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Übergriffe auf Ur-Enkelin

Missbrauch in Keltern: 75-Jähriger verurteilt

Ein 75-Jähriger aus Keltern wurde wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Er muss nun Schmerzensgeld zahlen und eine Therapie absolvieren.

Eine Figur der blinden Justitia.
Ein Mann aus Keltern ist wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. HIer eine Symbolbild der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild

Sexuellen Missbrauch hat die Staatsanwaltschaft einem Mann aus Keltern in einem Verfahren vor dem Amtsgericht Pforzheim vorgeworfen. In drei Fällen soll sich der 75-Jährige Ende 2022 und Anfang 2023 an einer Ur-Enkelin vergangen haben, sagte Oberstaatsanwalt Nils Fabian Gertler bei der Verlesung seiner Anklageschrift.

Zu einem unbestimmbaren Zeitpunkt zwischen Dezember 2022 und Januar 2023 habe der Angeklagte der Tochter der Lebensgefährtin seines Sohnes den Pyjama nach unten gezogen, habe von oben in die Hose gegriffen und die Scheide des zum Tatzeitpunkt 8-jährigen Mädchens angefasst.

Das war nur schwer zu verdauen.
Philipp Hauenschild
Richter

In einem zweiten Fall habe er am 5. Dezember 2022 in einem Brief das Mädchen dazu aufgefordert, sein Glied anzufassen. In der Nacht vom 26. auf den 27. April 2023 schließlich habe er sich in einem dritten Fall zu dem Kind auf die Matratze gelegt, habe Arme und Brüste gestreichelt, erneut die Pyjamahose nach unten gezogen und das Mädchen mit der Zunge berührt.

Der Mann hatte sich selbst angezeigt, als er mitbekam, dass das Kind von den Übergriffen sowohl dem Vater als auch der Mutter berichtete. Bei der daraufhin folgenden Durchsuchung wurden von der Kriminalpolizei am 30. April 2023 auf dem Rechner des Angeklagten acht Dateien kinderpornografischen Inhalts entdeckt. Darin hätten beispielsweise sechsjährige Mädchen Oralsex ausgeführt.

Geständnis erspart Mädchen Gerichtsvernehmung

Auf die Rückgabe des beschlagnahmten Laptops verzichtete der Angeklagte auf Nachfrage von Richter Philipp Hauenschild, obwohl er nicht gewusst habe, dass die pornografischen Inhalte sich auf seinem Rechner befunden hätten. Gleichzeitig räumte aber Verteidiger Wolfgang Hirth in einer persönlichen Erklärung seines Mandanten den Großteil der Vorwürfe ein.

Genau das bewahrte den mutmaßlichen Täter davor, die zwei Jahre in Haft zu verbringen, zu der ihn das Schöffengericht unter der Leitung von Hauenschild verurteilte. In der vierjährigen Bewährungszeit dürfe er sich nicht mehr das Geringste zuschulden kommen lassen, wolle er seine Bewährung nicht riskieren, mahnte der Richter. Dem Mädchen müsse er innerhalb dieser Bewährungszeit ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro bezahlen. Und schließlich müsse er drittens eine deliktorientierte Therapie bei der Forensik absolvieren.

Außen vor blieb bei der Strafzumessung ein Brief mit der Aufforderung zu sexuellen Handlungen, den der Angeklagte an das Mädchen gerichtet hatte und den Philipp Hauenschild („das war nur schwer zu verdauen“) verlas.

Zum Schutz der Intimsphäre sowohl des Angeklagten als auch der Eltern fanden weite Teile der Verhandlung und sogar die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Richter Hauenschild ließ in seiner Urteilsbegründung allerdings durchklingen, dass sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung genau das gleiche Strafmaß gefordert hatten.

Positiv wurde vom Gericht berücksichtigt, dass dem achtjährigen Mädchen durch das Geständnis des Angeklagten eine Zeugenvernehmung vor Gericht erspart worden sei.

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