Skip to main content

Elterntaxis sind ein Problem

Polizei verteilt in Königsbach-Stein Schokolade an Schüler

In Königsbach haben Beamte kontrolliert, ob die Schüler des Bildungszentrums mit Licht und Helm unterwegs sind. Wer sich vorbildlich verhält, erhält eine kleine Belohnung.

An der Steiner Straße vor dem Königsbacher Bildungszentrum hat die Polizei am Nikolaustag kontrolliert, ob die Schüler auf ihren Fahrrädern mit Licht und Helm unterwegs sind. Auch viele Autos waren um diese Zeit auf der Straße.
An der Steiner Straße vor dem Königsbacher Bildungszentrum hat die Polizei am Nikolaustag kontrolliert, ob die Schüler auf ihren Fahrrädern mit Licht und Helm unterwegs sind. Auch viele Autos waren um diese Zeit auf der Straße. Foto: Nico Roller

Zunächst fahren nur vereinzelte Schülerinnen und Schüler auf ihren Rädern vorbei, später immer mehr.

Schon von Weitem sehen Andreas Stäble und seine beiden Kollegen Michael Schönberg und Thomas Nonnenmann, was auf sie zukommt, ob sie Belohnungen verteilen dürfen oder eine ernste Miene aufsetzen müssen.

Am Morgen des Nikolaustags haben sich die drei Polizeibeamten vor dem Königsbacher Bildungszentrum positioniert, um zu kontrollieren, ob die Schüler des dort angesiedelten Lise-Meitner-Gymnasiums und der Willy-Brandt-Realschule einen Helm tragen und an ihren Rädern vorn und hinten ein Licht haben.

Uns geht es nicht um Repression.
Andreas Stäble
Referatsleiter Prävention

Wer alles richtig gemacht hat, erhält von den Beamten zur Belohnung eine kleine Schokolade. Passt etwas nicht, führen Stäble und seine beiden Kollegen mit den Schülern ein kurzes „verkehrserzieherisches Gespräch“, das allerdings keine Strafe zur Folge hat. „Uns geht es nicht um Repression“, erklärt Stäble, der wie seine beiden Kollegen zum Referat Prävention des Pforzheimer Polizeipräsidiums gehört.

Polizei in Königsbach-Stein möchte motivieren statt tadeln

Bei ihrer Kontrolle wollen sie die Schüler nicht tadeln, sondern durch eine kleine Anerkennung und lobende Worte dazu ermutigen, den richtigen Weg weiterzugehen. Ihnen geht es um Sicherheit. Denn auf ihrem Schulweg fahren die Kinder und Jugendlichen in der Regel nicht nur auf Radwegen, sondern auch im öffentlichen Verkehrsraum zusammen mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Wer da kein Licht am Rad hat, kann schnell übersehen werden. Zumal man ab einem Alter von zehn Jahren nicht mehr auf dem Gehweg fahren darf, sondern die Straße benutzen muss. Ein Licht zum Anstecken ist genauso zulässig wie ein Dynamo, solange es über ein CE-Zeichen verfügt.

Allerdings sind Stäble und seine Kollegen bei ihrer Kontrolle vor dem Königsbacher Bildungszentrum großzügig und akzeptieren unter anderem auch Stirnlampen, die auf Mützen angebracht sind: „Immer noch besser als gar kein Licht.“ Mit dem Ergebnis ihrer Kontrolle sind sie mehr als zufrieden.

Großteil der Schüler verhält sich verantwortungsbewusst

Eine Statistik führen sie zwar nicht. Aber sie schätzen, dass mehr als 90 Prozent der Schüler alles richtig gemacht haben. „Das ist eine Top-Quote“, sagt Stäble, der sich auch über die vielen Schüler freut, die freiwillig einen Helm tragen. Denn auch wenn dieser gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, kann er bei einem Sturz Leben retten.

Zur Belohnung haben die Beamten mehr als 150 kleine Schokoladen-Tafeln mitgebracht. Keine halbe Stunde dauert es, bis alle verteilt und die vorher prall gefüllten Kartons leer sind. Stäble findet es löblich und „absolut vorbildlich“, dass trotz der niedrigen Temperaturen so viele Kinder und Jugendliche mit dem Rad zur Schule fahren.

Und lobt, wie freundlich sie sich gegenüber den Polizeibeamten verhalten. Viele bedanken sich für die Schokolade und wünschen den Beamten einen schönen Tag. Wenn sie kein Licht haben, geben sie das direkt zu und erfinden keine Ausreden. „Da war keiner dabei, der patzig war“, sagt Stäble.

Allerdings fallen ihm und seinen Kollegen auch die Elterntaxis auf, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite halten und Kinder aussteigen lassen, oft in Richtung der Straße, auf der andere Autos unterwegs sind. Verboten ist das zwar nicht, aber mit Blick auf die Verkehrssicherheit auch nicht ideal. Denn es entstehen unübersichtliche, potenziell gefährliche Situationen – auch und gerade für Fußgänger, wenn die Autos auf dem Gehweg halten.

Immer wieder kommt es zu knappen Überholvorgängen, einer lässt sich sogar unter den Augen der Polizei zu einem Wendemanöver auf dem Gehweg hinreißen. „Da wäre nochmal eine separate Aktion notwendig“, sagt Stäble, der das Problem mit den Elterntaxis allerdings nicht nur in Königsbach, sondern an nahezu allen Schulen der Region sieht.

Dagegen unternehmen könne die Polizei in der Regel leider nicht viel, sondern „nur passiv appellieren“ und auf die Einsicht der Fahrer hoffen. Mit einigen von ihnen suchen Stäble und seine Kollegen in Königsbach das Gespräch, aber längst nicht mit allen. Denn der Fokus ihrer Aktion liegt auf den Fahrrädern der Schüler.

„Die Kinder sind sehr verdutzt, dass sie von der Polizei ein kleines Geschenk bekommen“, sagt Stäble, der voll des Lobes für die Realschule und das Gymnasium ist: Die Zusammenarbeit mit deren Verkehrsbeauftragten laufe vorbildlich.

An beiden Schulen ist das Referat Prävention immer wieder präsent. Etwa in Form von Schulbustrainings für die neuen Fünftklässler. Künftig will man auch das Programm „Schutzengel“ wieder hochfahren, das Jugendliche und junge Erwachsene für Zivilcourage sensibilisieren soll.

nach oben Zurück zum Seitenanfang