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Lemon Tree und so viel mehr

Bei Fools Garden im Wohnzimmer: Saisonabschluss der legendären Band in Knittlingen

Was hat das Konzert im Cellarium mit dem Mauerfall zu tun? Und was ist das Gute an „miesen Konzerten“? Die Antworten gabs am Samstagabend.

Vier Vollblutmusiker mit Sympathiefaktor. Beim Konzert im Cellarium Knittlingen begeistert Fools Garden das Publikum mit Songs aus über drei Jahrzehnten 
(von links nach rechts: Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Thorsten Kiefer, Gabriel Holz)
Beim Konzert im Cellarium Knittlingen begeistert Fools Garden (Volker Hinkel, Peter Freudenthaler, Thorsten Kiefer und Gabriel Holz, von links) das Publikum mit Songs aus über drei Jahrzehnten. Foto: Sylvia Mutter

Eine wunderbare Tradition in würdigem Rahmen: Seit geraumer Zeit geben die Jungs von Fools Garden ihr letztes Konzert eines Jahres im Knittlinger Cellarium. So war es auch in diesem Dezember.

Am Samstag rockten die Vollblutmusiker den ehrwürdigen Weinkeller in Knittlingen, Klassiker wie Neuzugänge im Repertoire der Band brachten das Gewölbe zum Beben.

Die ersten Erschütterungen lieferte das Vorprogramm, mit den Worten „Klein, fein, daheim“ glühte der aus Gießen angereiste Musiker Norman Keil ganz ordentlich vor. Dass anfangs die Technik streikte? Geschenkt!

In kürzester Zeit fand er seinen Rhythmus, und der nahm das Cellarium mit, staunend wähnte er sich in einem „Keil-Konzert“, Knittlingen wird dem gebürtigen Erfurter in guter Erinnerung bleiben. Der Solist spielte sich balladenhaft, melodisch und tiefgründig textend in die Herzen des Publikums.

Ein Song aus den Zeiten des Mauerfalls

Speziell sein am Ende dargebotener Song „Wir sprangen in die Nacht“ rührte. Im Lied verarbeitet er sehr persönliche Erinnerungen an den Mauerfall, an die Fahrt gen Westen, als Kind im Wartburg 311 sitzend: „Egal, was in dieser Welt passiert, die Freiheit wird siegen“, war er sich sicher. Norman Keil war ein ehrlicher, direkter, wunderbarer Einstieg in diesen Abend.

Ein Abend als Heimspiel für die aus der Region stammenden „Fools Gardener“. Zugleich spürte man aber auch, wie sehr es die Band schätzt, in kleinen Clubs zu spielen. Wobei sich „klein“ nur auf den Rahmen des Cellariums bezog, die Jungs wissen mit ihrem Repertoire ganz andere Arenen zu füllen.

Von emotionalen Balladen über Pop und Rock bis hin zu sphärischen Synthesizer-Klängen reicht das Können, 33 Jahre Bandgeschichte erweitern Horizonte. Das spürt man bei einem Liebeslied aufs Leben wie „Here we go“, aber auch bei der fetzigen Interpretation von „Wild days“.

Ihr seht alle noch verdammt gut aus!
Peter Freudenthaler, Sänger bei Fools Garden
hat Spaß beim Auftritt

Im Publikum finden sich viele „Wiederholungstäter“, wie Frontman Freudenthaler erkennt: „So viele bekannte Gesichter“, meint er, um lobend ein „Ihr seht alle noch verdammt gut aus!“ hinterher zu schieben. Er muss selbst ein wenig ob dieser kleinen „Schleimerei“ lachen, die Stimmung ist gut.

Sie nährt sich auch aus den vielen Erinnerungen, die bei Band wie Fans wach werden. „Wir müssen einfach jedes Jahr wiederkommen, es ist immer wieder anders und immer wieder unheimlich schön“, versichert ein Gästeblock mit bekannten Brettener Gesichtern.

Das Cellarium im Wechselbad der Gefühle

Bekannt ist freilich auch Freudenthalers Sozialengagement, sei es bei der Unterstützung von Tafelläden wie jüngst in Bremen oder der Hilfe für Bootsflüchtlinge, deren Schicksal im Song „Those we lost at sea“ Niederschlag fand. Gewidmet ist das den Hals zuschnürende Stück all jenen, die auf der Flucht im Meer alles riskieren – und nicht selten alles verlieren.

Tiefgründige Texte wechseln sich derweil mit lockeren Songs ab. Wechselbäder fürs Gemüt sind Programm, wobei Freudenthaler in seinen Texten nicht nur persönliche Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet, sondern auch zeigt, selbst aus schlechten Erfahrungen auf „miesen Konzerten“ noch einen positiven Song destillieren zu können.

Diamanten finden sich überall – man muss sie nur sehen, und nicht die Augen vor der Unbill des Lebens verschließen. Wunderbar erklärt Freudenthaler, wie Leadgitarrist Gabriel Holz diesen Diamanten fand, als er eine nur halb bewusste Melodie hörte, was zu „Save the World Tomorrow“ führte.

Die Band, mitbegründet von Volker Hinkel, der wie Keyborder Thorsten Kiefer stramm die Sonnenbrille trug, lieferte am Samstag einen Hit nach dem anderen ab. Eine Mischung aus akustisch arrangierten Songs und brandneuem Material auf Basis elektronischer Klänge zeigte die Vielschichtigkeit von Fools Garden, der Abend war denn eine „Electric Acoustic Session“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Ihren bekanntesten Song spielen sie natürlich auch

Dass hierbei auch der „Lemon Tree“ als Höhepunkt nicht fehlen durfte, das war klar, das Publikum durfte nun wahrlich ausflippen. Doch der Song war nicht wie ein Leuchtturm, sondern eher wie die Erhebung auf einem Hochplateau eines grandiosen, „paradiesischen“ Musikgenusses, fand der Abend doch mit einer wunderbaren Botschaft seinen Abschluss: „Wir sind schon alle im Paradies, wir merken es nur oft nicht“, bringt Peter es auf den Punkt.

Welch schöner Schlusspunkt einer Saison: „Es ist so schön, vor Euch zu spielen, das Knittlinger Cellarium ist zu unserem Wohnzimmer geworden.“

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