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Der Ton wird rauer

Landwirt in Königsbach-Stein verteidigt Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Der Ton wird spürbar rauer: Der Landwirt Martin Ehrismann aus Königsbach-Stein stößt in puncto Pflanzenschutzmitteln bei vielen Menschen auf großes Unverständnis. Manche Passanten hätten Kollegen von ihm sogar schon den Vogel gezeigt.

Wünscht sich eine weniger emotional aufgeladene Diskussion: Wenn es um das Spritzen von Getreide oder anderen Nutzpflanzen geht, reagieren viele Bürger zunehmend mit Wut und Unverständnis, beobachtet Martin Ehrismann vom Eichhälderhof. Foto: Roller

Vor einigen Tagen hat Martin Ehrismann eine Beobachtung gemacht, die ihm anschließend einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte: Bei seiner Arbeit brachte der Landwirt aus Königsbach-Stein mit Hilfe einer auf dem Traktor aufgebauten Feldspritze Pflanzenschutzmittel aus.

Wenige Meter neben dem Feld war eine junge Frau mit dem Fahrrad unterwegs, im Kindersitz saß der Nachwuchs. Sie beobachtete den Bauern, blieb am Ende des Felds stehen, schaute ihm weiter zu, zückte ihr Handy und machte ein Foto von der Szene.

Noch bevor Ehrismann mit seinem Traktor in ihrer Nähe ankam und sie ansprechen konnte, war sie schon wieder verschwunden. Dabei hätte der Landwirt gerne das Gespräch mit der jungen Frau gesucht und ihre Fragen beantwortet. Er habe nämlich den Eindruck gehabt, so Ehrismann, dass sie etwas verunsichert war aufgrund seiner Tätigkeit.

Das Thema Pflanzenschutz ist für viele Menschen ein rotes Tuch.
Martin Ehrismann, Landwirt aus Königsbach-Stein

Und er hatte auch sofort eine Vermutung, warum. „Das Thema Pflanzenschutz ist für viele Menschen ein rotes Tuch“, sagt der Landwirt, der den zwischen Königsbach und Wössingen gelegenen Eichhälderhof betreibt. Er berichtet: Kollegen von ihm hätten von Passanten schon den Vogel gezeigt bekommen, als sie Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern ausbrachten. Ehrismann kann so etwas nicht verstehen.

Pflanzenschutz soll etwa Getreide vor Pilzkrankheiten schützen

„Für uns Landwirte ist das vollkommen unerklärlich“, sagt er. „Wir produzieren die Nahrung von morgen.“ Und das geht nun einmal aus ihrer Sicht nicht ohne Pflanzenschutzmittel. „Wie sollen wir sonst die Pflanzen wirksam vor Erkrankungen schützen?“

Beispiel Getreide: Das sei zu dieser Jahreszeit besonders von Pilzkrankheiten bedroht, erklärt Ehrismann. Die Ähren hätten sich mittlerweile aus dem Halm geschoben und seien in der Blüte am empfindlichsten für einen Befall.

Das Pflanzenschutzmittel tue das, was sein Name vermuten lasse: Es schütze die Pflanze vor dem Pilz. Dabei gebe es auf dem Markt kein einziges Mittel, das vorher nicht intensiv darauf geprüft worden sei, ob es schädlich ist für Mensch, Tier und Umwelt. Ehrismann vergleicht die aufwendigen Zulassungs- und Prüfverfahren mit denjenigen für Arzneimittel.

Beipackzettel für Pflanzenschutzmittel

Ein Vergleich, der insofern zutrifft, als es auch für jedes Pflanzenschutzmittel eine Art Beipackzettel gibt: Die Gebrauchsanweisung schreibt genau vor, in welchem zeitlichen Abstand welche Menge des Mittels ausgebracht werden darf. Und sie definiert, wie lange man vom Spritzen bis zum Ernten warten muss. Ist dieser Zeitraum vorbei, ist das Mittel komplett abgebaut worden.

Ehrismann ist überzeugt: Würde man auf Pflanzenschutzmittel verzichten, würden sich Pilze mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell ausbreiten, denn viele von ihnen seien schon im Boden vorhanden – ähnlich wie Unkraut, das auch immer wieder komme.

Landwirt: keine Alternative zu Pflanzenschutzmitteln

Feuchte Witterung begünstige die Ausbreitung der Pilze, die sich im feuchten Milieu besonders wohlfühlen. Ehrismann redet offen über das Thema, ganz ruhig, ohne Verärgerung in der Stimme. Aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund und sagt ganz klar: Für ihn, auf seinem Hof, gebe es keine Alternative zu den Pflanzenschutzmitteln, weil ihm das Risiko zu groß sei, dass ohne ihren Einsatz ein Großteil der Ernte unverkäuflich und ungenießbar werde.

Denn mit Pilzen befallene Körner dürfen nicht zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet werden. Würde der Mensch sie zu sich nehmen, könnte das je nach Dosis und Art des Pilzes giftig und damit gesundheitsschädlich sein. Ehrismann hält es für falsch, die Chemie- und Agrarkonzerne pauschal an den Pranger zu stellen.

Das werde der Komplexität des Themas nicht gerecht. Schließlich hätten ihre Entwicklungen der vergangenen 50 Jahre mit dazu beigetragen, dass heute hochwertige Nahrungsmittel in großen Mengen für alle verfügbar seien – und das zu einem erschwinglichen Preis.

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