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Von Räubern und Skeletten

Leserfrage beantwortet: Was hat es mit der „Erler-Höhle” zwischen Bilfingen und Wilferdingen auf sich?

Räuber sollen in ihr gehaust haben, Skelette gefunden worden sein und sogar einen Geheimgang zum Königsbacher Schloss soll es von der Ernahöhle aus geben. Leserin Susanne Waldhauer aus Wilferdingen wollte wissen, was an den Sagen dran ist.

Geheimnisvolle Höhle: Leserin Susanne Waldhauer wollte genau wissen, was es mit der Ernahöhle auf sich hat. Foto: Jürgen Müller

Susanne Waldhauer ist verwirrt. Die Wilferdingerin hat auf Google Maps eine neue Sehenswürdigkeit irgendwo zwischen Wilferdingen, Bilfingen und Königsbach entdeckt, von der die passionierte Wanderin noch nicht gehört hat: die „Erler-Höhle/Räuberhöhle”. Und so fragt sie nun diese Zeitung: „Was hat es mit der „Erler-Höhle” auf sich beziehungsweise gibt es einen geschichtlichen Hintergrund?“

Bei den Recherchen ist viel Sagenhaftes zum Vorschein gekommen – und sogar ein paar Fakten. Zunächst zum Namen: Die Höhle heißt in Wirklichkeit Ernahöhle und gehört noch zu Kämpfelbach. Als solche wurde sie 1980 einmal wissenschaftlich untersucht. Auch der Remchinger Gemeinderat Dieter Walch erinnert sich, als Kind in der Höhle eine Schnitzerei „Ernahöhle“ gelesen zu haben. Wie aus „Erna“ „Erler“ werden konnte, dazu hält sich Google Maps auf Anfrage bedeckt. Zumindest hat die Höhle zwei Fünf-Sterne-Bewertungen als Station auf einer Wanderung.

Sagenhaft wird es bei der Frage nach Namensherkunft und Funktion der Höhle. Hatte etwa ein berüchtigter Räuber „Erner“ hier sein Lager und von dort aus die Fuhrwerke von und zum nahen Sperlingshof geplündert? Tatsächlich gab es einmal einen Schatz in der Höhle und sogar ein Skelett – mit „Erner“ hatte das aber nichts zu tun.

Kinder hatten Skelett in der Ernahöhle entdeckt

Der ehemalige Kämpfelbacher Bauhofleiter Erich Rapp erinnert sich an einen Feuerwehreinsatz, als Kinder das Skelett entdeckt hatten. Geocacher, also moderne Schnitzeljäger, hatten dies zur Bewachung ihres Schatzes dort aus Dekorationsgründen abgelegt. Dann hätten Rapps Nachfolger beim Bauhof ein bisschen Erde in die Höhle gekippt, um sie weniger leicht zugänglich zu machen.

In Königsbach erzählt man sich eine andere Geschichte: dass die Höhle am Ende eines Geheimgangs zum Schloss stünde. Die Untersuchung von 1980 zeigt allerdings, dass es sich um eine abgeschlossene Höhle handelt, ohne weitere Zugänge.

In Remchingen wiederum sieht Walch Verbindungen zu den Steinbrüchen in der Nähe. Vielleicht, so lautet seine Theorie, sei die Höhle ein verlassener Bruch für Muschelkalk gewesen? Auch dem widerspricht die Untersuchung. Demnach entstand die Höhle durch Erosion. Forscher Andreas Hoydem will 1980 sogar alte Wasserläufe identifiziert haben.

Im Zweiten Weltkrieg bot die Höhle Schutz vor Luftangriffen

Also ist die Ernahöhle einfach nur eine Höhle? Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch eine Höhle, in der sich einmal eine Erna mit einer Schnitzerei unsterblich gemacht hat. Vielleicht ist es auch einfach die Höhle, die für viele Menschen im westlichen Enzkreis für eine glückliche Kindheit am Lagerfeuer steht, die laut Walch den Menschen im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Luftangriffen bot – und deren Müll übrigens auch die Forscher 1980 gefunden hatten.

„Ich erzähle die Geschichten meinen Enkeln weiter“, sagt Walch. Und wer weiß, vielleicht trieb ja wirklich einst ein Räuber hier sein Unwesen. Die Höhle jedenfalls gibt es seit der Eiszeit.

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