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Ehrenamtliche Helfer

Bachpaten sind in Kämpfelbach und Königsbach-Stein für die Natur im Einsatz

Müllsammeln, Gehölze schneiden und eingewanderte Pflanzen rauswerfen: Das sind die Aufgaben der Bachpaten, die dem Angelverein Karlsruhe angehören.

Bei der Gehölzpflege: Ronny Prager, Harry Faaß und Michael Stein (von links) schneiden Weiden am Ortsrand von Stein zurück. Insgesamt kümmern sie sich um 20 Kilometer Ufer- und Gewässerstrecke am Kämpfelbach und am Bruchbach.
Bei der Gehölzpflege: Ronny Prager, Harry Faaß und Michael Stein (von links) schneiden Weiden am Ortsrand von Stein zurück. Foto: Nico Roller

Auch wenn die Temperaturen im einstelligen Bereich liegen, auch wenn ein eisiger Wind pfeift, auch wenn Regen vom Himmel fällt: Die Bachpaten sind im Einsatz. Zum Anglerverein Karlsruhe gehörend kümmern sie sich schon seit vielen Jahren um die Pflege des Kämpfel- und des Bruchbachs – ehrenamtlich und in ihrer Freizeit. Immer im Winter steht bei ihnen die Gehölzpflege an.

Von November bis Ende Februar arbeiten sie am Gewässer: alle zwei Wochen an insgesamt acht Terminen, vier auf Königsbach-Steiner, vier auf Kämpfelbacher Gemarkung. Bei ihrem letzten Arbeitseinsatz waren sie am vergangenen Samstag in Ersingen tätig – und zwar im Bereich von der Brücke an der Gartenstraße rund 300 Meter weiter in Richtung Antoniuskapelle. Einen rund zwei Meter hohen Haufen haben sie dort aufgetürmt – und zwar mit dem, was sie zuvor bei der Gehölzpflege entfernt hatten.

„Das ist schwere Arbeit“, erklärte Harry Faaß, der die 20-köpfige Truppe leitet. Jedes Jahr entfernt sie die Pflanzen, die nicht an den Bach gehören. Im Bereich der Ersinger Gartenstraße waren das unter anderem Tannen, Ahorn, Eschen und Nussbaum, aber auch Kirschlorbeer. Letzterer ist invasiv und verbreitet sich rasend schnell. Am Bach kann das erst recht zum Problem werden, denn er funktioniert laut Faaß wie eine Autobahn, die die Samen transportiert.

Pflegeschnitte, die wie ein Kahlschlag aussehen, können Pflanzen erhalten

An Stelle der invasiven Arten wollen Faaß und seine Kollegen dort einheimische Gehölze wachsen sehen, die dort auch hingehören, die Lebensraum und Nahrung für die Tiere bieten. Dazu gehören unter anderem Erlen, Haselnuss, Holunder, Pfaffenhütchen und Weiden. Letztere haben die Bachpaten bei ihrer Pflegeaktion auf Kopf zurückgeschnitten. Das sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein Kahlschlag, doch damit hat es nichts zu tun. „Das ist ein Pflegeschnitt, der den Baum erhält.“ Nächstes Jahr, verspricht Faaß, würden die Weiden wieder austreiben und es entstehe ein Busch.

Dieses Jahr haben sich die Bachpaten ausschließlich um die Gehölzpflege gekümmert. „Damit wird man nie fertig“, sagt Faaß, der im Vorfeld bei den Gemeindeverwaltungen nachfragt, wo Bedarf besteht. Diese Stellen werden dann priorisiert behandelt. Die Bachpaten sind insgesamt für rund 20 Kilometer Gewässer zuständig – und übernehmen nicht nur die Gehölzpflege: Normalerweise steht auch eine Gewässerputzete auf dem Plan, bei der sie den Bach von allem möglichen Müll befreien.

Plastik und Beutel voller Hundekot finden sie fast immer, aber auch Fahrräder, Teppiche, Gartenmöbel und Schulranzen haben sie schon aus dem Wasser gezogen. „Da kommt viel zusammen“, sagt Faaß, „aber inzwischen zum Glück weniger als früher.“ Er appelliert eindringlich an die Bürger, weder Abfall noch Gras- oder Heckenschnitt in den Bach zu werfen. Denn das sorgt nicht nur für ökologische Beeinträchtigungen, sondern kann bei Starkregen auch die Hochwassergefahr erhöhen: Wo sich Material sammelt, können Engstellen entstehen, an denen sich das Wasser staut.

Im Frühjahr werden Forellen ausgesetzt

Die Bachpaten haben stets das große Ganze im Blick und in der Vergangenheit auch schon Uferbefestigungen in ingenieurbiologischer Bauweise angelegt, die bislang letzte 2018 an der Ispringer Straße in Ersingen. Im April oder im Mai setzen sie an zwei Terminen junge Forellen aus. Sie kommen aus Knielingen, wo der Anglerverein ein eigenes Bruthaus betreibt.

Bei Bedarf müssen die Bachpaten im Sommer Neophyten wie das drüsige Springkraut, die Herkulesstaude oder den Japanknöterich bekämpfen. Die Angler halten für sie die Augen offen und melden betroffene Stellen. Faaß sagt, momentan sei der Kämpfelbach nahezu frei von Neophyten und gesund. Sein Wissen geben er und seine Kollegen auch an den Nachwuchs weiter, etwa bei den Kinderferienprogrammen in Kämpfelbach und Königsbach-Stein.

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