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Vom Trainingsplan bis zur Schnitzeljagd

Fitnesstrainerin aus Königsbach-Stein gibt im Lockdown kreative Online-Fitnesskurse

Fitness-Coaching vor dem Laptop ist nicht einfach. Ist der Rücken gerade? Die Übung richtig ausgeführt? Bianca Dicker gibt ihr Bestes, um ihre Kunden auch im Lockdown bestmöglichst zu betreuen - auch wenn das alles andere als einfach ist.

Fitness vor der Kamera: Aus dem heimischen Wohnzimmer gibt Bianca Dicker ihre Kurse per Videokonferenz. Dabei beschränkt sie sich auf leicht nachvollziehbare Übungen. Foto: Nico Roller

Nur noch schnell den Couchtisch auf die Seite schieben und die Zimmerpflanze wegstellen, dann kann es losgehen. Die Isomatte liegt schon auf dem Boden. Computer, Musik und Kamera laufen.

Gut zwei Dutzend Gesichter sind auf dem Bildschirm zu sehen, der im Wohnzimmer von Bianca Dicker steht. „So, Ihr Lieben, seid Ihr soweit?“, fragt sie die Menschen, die ihr per Videokonferenz zugeschaltet sind: „Alle am Start?“ Dann klickt sie mit der Maus auf ein Symbol und aktiviert die Stummschaltung.

Außer ihr ist jetzt niemand mehr zu hören. Das Faszientraining beginnt. Zur Musik von Abba machen sich die Teilnehmer warm, heben die Arme hoch und schwingen nach vorne durch, mobilisieren die Wadenmuskeln. Dicker zählt runter: „Drei, zwei, eins und Spannung lösen.“

Im Corona-Lockdown gibt sie ihre Fitnesskurse per Videokonferenz – notgedrungen, weil persönliches Training nicht erlaubt ist. Dicker zeigt vor der Kamera, wie es funktioniert.

Digitales Training seit November

Die Menschen auf dem Bildschirm machen es ihr zu Hause nach. Seit November vorigen Jahres geht das schon so. „Das ist momentan die einzige Möglichkeit, die Teilnehmer zusammenzuhalten“, sagt die selbstständige lizensierte Trainerin, die sowohl eine Lauf- als auch eine Fitnessgruppe betreut.

Mit beiden ist sie sonst im Freien unterwegs. Zusammen haben sie mehr als 100 Mitglieder. Ihnen will Dicker auch im Lockdown dabei helfen, fit zu bleiben – wohlwissend, dass das Training per Videokonferenz kein vollwertiger Ersatz ist. „Man kann nicht alles machen, weil man viele Übungen nicht richtig kontrollieren kann“, erklärt Dicker: Wenn jemand eine Anweisung nicht verstehe, sei es sehr schwer, sie ihm begreiflich zu machen. „Ich kann mich ja nicht vor ihn hinstellen und es ihm direkt zeigen.“

Hinzu kommen technische und organisatorische Herausforderungen, die dafür sorgen, dass nicht alle Mitglieder der Fitnessgruppen ohne Weiteres beim Online-Training mitmachen können: Sei es die langsame Internetverbindung, die mangelnde Erfahrung im Umgang mit dem Computer oder der fehlende Platz in der eigenen Wohnung. „Es ist nicht ganz einfach“, sagt Dicker.

Verschiedene Trainingspläne

Trotzdem versucht sie, ihre Sportler irgendwie bei Laune zu halten. Neben den Online-Trainings bietet sie Trainingspläne an: für ihre Fitnessgruppe einen mit Ganzkörperübungen und für ihre Laufgruppe einen, der auf acht Wochen ausgelegt ist.

Man kann sie alleine absolvieren oder mit anderen Teilnehmern. Denn Einzelpersonen aus zwei Haushalten dürfen sich ja auch im Lockdown noch treffen. „Das stärkt die Gruppe und niemand muss allein sein“, sagt Dicker und erzählt, dass manche Teilnehmer die Trainingspläne auch mit ihren Kindern absolvieren.

Denen mache das Spaß, denn in der Schule und in Vereinen können sie seit vielen Wochen keinen Sport mehr treiben.

Kreative Ideen

Zusätzlich stellt Dicker alle vier Wochen eine sportliche Schnitzeljagd auf die Beine. All das werde zwar gut angenommen, sagt die Trainerin: „Aber es ersetzt eben keine Gruppendynamik und keine Sozialkontakte.“ Die gebe es nun einmal nur beim persönlichen Training. „Die Leute sehnen sich danach“, weiß die Trainerin, die deswegen wieder damit beginnen will, sobald es erlaubt und sicher ist.

Bis dahin gibt sie weiterhin drei bis vier Mal pro Woche die Online-Kurse aus ihrem Wohnzimmer. Dort hat sie auf einem Stativ eine Kamera aufgebaut, mit der sie sich während des Trainings filmt. Während im Hintergrund Popmusik läuft, erklärt sie die Übungen und zeigt gleichzeitig den Bewegungsablauf.

Immer wieder geht sie zum Bildschirm, spricht einzelne Teilnehmer direkt an und gibt Anweisungen. „Langsamer arbeiten, genieß‘ es“, sagt sie. Oder: „Jetzt wird es besser.“ Oder einfach nur: „Perfekt.“ Nach einer Stunde enden die Trainingseinheiten. Dann beendet Dicker die Stummschaltung. Jetzt kann sie die Teilnehmer wieder hören. Viele bedanken sich bei ihr für ein Stück Normalität in schweren Zeiten.

Auch Gaby Seitz-Rundo aus Birkenfeld ist regelmäßig beim Online-Training dabei und erzählt auf Nachfrage, es mache „wahnsinnig viel Spaß“ und sei hocheffektiv. Auch sonst ist sie voll des Lobes für ihre Trainerin: Mit „Leidenschaft und Esprit“ könne Dicker die Lust am Sporttreiben in jedem wecken, sogar online.

Sie vermittle dort „mit der gleichen Leidenschaft wie im Präsenzkurs die Lust an Bewegung und Sport, gepaart mit Spaß und Lebensfreude“.

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