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Unheil am Grillplatz

Realschüler aus Königsbach-Stein legen bei „Verstehen Sie Spaß?“ ihre Lehrer rein

Diese Aktion ist ein Volltreffer: Für die TV-Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ haben Schüler der Königsbacher Willy-Brandt-Realschule ihre beiden Lehrer reingelegt – bis zum Schluss haben beide keinen Verdacht geschöpft.

Am Ende tanzen alle: Rapper Cossu hat die Schüler im Griff. Als er vor dem Königsbacher Bildungszentrum auftritt, machen auch die beiden reingelegten Lehrer bereitwillig mit. Foto: Nico Roller

Lara Otterbach und Ronny Dittmar steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, als ihre Schüler ihnen gemeinsam zurufen: „Verstehen Sie Spaß?“

Die beiden sind Lehrer an der Königsbacher Willy-Brandt-Realschule und hatten schon gedacht, dass zwei ihrer Schützlinge auf einem Klassenausflug vor der Polizei geflohen waren. Aber zum Glück war alles nur ein Scherz, eingefädelt und heimlich gefilmt von den Machern der Fernsehsendung, die am Samstagabend im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelaufen ist.

Die beiden Lehrer haben nichts gemerkt, sind nie auf die Idee gekommen, dass alles nur gestellt sein könnte. „Die Schüler haben nichts verraten, sie haben noch nicht einmal gelacht“, sagt Otterbach. Zwischendurch habe sie zwar schon gedacht, dass das alles ein schlechter Traum sein müsse, dass das doch gar nicht wahr sein könne. „Aber je länger es ging, desto weniger haben wir daran geglaubt.“

Am Grillplatz nimmt das Unheil für „Verstehen Sie Spaß?“ seinen Lauf

Gedreht worden ist der Streich Ende Juli, am letzten Freitag vor den Sommerferien: Die Sonne brennt, die Temperaturen kratzen an der 30-Grad-Marke. Nach den Belastungen der Corona-Zeit wollen Lehrer und Schüler einen schönen Tag verbringen. Doch am Grillplatz nimmt das Unheil seinen Lauf: Die Polizei fährt vor und will zwei Jungs mitnehmen, weil sie angeblich den Bahnhof verunstaltet haben und dabei von einer Überwachungskamera gefilmt wurden.

Doch die beiden hauen ab, allerdings nicht, ohne vorher noch die Luft aus dem Reifen des Polizeiautos zu lassen. Den müssen die Lehrer wechseln, die Klasse muss enttäuscht ans Königsbacher Bildungszentrum zurückkehren.

Dort ist im Freien bereits eine Bühne für die am Abend tatsächlich anstehende Abschlussfeier aufgebaut. Und dort wartet auch schon Rektor Dieter König mit einer Standpauke. Wenig später lösen die Schüler den Streich auf, Rapper Cossu betritt die Bühne. Alle springen von ihren Stühlen auf, klatschen und tanzen gemeinsam.

Lara Otterbach und Ronny Dittmar realisieren erst nach und nach, was da eigentlich passiert ist. Als die Polizei kam, seien sie geschockt, enttäuscht und auch ein bisschen wütend darüber gewesen, dass die beiden Schüler mit ihrer Aktion die anderen um ihr Grillfest gebracht haben, sagt Dittmar: „Im Nachhinein bin ich aber stolz, dass die Schüler so etwas gebracht haben.“

Danksagung auf besondere Weise

Die Initiative für die Aktion ging von Cora Heidenreich und Lucie Morlock aus. „Wir wollten uns bei unseren Lehrern auf eine ganz besondere Weise bedanken“, sagt Heidenreich und erklärt, bei ihnen sei der Unterricht immer ganz toll gewesen. Die beiden Schülerinnen haben sich schon im Frühjahr im Internet bei „Verstehen Sie Spaß?“ beworben und „gehofft, aber nicht damit gerechnet, dass es klappt“. Umso größer war die Freude, als ein paar Wochen später das Telefon klingelte und die Zusage kam.

Allerdings: Das Fernsehen brauchte einen volljährigen Ansprechpartner – und fand ihn in Tanja Schäfer. Als sie die Schüler fragten, hat sie sich sofort bereiterklärt, die Aktion zu unterstützen. Warum? „Weil ich es eine geile Sache fand.“ Den Dreh erlebte Schäfer als „anstrengend, aufregend, aber auch mega genial“. Morgens sei sie echt aufgeregt gewesen, ob alles funktioniert. „Proben konnten wir ja nicht im Vorfeld.“

Rektor war eingeweiht

Die beiden Lehrer hätten ihr schon leidgetan – vor allem in dem Moment, als Otterbach sie vom Ausflug aus verzweifelt angerufen habe. Auch Rektor Dieter König hat gern mitgemacht bei dem Spaß – „auch, wenn ich es zwischendurch echt schade fand, dass ich die Lehrer so niedermachen musste“.

20 Fernsehschaffende waren für den Dreh in Königsbach mit viel Equipment vor Ort und taten das, was Fernsehleute so tun: Kommandos geben, Szenen nochmal drehen und den Lastwagen eines Gartenbauunternehmens ermahnen, nicht durchs Bild zu fahren. Die Technik hatten sie in einem Zelt versteckt.

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