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Frühere Lungenheilstätte

Klinik bei Schömberg zwangsversteigert – Eigentümer will Rechnungen nun doch begleichen

Der Eigentümer aus Moskau war jahrelang abgetaucht, kurz vor der Zwangsvollstreckung meldete er sich nun doch. Die ausstehenden Gebühren für das Gelände der ehemaligen Lungenklinik will der Besitzer begleichen.

Die Charlottenhöhe zwischen Schömberg und Bad Wildbad-Calmbach ist in keinem guten baulichen Zustand mehr. Trotzdem wurden knapp über 1,3 Millionen Euro bei einer Versteigerung dafür geboten. Foto: Heinz Richter

Jahrelang hat sich die Gemeinde Schömberg bemüht, eine Gebührenrechnung über Erschließungsbeiträge der Wasserversorgung auf dem Grundstück der Charlottenhöhe und Grundsteuer über 335.000 Euro einzutreiben. Ohne Erfolg. Der Aufenthaltsort des jetzigen Besitzers war nicht zu ermitteln. Deshalb fand nun die Zwangsvollstreckung des Anwesens statt.

Nach fast drei Stunden wurde die ehemalige Lungenheilstätte Charlottenhöhe für 1,301 Millionen Euro versteigert. Am Tag vor der Versteigerung meldete sich jedoch der Grundstücksbesitzer telefonisch aus Serbien und teilte mit, er bezahle die Gebührenrechnung. Bis zum Dienstag, 22. Juni, 10 Uhr, muss das Geld auf einem der Konten der Gemeinde Schömberg sein, sonst gilt der erfolgreiche Bieter aus der Versteigerung als neuer Besitzer.

Der Noch-Eigentümer der Charlottenhöhe meldete sich telefonisch sowohl bei der Gemeindeverwaltung Schömberg als auch bei Zwangsvollstrecker Martin Ertle beim Amtsgericht in Calw und wollte wissen, wohin er das Geld für die Schulden an die Gemeinde bezahlen soll. Als seinen Wohnort nannte er eine Adresse in Moskau. Aktuell sei er jedoch in Serbien unterwegs.

Es bleibt nun abzuwarten, ob das Geld rechtzeitig bei der Gemeinde eingeht. Die Forderung einer Wasserversorgungs-Erschließung kam erst in den vergangenen Jahren, weil die Erholungsklinik früher eine eigene Wasserversorgung hatte.

In den sechziger und siebziger Jahren war die Charlottenhöhe – landschaftlich sehr schön gelegen in einem Waldgebiet zwischen Schömberg und dem Wildbader Ortsteil Calmbach und Höfen – eine anerkannte Lungenheilstätte.

Gelände auf der Charlottenhöhe ist in miserablem Zustand

Noch bis Anfang dieses Jahrhunderts war in der Kurklinik zuletzt eine Kurzzeitpflege in Betrieb. Neben Wald und einem Baugrundstück von 30.728 Quadratmetern gehören acht Gebäude zu dem Komplex. Wegen des jahrelangen Leerstands sind manche Gebäude stark einsturzgefährdet.

Es sind auch Häuser darunter wie das ehemalige Kinderhaus, das 1927 gebaut wurde, die sich in einem schlechten Zustand befinden. Ein beauftragter Gutachter hat den Wert der Gesamtimmobilie auf minus 190.000 Euro geschätzt. Da es aber als Verkehrswert bei einer Versteigerung keinen Negativbetrag gibt, wurde als Wert ein Euro angegeben.

Geplantes Ausflugslokal wurde nie in Betrieb genommen

Die letzten Aktivitäten im ehemaligen Kinderhaus waren etwa im Jahr 2002, als der damalige Grundstücksbesitzer das Untergeschoss zu einem Ausflugslokal für Wanderer umbauen wollte. Der Umbau war fast fertig, wurde aber nie in Betrieb genommen. Wieso, ist nicht bekannt.

Bereits Ende 2018 lag dem Amtsgericht ein Antrag der Gemeinde Schömberg wegen der Zwangsvollstreckung vor. „Wir haben dann eine Abwesenheitspflegschaft geprüft“, erklärt Rechtspfleger Martin Ertle, weil Eigentum nicht einfach so versteigert wird. Sie kommt zur Anwendung, wenn vermögensrechtliche Angelegenheiten eines abwesenden Volljährigen der Fürsorge bedürfen. Die Abwesenheitspflegschaft wurde dann aber als nicht gegeben vom zuständigen Gericht bewertet.

Zur Versteigerung gelangte nun neben dem Grundstück das ehemalige Kinderhaus, drei ehemalige Klinik- und Verwaltungsgebäude mit Baujahr 1907, ein Angestelltenwohnhaus aus dem Jahr 1956, das ehemalige Speise- und Küchengebäude von 1907 und ein weiteres Angestelltenwohnhaus aus dem Jahr 1968. Daneben wurden damals Garagen gebaut und auch eine ehemalige Trafostation für die Freileitung.

Weil die Räume im Amtsgericht Calw während der Pandemie zu klein und damit für ungeeignet befunden wurden, fand die Zwangsvollstreckung im Hirsauer Kursaal statt. An die 40 Besucher waren gekommen. Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn teilte gleich zu Beginn mit, dass die Gemeinde den Zuschlag verwehren werde, falls nicht mindestens ein Versteigerungsbetrag in Höhe der Gemeindeforderung erreicht wird.

Firma aus Mannheim erhält Zuschlag

Insgesamt gaben acht Bieter 240 Gebote ab. Knapp drei Stunden zog sich die Versteigerung hin, weil am Schluss ein Bieter zunächst lediglich in 100 Euro-Schritten mitbot. Als fast eine Million Euro erreicht waren, boten nur noch eine Firma aus Düsseldorf, die auf Zwangsvollstreckungen spezialisiert ist und als Inkassobüro Forderungen übernimmt, eine Baugesellschaft aus Singen und schließlich die Firma aus Mannheim, die letztendlich den Zuschlag erhielt.

Sollte der Grundstücksbesitzer nicht rechtzeitig bezahlen, geht das Eigentum an die Firma in Mannheim über. Der Betrag nach Abzug der Forderung der Gemeinde Schömberg und den angefallenen Kosten bekommt der bisherige Grundstücksbesitzer.

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