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Aus der Not entstanden

Musiklehrer aus Königsbach-Stein schreibt Lehrbuch zum Online-Musizieren

Aus der Not des Lockdowns hatte Musiklehrer und Komponist Roman Rothen aus Königsbach-Stein die Idee zu einem Liederbuch für den Online-Musikunterricht. Er erklärt was am Online-Musizieren und an seinem Lehrbuch so besonders ist.

Kreativer Kopf: Der Steiner Komponist Roman Rothen hat ein Buch für den Gitarren-Unterricht übers Internet geschrieben. Erhältlich ist es noch nicht, aber die Einzelseiten liegen schon in seinem Arbeitszimmer. Foto: Nico Roller

Unzählige Seiten liegen auf dem Boden in Roman Rothens Arbeitszimmer, fein säuberlich geordnet nach Nummern und Themen. „Ich mache das immer so, weil man so den besten Überblick hat“, sagt der in Stein lebende Musiker und Komponist. Auf dem Boden ausgebreitet liegt sein neuestes Werk: ein Notenbuch für den Gitarren-Unterricht über das Internet. Insgesamt umfasst es 44 Stücke, alle entstanden in den vergangenen anderthalb Jahren.

Insgesamt hat Rothen mehr als 300 Stücke geschrieben, aber nicht alle schafften es ins Buch. Sie sind gewissermaßen ein Produkt der Corona-Zeit, in der Rothen und seine Frau Ulrike ihre Musikschüler oft nicht persönlich unterrichten durften.

Schon kurz nachdem im März vorigen Jahres der erste Lockdown verhängt wurde, wichen beide ins Internet aus, zunächst per WhatsApp. „Das ist der einfachste Weg, weil das jeder hat“, erzählt Rothen, der später auch Zoom, Facetime und Skype nutzte. Rothen filmte sich mit seinem Handy oder der Webcam. Die Noten schickte er seinen Schülern vorab zu. Dass er deren Instrumente über das Internet nicht sehen konnte, machte ihm nichts aus: „Man hört ja, was sie spielen.“

Nicht selten war Rothen überrascht, wie gut der Musikunterricht über das Internet geklappt hat. Ihn anzubieten war ihm wichtig – auch, weil das für einige Kinder im Winter-Lockdown der einzige Kontakt außerhalb der eigenen Familie war.

Schlechte Internetverbindung brachte die Idee

Rothen hat versucht, das Beste aus der Situation zu machen – und eine liebgewonnene Tradition fortzusetzen: Schon seit Jahren schreibt er für seine Schüler eigene Stücke: als Willkommensgruß und als Einstieg vor dem eigentlichen Unterricht. „Die kommen rein und dann lachen sie erst einmal.“

Die Online-Geschichte wird weitergehen.
Roman Rothen, Komponist.

Für den Online-Unterricht konnte er sie aber nicht ohne Weiteres weiterverwenden, er musste neue komponieren – und zwar so, dass sie abwechselnd gespielt werden können, von Lehrer und Schüler nacheinander. Denn für ein gleichzeitiges Musizieren reichte die Tonqualität nicht aus.

Aber auch das war kein Problem: „Wenn es ein gutes Netz gibt, dann läuft das flüssig“, erzählt Rothen: „Und wenn die Verbindung streikt, dann geht es zur Not auch ohne durchgehendes Metrum.“

Rothen begann jede Unterrichtseinheit mit einem Stück, das nur dazu diente, die Qualität der Internetverbindung zu testen. Denn die war nicht an jedem Tag und bei jedem Schüler gleich. Irgendwann im Dezember dachte sich der Komponist: „Wenn ich solche Stücke für meinen Online-Unterricht brauche, dann braucht sie ein anderer Lehrer wahrscheinlich auch.“

Daraufhin verschickte er ein gutes Dutzend an seinen Verlag – und erhielt wenig später eine positive Rückmeldung: Der Verlag gab ihm freie Hand und Rothen machte sich an die Arbeit: 44 Stücke schrieb er so um, dass bei jedem „ein Joker drin ist für den Lehrer“. Etwas, das nur er erkennt.

Musiklehrer will Online-Unterricht weiter anbieten

Wann das Buch erscheinen wird, weiß der Komponist noch nicht. Aber möglichst bald soll es sein, denn Rothen ist sicher: „Die Online-Geschichte wird weitergehen.“ Er rechnet damit, dass er langfristig zehn bis 20 Prozent seiner Schüler über das Internet unterrichten wird. Schließlich bietet das auch unabhängig von Lockdowns und Kontaktverboten viele Vorteile.

Etwa bei Krankheit, bei einem langen Anfahrtsweg oder einem engen Terminplan. „Der Online-Unterricht ist nicht besser oder schlechter, aber anders“, sagt Rothen, der auch weiß, was nicht geht: Ein großes Problem sei, dass die Handys nicht das gesamte Klangspektrum übertragen können – mit der Folge, dass die Gitarre nur schwer gestimmt werden kann.

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