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Die „Letzte Hilfe“ wird immer wichtiger

Hospizdienste bieten im Enzkreis Schulung zum Sterbebegleiter an

Ans Sterben denken die wenigsten gerne. Warum auch? „Wir sagen zu den Menschen, die wir begleiten, immer: Lebe doch bis zum letzten Atemzug – und stirb nicht monatelang! Schließlich sind wir auch ein Verein für Lebensbeistand“, verdeutlicht Heidi Kunz vom Ambulanten Hospizdienst Westlicher Enzkreis.

Mut für den Hospizdienst machen kurz vor dem Welthospiztag die Vertreterinnen der Hospizdienste aus Pforzheim und dem Enzkreis Evelyn Wendt (von links), Heidi Kunz, Heike Heck, Klaudia Kreiter-Eyle, Bernhardine Lückener, Ute Sickinger, Andrea Raible-Kardinal und Uta Zechiel. Foto: Zachmann

Ans Sterben denken die wenigsten gerne. Warum auch? „Wir sagen zu den Menschen, die wir begleiten, immer: Lebe doch bis zum letzten Atemzug – und stirb nicht monatelang! Schließlich sind wir auch ein Verein für Lebensbeistand“, verdeutlicht Heidi Kunz vom Ambulanten Hospizdienst Westlicher Enzkreis. Sie arbeitet zusammen mit Kolleginnen der benachbarten Dienste aus dem östlichen Enzkreis, Pforzheim, dem Biet, vom Stationären Christlichen Hospiz, dem Kinder- und Jugendhospizdienst Sterneninsel sowie dem Palliativnetz. Eigentlich wollten sie den Welthospiztag am 10. Oktober nutzen, um mit einer gemeinsamen Lesung in der Stadtbücherei auf sich und ihre für die Betroffenen kostenlosen Angebote hinzuweisen, Vorurteile zu nehmen und Hemmschwellen abzubauen, aber auch um neue Ehrenamtliche zu werben. In der Corona-Zeit müssen jedoch die geplanten Aktionen entfallen, weshalb die Dienste, die auch in Sachen Erfahrungsaustausch und Ehrenamtlichen-Schulungen stark kooperieren, mit einem Pressegespräch ein Zeichen setzten.

862 Schwerkranke und Sterbende vom Säugling bis zum Hochbetagten und ihre Angehörigen begleiteten sie alleine 2019 in Pforzheim und dem Enzkreis – in manchen Fällen in der letzten halben Stunde des Lebens, in anderen über Jahre hinweg. Die Nachfrage steige stetig – zum einen, weil die Akzeptanz stärker wird, zum anderen, weil sich familiäre Konstellationen verändern, Angehörige oft auswärts arbeiten oder weiter weg sind. Zwar begleiten die Dienste auch in Krankenhäusern und Heimen, viele hätten aber den sehnlichen Wunsch, zu Hause zu sterben. Das Schlimmste seien noch viele Verlegungen und Transporte kurz vor dem Tod, verdeutlichen Evelyn Wendt und Bernhardine Lückener. Stattdessen wolle man bis zuletzt die seelischen und geistigen Ressourcen stärken, die kostbare Zeit nutzen, um mit etwas Abstand das Lebensgemälde nochmal zu betrachten. „Der Mensch soll in all seinen Facetten abgeholt werden“, so Wendt. Da komme es vor allem drauf an, das eigene Ich komplett zurückzulassen und sich in aller Würde auf die letzten Bedürfnisse des anderen einzulassen. Die ganzheitliche Betreuung beinhaltet nicht nur körperliche und schmerzlindernde Betreuung in Absprache mit den Ärzten, Sozial- und Pflegediensten, sondern vor allem das Eingehen auf die seelischen Bedürfnisse. So individuell wie die Betreuten und Begleiter sind, verlaufen auch die Besuche, die oft darüber hinaus zu Spaziergängen oder Trauercafés mit den Angehörigen reichen: „Schließlich stirbt nicht nur ein Mensch, sondern mit ihm ein Teil unseres ganzen Umfelds“, erklärt Lückener.

Das große Pfund, ohne die das von Pflege- und Krankenkassen sowie Spenden getragene Angebot nicht möglich wäre, sind 163 Ehrenamtliche – darunter bisher nur 21 Männer – vom jungen Erwachsenen bis hin zur 86-Jährigen. So eine bunte Mischung wünscht sich das Leitungsteam auch weiterhin und macht Mut, mitzumachen und sich über ein halbes Jahr inklusive Praktikum als Sterbebegleiter schulen zu lassen. Genauso sei es für Angehörige nie zu früh, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, beispielsweise in einem „Letzte Hilfe“-Kurs.

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