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Zahlen über kritischer Marke

Mühlacker erwägt lokalen Corona-Lockdown

Die Corona-Zahlen in Mühlacker liegen hochgerechnet über der kritischen Marke für einen lokalen Lockdown. Bindende Wirkung hat das auf kommunaler Ebene nicht. Die Rathausspitze ist dennoch alarmiert – und erwägt strenge Maßnahmen.

Hier wird entschieden: Im Rathaus schaut man genau auf die Corona-Fallzahlen. Am Dienstag klärt sich, ob es strengere Maßnahmen in der Stadt geben wird. Foto: Tilo Keller

Die Zahl wirkt eigentlich nicht gravierend: In Mühlacker gab es am Freitag 33 Corona-Fälle, 17 davon fallen auf die letzten sieben Tage. Hochgerechnet auf die Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner, ab der in Stadt- und Landkreisen schärfere Regeln gelten sollen, liegt Mühlacker mit seinen gut 26.000 Einwohnern aber schon über der Grenze.

Weiteres Alarmsignal: Die Infektionsquellen in der Stadt lassen sich nicht mehr eindeutig ausmachen. Die Rathausspitze erwägt nun zum Schutz der Bevölkerung einen weitergehenden Lockdown.

Für Mühlacker gelten nicht die Regeln wie für Stadt- und Landkreise. Automatismen, die schärfere Maßnahmen ab einer bestimmen Fallzahl nahelegen, gibt es also nicht. Doch die Verwaltung um Oberbürgermeister Frank Schneider beobachtet die Lage nach dem jüngsten Anstieg der Fallzahlen und Quarantäne-Verfügungen genau.

Corona-Lockdown droht auch wegen vieler Fälle im Altenheim St. Franziskus

„Der Anstieg ist so bedenklich, dass wir uns im städtischen Pandemiestab bereits Gedanken machen über schärfere Maßnahmen wie beispielsweise erneute Hallenschließungen“, so Schneider.

Er appellierte am Dienstag an die Bevölkerung, private Treffen und Feiern möglichst zu unterlassen, bis sich die Zahlen wieder nach unten bewegen.

Wenn wir einen zweiten Lockdown vermeiden wollen, müssen wir versuchen, alle Aktivitäten auf das Allernotwendigste zu begrenzen.
Frank Schneider, Oberbürgermeister von Mühlacker

Am Freitag verschärfte er die Ansprache noch einmal und adressierte die Vereine in der Stadt: „Wenn wir einen zweiten Lockdown vermeiden wollen, müssen wir versuchen, alle Aktivitäten auf das Allernotwendigste zu begrenzen.“ Die Vereine sollten hinterfragen, ob Konzerte, Feste, Übungseinheiten und andere Begegnungen wirklich nötig seien.

Schneider weiter: „Begrenzen Sie Ihre Begegnungen auf möglichst wenige Teilnehmende. Ersetzen Sie persönliche Begegnungen durch virtuelle.“ Der Appell gelte für die gesamte Bevölkerung. Vieles deute darauf hin, dass die privaten Aktivitäten der Bürger das Infektionsgeschehen negativ beeinflussen.

Klare Ansage: Das Heim in Mühlacker steht weiter unter Quarantäne. Die Bewohner werden in ihren Zimmern betreut. Foto: Ulrike Stahlfeld

Ein Teil der, Stand Freitag, 33 Fälle in der Stadt geht auf den Corona-Ausbruch im Seniorenheim St. Franziskus zurück. 14 Bewohner sind nach offiziellen Angaben infiziert. Außerdem waren neun Mitarbeiter positiv getestet worden. Allerdings gelten einige von ihnen bereits wieder als genesen, außerdem ist unbekannt, wie viele von ihnen für die Statistik in Mühlacker geführt werden, und wie viele außerhalb wohnen.

Zumindest durch das Theodor-Heuss-Gymnasium zeichnet sich keine weitere Verschärfung der Probleme ab. An der Einrichtung mit rund 900 Schülern liegen keine weiteren positiven Testergebnisse vor.

Krisenstab in Mühlacker tritt am Dienstag zusammen und entscheidet

Der Krisenstab der Stadt will noch die Infiziertenzahlen vom Wochenende abwarten, die das Gesundheitsamt am Montagnachmittag veröffentlicht. Dienstagfrüh tritt dann das Gremium zusammen, erklärt Pressesprecher und OB-Referent Gerhard Maresch. Wie es weitergeht, hänge davon ab, ob die Kurve zu diesem Zeitpunkt nach oben oder nach unten zeigt.

Sollte es keine Entspannung geben, wird es wohl schnell gehen: Das Rathaus würde schärfere Maßnahmen umsetzen und eine Allgemeinverfügung für das Stadtgebiet erlassen. Konkret ins Gespräch hat OB Schneider bisher nur die Hallenschließungen. Weitere Optionen sind nur angedeutet.

Für lokale Lockdowns gibt es auch auf Kreisebene übrigens keine Automatismen. Ist der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten, schauen sich die zuständigen Stellen die Lage genau an. Sollten beispielsweise die Zahlen in Mühlacker so weit steigen, dass sie den gesamten Enzkreis über die Schwelle bringen, würde wohl Mühlacker gewissermaßen abgeschottet, deutet Landratsamts-Sprecher Jürgen Hörstmann an.

Für den gesamten Kreis müsse es dann keine Einschränkungen geben. Sein Beispiel: „Wenn zu der Zeit, als es den Ausbruch bei Müller-Fleisch gab, die aktuellen Grenzwerte schon gegolten hätten, hätte das sonst den ganzen Enzkreis in den Lockdown katapultiert.“ Soll heißen: Wenn die Quelle klar auszumachen und einzudämmen ist, muss nicht gleich der ganze Kreis mit Einschränkungen rechnen.

Dass der Grenzwert nicht für einzelne Kommunen, sondern nur für Kreise gilt, hat gute Gründe. So würde in der 3.000-Einwohner-Gemeinde Kieselbronn schon ein infiziertes Paar reichen, um die Schwelle zu überschreiten.

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