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Digitale Schnitzeljagd

Militärhubschrauber in Engelsbrand ist Anziehungspunkt für Geocacher

Wer kann schon behaupten einen Hubschrauber auf seiner Wiese stehen zu haben? Achim Schöninger aus Engelsbrand kann das. Der Hubschrauber parkt aktuell auf der Streuobstwiese seines Vaters am Kapellenweg. Flugtauglich ist er aber schon einige Zeit nicht mehr und die Rotorblätter sind abmontiert.

War nicht leicht zu transportieren: Der Hubschrauber in Engelsbrand zieht große und kleine Rätselfreunde an. In seinem Inneren können sich erfolgreiche Sucher in ein „Logbuch“ eintragen und eine Black Box untersuchen. Foto: Richter

Achim Schöninger ist Geocacher. Was früher die Schnitzeljagd war, mit Hinweisen entlang einer vorgegebenen Strecke um die nächsten Punkte zu finden, wird heute über GPS mit Koordinaten weitergeführt. Die Teilnehmer gehen auf Schatzsuche. Und die Schätze sind teilweise recht aufwändig installiert. Der Hubschrauber am Kapellenweg gehört auch dazu. Eigentlich wollte der vierfache Vater den Hubschrauber in seinem Garten aufstellen. „Aber meine Frau war dagegen“, erzählt er.

Nach einem Kinderprogramm auf einem Campingplatz in Rastatt saßen die Organisatoren am Abend noch zusammen und sprachen über das Hobby Geocaching mit Achim Schöninger. Da kam die Idee das erste Mal auf, als Attraktion ein Flugzeug als Geoziel zu nehmen. Im Internet suchte Schöninger nach Flugzeugteilen, um so ein Fluggerät zusammenzubauen. „Aber als ich auf die Preise dafür geguckt habe, war das schnell begraben“, erzählt er.

Auch seine Geocaching-Freunde wussten von seiner Idee und so kam ein halbes Jahr später eine E-Mail, in der ihm ein alter Hubschrauber aus der Schweiz angeboten wurde. Weil der jetzt in der Schweiz wohnende Anbieter früher einmal in der Nähe von Gärtringen im Kreis Böblingen gewohnt hatte, stand auch dort noch der Hubschrauber in einer alten Scheune. Für einen Transport auf einem Lastwagen war das Fluggefährt allerdings zu groß gewesen. Der Besitzer hatte einfach keinen Platz für den Hubschrauber in seinem neuen Domizil in der Schweiz und wollte das historische Stück gerne abgeben.

Ich habe den Hubschrauber als Bausatz bekommen.
Achim Schöninger, Geocacher

Der Hubschrauber, eine französische Alouette II („Alouette“ heißt auf Deutsch „Lerche“), war bereits in Teile zerlegt. Der Rumpf war noch vom Hersteller, aber andere Teile wurden schon teilweise von anderen Fabrikaten ergänzt worden: Ein Militärhubschrauber nicht mehr vollständig aus Originalteilen also.

„Ich habe den Hubschrauber als Bausatz bekommen“, sagt Achim Schöninger. Aber wie sollte der Transport erfolgen? Der Engelsbrander überlegte, ob nicht das THW mal im Rahmen einer Übung den Hubschrauber vom nahen Gärtringen zu ihm bringen könnte. Aber der Preis war heftig. Das Technische Hilfswerk berechnete nämlich den Einsatz von zwei Lkw.

Geocaching-Ziel mit der Bezeichnung „MH 37X“

In Teilen schließlich holte Schöninger den Hubschrauber mit dem Autoanhänger eines Bekannten in mehreren Fahrten nach Engelsbrand. Die Turbinen sind nicht mehr im Hubschrauber. Schon bevor der Hubschrauber transportiert war, bastelte Achim Schöninger an dem Geocaching-Ziel mit der Bezeichnung „MH 37X“. Angelehnt an die Bezeichnung „MH 370“, einer Boeing 777. Es war das Flugzeug, das auf dem Flug von Kuala Lumpur in Malaysia nach Peking in China im März 2014 spurlos verschwand. Bis heute sind außer ein paar größeren Flugzeugteilen, die auf Mauritius angeschwemmt worden sind, keine Spuren von Flugzeug, Crew und Passagieren vorhanden.

Den Hubschrauber hätte der Engelsbrander Hobby-Rätsler am liebsten in einem Wald abgestellt. Vom Revierförster bekam er schon das OK. Der wollte dann aber noch seine Vorgesetzten fragen und danach scheiterte es dann. So kam der Hubschrauber schließlich auf eine Streuobstwiese unter einen Apfelbaum in der Nähe des Engelsbrander Friedhofes.

Zwischenzeitlich wird der Hubschrauber leider immer wieder mal beschädigt. Eine Plastikscheibe ist eingeschlagen und auch die Sitze wurden gleich zu Beginn gestohlen. Wer das Geocaching-Rätsel löst und den Hubschrauber findet, kann eine Black Box abhören und sich in einem Büchlein im Hubschrauber verewigen. Der Hubschrauber ist Teil eines GPS-Rätsels, zu dem auch ein Flugzeugwrackteil im Wald bei Grunbach gehört.

Das historische Stück ist übrigens ein beliebtes Ziel für Geocacher. Ein paar Hundert abenteuerlustige Besucher waren schon da.

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