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Virtueller Talk

Lauterbach über Herausforderungen in der Corona-Krise: Mutationen bereiten die größten Sorgen

SPD-Experte Karl Lauterbach ist virtuell zu Gast bei Enzkreis-Landtagskandidat Michael Hofsäß. Im Mittelpunkt stehen „aktuelle Herausforderungen in der Corona-Pandemie“.

Professor Karl Lauterbach ist Gast bei SPD-Kandidat Michael Hofsäß (kleines Bild) Foto: Screenshot Jürgen Peche

Mit Professor Karl Lauterbach hatte sich der SPD-Kandidat für den Wahlkreis „Enz“, Michael Hofsäß, einen Bundespolitiker mit ausgewiesener Expertise in Sachen Corona als Gesprächspartner gesichert. Lauterbach war am Montagabend einer kleinen Runde mit dem Arzt Till Neugebauer und der SPD-Bewerberin im Wahlkreis Pforzheim, Annkathrin Wulff, aus Berlin im Wahlkampfstudio der SPD zugeschaltet.

Angesichts der an diesem Mittwoch in der Bund-Länder-Runde anstehenden Entscheidung, wie es mit den Corona-Schutzmaßnahmen weitergehen soll, stellte Lauterbach den aktuellen Datenstand vor. „Die Fallzahlen werden sinken bis Anfang März, dann wegen der Mutationen wieder steigen“, prophezeit der Epidemiologe. Mit dem Beschluss am Mittwoch werde man versuchen, diese schwierige Lage abzuwenden.

Die in England verbreitete Virus-Variante B1.1.7 sei in Deutschland bereits zu sechs Prozent verbreitet. Bei den Neuinfektionen müsse man sogar von bis zu 20 Prozent Anteil ausgehen. „Anfang März wird diese Zahl auf 30 Prozent ansteigen“, befüchtet Lauterbach. Von einer Pandemie in der Pandemie spricht der Fachmann, bei der aber nur eine geringere Viruslast nötig ist, um sich anzustecken.

„Die gute Nachricht ist: Alle Impfstoffe wirken gegen B1.1.7 fast so stark wie gegen das Ursprungsvirus“. Beim Afrika-Virus dagegen sei die Wirkung stark reduziert, besonders beim Astra-Seneca-Impfstoff.

Michael Hofsäß fragte, wie Lauterbach die raue Debatte und die vielen Anfeindungen wegen seiner Corona-Politik aushält. „Ich mache meine Arbeit unbeeindruckt weiter“, antwortete Lauterbach in seinem bekannt lapidaren Ton. Die Drohungen, die bis zu Morddrohungen reichten, besorgten ihn nicht so sehr wie die Pandemie.

Hoffentlich gibt es ein gutes Ende für uns alle“
Karl Lauterbach, Corona-Experte

Er wolle an der Schnittstelle von Politik und Epidemiologie dafür sorgen, dass so wenig Menschen wie möglich erkranken, sterben oder Langzeitschäden davontragen. „Hoffentlich gibt es ein gutes Ende für uns alle“, so Lauterbach.

Der Maulbronner Hausarzt Till Neugebauer ist derzeit Arzt im Enzkreis-Impfzentrum in Mönsheim und vermisst einen Hoffnungsschimmer in der auf ihn apokalyptisch wirkenden Situation. Er spricht damit das Impfmanagement an mit leerstehenden Impfzentren, weil der Impfstoff fehle. „Wir könnten 1.000 Menschen an jedem Tag der Woche impfen und wären schnell durch“. Die Terminvergabe laufe zudem nach dem Windhundprinzip und nur die Älteren kämen gleich zum Zug.

Diesen düsteren Beobachtungen konnte auch Lauterbach wenig Positives gegenüberstellen: Er sorge sich, dass man mit der Entwicklung neuer, angepasster Impfstoffe immer hinterherhinken werde. So bestehe die Gefahr, dass bereits Erkrankte neu erkranken könnten – mit vorgeschädigten Organen.

Ihm sei klar, dass die Pandemie 2021 nicht zu Ende ist. „Wir werden erst 2022 wissen, wohin sich das entwickeln wird“. Lauterbach rät, die Impfstoffproduktion zu beschleunigen, um so die Impfkapazität ausbauen zu können. „Wir werden bis zum Sommer nur die Risikogruppen impfen können“, ist Lauterbach überzeugt. Für die Schulen sehe er kaum Möglichkeiten, bis zum Sommer in voller Klassenstärke arbeiten zu können. „Lüften und Masken helfen nicht bei den kommenden Mutanten“.

Wenn es gut laufe, könne es vielleicht Wechselunterricht geben, neben dem Homeschooling, sagte Lauterbach – und enteilte pünktlich zur Vorbereitung des Mittwochtreffens.

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