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„Pforzemer“ und andere „Seckel“

Schülerin aus Dietlingen: „Völlig zu Unrecht gilt der Dialekt oft als altbacken“

Dass Dialekt am Aussterben ist, findet die Dietlinger Schülerin Mariel Bernnat ganz schrecklich. Dabei hat sie selbst manchmal ihre liebe Not, derbe Mundart zu verstehen. In einem Aufsatz hat die Schülerin eine Lanze für die Regionalität gebrochen.

Warum „Pforzemer und andere Seckel“ ihre Mundart weiterhin pflegen sollten, hat die Remchinger Gymnasiastin Mariel Bernat aus Dietlingen in einem Kommentar als Deutsch-Klausur wortgewandt herausgearbeitet. Foto: Zachmann

Der Besuch auf dem Pforzheimer Wochenmarkt mit der ganzen Familie gehört für die 17-Jährige Mariel Bernnat aus Dietlingen fest zum Samstagvormittag.

Während sie sich neben heimischem Gemüse ab und zu auch über griechische Oliven freut und ihr exotische Früchte nicht unbekannt sind, schaute sie verdutzt, als ihr die Händler obendrauf erntefrische „Grombiere“ und „Geeleriebe“ anpreisen wollten: Bitte was?

„Da musste ich schon zweimal hinhören, um dahinter die Kartoffeln und Möhren zu erkennen – und so geht es heutzutage vielen jungen Menschen“, stellt die Elftklässlerin des Remchinger Gymnasiums fest.

Zwar kommen ihre Großeltern aus Freiburg und reden nach Jahrzehnten in Keltern noch immer leidenschaftlich gerne Alemannisch – bis zu ihrer Generation habe sich jedoch weder dieser, noch der Dietlinger Dialekt, den heute noch ganz wenige von dem der anderen Ortsteile unterscheiden könnten, nicht mehr durchgetragen.

Eine Freundin spricht Dialekt - alle anderen nur Hochdeutsch

„Eine meiner Freundinnen spricht noch Dialekt – für die anderen ist das Thema so gut wie gegessen – und das ist eigentlich schade“, bemerkt die Schülerin, nachdem sie sich im Rahmen einer Deutschklausur so umfassend wie nie zuvor mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Und ihr noch dazu ein Kommentar-Aufsatz gelungen ist, von dem nicht nur ihr Deutschlehrer Michael Tinkl hellauf begeistert war: Mit sprachlicher Raffinesse und einer faktenbasierten, durchdachten Argumentation ist es Mariel gelungen, eine Lanze für den Dialekt im Hier und Heute zu brechen.

Es wäre schade, wenn die sprachliche Vielfalt verloren ginge.
Mariel Bernnat, Gymnasiastin

„Oft wird Dialekt völlig zu Unrecht als etwas Primitives und Altbackenes abgestempelt und hat es schwer, davon loszukommen“, erklärt die 17-Jährige und sieht die Varietät zum Standarddeutsch durchaus als Ausdruck von Intelligenz.

Umso mehr freut sie sich, dass ihr kleiner Bruder seit Neuestem mit der älteren Generation zu schwäbeln und schwätzen beginnt, „Damit ist er jetzt der Hoffnungsträger der Familie. Denn es wäre schade, wenn die sprachliche Vielfalt verloren ginge – und damit auch ein Stückweit Heimatgefühl.“

Zwar beschreibt sie ihn ihrem Kommentar, dass sich Sprache weder einsperren, noch bewusst lenken lasse: „Sie macht eben das, was die Sprecher wollen.“ Aber genauso wie bei manchem Kleidungsstück oder Haarschnitt von damals könne man darauf hoffen, dass auch Dialekte wieder in Mode kommen: „Man muss dem Wandel einfach nur Zeit lassen.“

Remchinger entwickelten eine „Wilferdingerisch-App“

Nach dem Abitur möchte Mariel Jura studieren und könnte mit ihrem Schreib- und Sprachstil so manches Beamtendeutsch etwas auffrischen.

Während sie sich über die Initiative des Deutschlehrers freut, der sich zur Vorbereitung des Kommentars als neues Auswahlthema im Deutsch-Abitur bewusst für einen Exkurs zum Dialekt entschieden hat, sieht sie vor allem außerhalb der Schule Anknüpfungspunkte, um die Mundart zu fördern. So entwickelten beispielsweise vor wenigen Jahren drei junge Remchinger die „Wilferdingerisch-App“, um typische Dorfbegriffe wieder in Erinnerung zu rufen.

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