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Volker Molthan im Interview

BUND-Sprecher aus Königsbach-Stein: „Schmetterlinge sind sehr sympathisch“

Der Königsbacher Umweltschützer Volker Molthan ist Sprecher des bundesweiten Arbeitskreises Abfall und Rohstoffe des BUND. In der Region setzt sich Molthan vor allem für Schmetterlinge ein.

Schmetterling des Jahres: Den großen, orangenen Kaisermantel kann man laut Molthan seit kurzem rund um Königsbach öfter beobachten. Foto: Volker Molthan

Ein Mann aus der Region bekleidet eine hohe Position beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Mitte November hat die Bundesdelegiertenversammlung den Königsbacher Umweltschützer Volker Molthan zum Sprecher seines bundesweiten Arbeitskreises Abfall und Rohstoffe und damit auch in seinen wissenschaftlichen Beirat gewählt.

In der Region setzt sich Molthan vor allem für Schmetterlinge ein.

So trifft man ihn an: Mit einem Schmetterlingsnetz und einem Bestimmungsbuch ist der Umweltschützer Volker Molthan in der Natur unterwegs, wenn er beim Tagfalter-Monitoring Schmetterlinge zählt. Foto: Nico Roller

Seit 15 Jahren betreibt er das sogenannte Tagfalter-Monitoring.

Herr Molthan, was sind Ihre Aufgaben im wissenschaftlichen Beirat und als Sprecher des Arbeitskreises Abfall und Rohstoffe?
Volker Molthan

Mein Arbeitskreis beschäftigt sich thematisch mit Abfall, mit Rohstoffen, der Kreislaufwirtschaft und allem, was damit zusammenhängt. Meine Aufgabe ist es, die Aktivitäten, die Aktionen, die Erstellung von Hintergrund- und Positionspapieren zu koordinieren. Außerdem vertrete ich den Arbeitskreis mit seinen rund 50 Mitgliedern nach außen. Zum wissenschaftlichen Beirat gehören die Sprecher aller 20 Bundesarbeitskreise des BUND. Das ist sozusagen sein wissenschaftliches und fachliches Herz, quasi ein Expertengremium. Dort werden die wesentlichen Themen diskutiert. Zudem werden der Vorstand und die Mitgliedsverbände in den verschiedenen Ländern beraten.

Seit rund 15 Jahren betreiben Sie als einer von rund 500 Freiwilligen in ganz Deutschland ehrenamtlich das sogenannte Tagfalter-Monitoring. Um was handelt es sich dabei?
Volker Molthan

Es handelt sich um eines der am längsten praktizierten und am weitesten ausgedehnten Bürgerwissenschafts-Projekte. Das Tagfalter-Monitoring wird vom Umweltforschungszentrum der Helmholtz-Gesellschaft in Halle und Leipzig koordiniert. Es geht darum, die Tagfalter zu zählen, die in einem bestimmten, festgelegten Bereich vorkommen, sie zu bestimmen und in einer Datenbank zu melden. Man geht diesen Transekt einmal die Woche ab. Bei mir sind das rund zwei Kilometer in mehreren Abschnitten, von denen jeder rund 50 Meter lang ist. Ich mache das seit 15 Jahren jede Woche zwischen April und Oktober, im Winter nicht.

Welche Bedingungen müssen vorherrschen, welche Ausrüstung und Qualifikation braucht man, um die Falter entdecken und bestimmen zu können?
Volker Molthan

Man muss zuerst einmal eine Strecke haben, die für einen interessant ist. Da muss vielleicht eine Wiese sein, eine Hecke, ein Waldstück, vielleicht auch eine Gartenanlage. Es muss eine Umgebung sein, in der Falter fliegen können. Ein Betongelände macht wenig Sinn. Die Strecke muss so gewählt werden, dass man sie jede Woche begehen kann. Am besten ist es, wenn sie nah am Wohnort liegt, damit man nicht erst etliche Kilometer hinfahren muss. Die Falter zu bestimmen, ist relativ einfach. Dafür gibt es ein kleines Büchlein, in dem alle stehen. Die meisten, die gängigen Falter, die fast überall herumfliegen, kann man relativ leicht kennenlernen. Es gibt zwar einige Spezialisten-Falter, aber die kommen in den meisten Gegenden gar nicht vor. Die leben etwa im Gebirge oder im Moor und bei denen würde ich mich jetzt auch nicht auskennen. Was hier in Königsbach fliegt, lässt sich mit einem Bestimmungsbuch recht gut herausfinden. Nach einem Jahr war ich schon so fit, dass ich sie gut erkennen konnte.

Das Tagfalter-Monitoring nimmt ja doch einiges an Zeit in Anspruch. Warum machen Sie das?
Volker Molthan

An Zeit nimmt es im Sommer rund zwei Stunden in Anspruch, im Frühling nur eine. Das kommt immer darauf an, wie viel los ist. Das ist aber eigentlich keine wirklich große Zeitinvestition. Zumal man ja sowieso mal ein bisschen raus an die frische Luft und einen Spaziergang machen will. Das tut ja auch der Gesundheit gut. Und wenn man noch einen Hund hat, kann man den gleich mitnehmen.

Wird es Ihnen nicht langweilig, wenn Sie seit 15 Jahren die immergleiche Strecke laufen?
Volker Molthan

Ich laufe eine Strecke, die sich in der Nähe meines Wohnhauses am Steidig befindet. Ich habe sie so ausgewählt, dass es dort unterschiedliche Biotope gibt. Eine Streuobstwiese kommt vor, eine reine Wiese, ein Stück Wald, ein Waldweg, ein Heckenbereich und eine Wildwiese, die sehr selten gemäht wird. In jedem dieser Biotope fliegen unter Umständen andere Schmetterlingsarten. Ich kenne da meine Pappenheimer schon und kann sagen, welche ich wo erwarte. Langweilig wird es auch deshalb nicht, weil ich ständig nach den Faltern Ausschau halte und schaue, was sie gerade machen. Da ist immer etwas los. Und im Lauf des Jahres ändert sich so ein Bereich auch immer.

Was ist für Sie das Besondere an Schmetterlingen? Wodurch unterscheiden sie sich von anderen Insekten?
Volker Molthan

Sie sind sehr sympathisch: Sie stechen nicht, sie beißen nicht, sie sind hübsch und in der Regel für den Laien leicht zu bestimmen. Gleichzeitig sind sie Indikatoren dafür, was ökologisch in dem Bereich gerade passiert. Sie reagieren sehr sensibel auf Umweltzerstörung, auf Verschmutzung und den Verlust von Futterpflanzen: Wenn die nicht mehr da sind, fehlt auch der Falter dazu. Man kann von ihnen auf viele andere Artengruppen schließen.

Ist das ihre einzige ökologische Funktion?
Volker Molthan

Nein, natürlich nicht. Schmetterlinge sind darüber hinaus wichtige Bestäuber, genau wie die Bienen. Ohne diese Bestäuber wachsen viele Pflanzen nicht, etwa ein Apfel oder eine Birne.

Was muss der Mensch tun, damit sie sich auch in Zukunft wohlfühlen?
Volker Molthan

Zum einen muss man versuchen, die Biotope zu erhalten – mit dem gesamten Artenspektrum, das es dort gibt, einschließlich der Pflanzen. Zum anderen muss man die Chemie aus der Landwirtschaft rausnehmen, aus den Streuobstwiesen und unseren Gärten. Wenn ich da Pestizide und Chemikalien aller Art ausbringe, tötet das die Eier, die Raupen und die fliegenden Schmetterlinge – und das, obwohl sie meistens gar nicht die eigentlichen Adressaten sind.

Welche Schmetterlinge sind in unserer Region am verbreitetsten? Und woran erkennt man sie auch als Laie?
Volker Molthan

Am verbreitetsten sind die Kohlweißlinge, die man vor allem an ihrer weißen Farbe erkennt. Am häufigsten ist bei uns das Große Ochsenauge, ein bräunlicher Schmetterling, der auf den Flügeln einen schwarzen Punkt hat, der im Inneren nochmal einen weißen Punkt hat. Auch den Kaisermantel hatten wir hier in Königsbach zuletzt sehr häufig. Er ist der Schmetterling des Jahres 2022, ganz leuchtend orange und sehr groß. Der fliegt am liebsten an Waldrändern und braucht klare Strukturen.

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