeleitet werden sie von derzeit 34 Meistern, Technikern und Therapeuten. Eine solche Qualifikation ist übrigens auch Einstiegsvoraussetzung, wenn man – als Nicht-Gefangener - für den Landesbetrieb arbeiten will. Ein Grund dafür ist sicherlich der Markt: Wenn externe Firmen, Behörden oder Privatkunden Aufträge an den Landesbetrieb vergeben, dann erwarten sie vor allem Qualität, sowie Liefer- und Termintreue. Mit anderen Worten: Auch der Landesbetrieb muss sich den Gesetzen des Markts stellen, und damit auch der Konkurrenz.

Wir haben vieles, was der Markt benötigt.
Frank Jansen, Leiter der JVA Heimsheim

Ob es der Resozialisierung der Insassen dient, was man hier tut, interessiert den Kunden letztlich nur nachrangig, wenn die Produktqualität nicht ausreicht. „Wir mussten uns unseren Stand hier in der Region erst erarbeiten“, betont Klapper deshalb. Die Stärke des Landesbetriebs in der Niederlassung Heimsheim sei aber die tiefe Verwurzelung in der Region, Flexibilität und hohe Fertigungsqualität. Denn hier können Aufträge bei Bedarf auch Hand-in-Hand abgearbeitet werden: Schlosserei, Schreinerei, Druckerei, Buchbinderei, Werbetechnik. „Wir haben vieles, was der Markt benötigt“, ergänzt Jansen. Die meisten Aufträge kommen aus dem nahen Umfeld, von Sortier- bis zu Verpackungsarbeiten, vom Abarbeiten von Auftragsspitzen bis zur kompletten Produktion.

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