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70-Jähriger ist noch aktiv

Mit 13 die erste Gitarre gebaut: Hansjörg Michl aus Mühlacker ist Instrumentenbauer mit Glück und Geschick

Hansjörg Michl renoviert in seiner Werkstatt in Mühlacker Gitarren und Banjos. „Der Klang ist das Wesentliche“, sagt er und baut stets an mehreren Instrumenten gleichzeitig.

Hansjörg Michl und eines seiner Meisterstücke: das mannshohe Kontrabaß-Banjo Foto: Ulrike Stahlfeld

Er war gerade mal 13 Jahre alt, als er sich seine erste eigene Gitarre komplett selbst zusammenbaute. Seitdem spielt der heute 70-jährige Hansjörg Michl am liebsten auf seinen echten Unikaten. Denn seine Leidenschaft ist es bis heute, Gitarren und Banjos zu renovieren oder neu aufzubauen. Von „Marke Eigenbau“ im umgangssprachlichen Sinn kann allerdings nicht die Rede sein. In seiner Werkstatt in Mühlacker entstehen echte Meisterwerke.

Wer Hansjörg Michl in seinem Haus in Mühlacker besucht, der kommt an seinen Gitarren und Banjos nicht vorbei. Schon im Eingangsbereich werden die Gäste von den ersten Instrumenten empfangen. Der Blick füllt auf gut zehn kunstvoll renovierte Instrumente. Auf einem Stuhl liegt eine Lap-Steel-Gitarre.

Deckenkonstruktion muss passen

Anders als beim gewöhnlichen Gitarrenspiel wird sie vom sitzenden Gitarrenspieler auf den Schoß gelegt, wie Hansjörg Michl umgehend demonstriert. Im Haus erklingt ihr warmer tragender Ton und der Instrumentenbauer ist sich sicher, dass er sich von diesem Stück nie trennen wird. Der gute Klang kommt, so erklärt er, vom abgelagerten, alten Holz.

Doch das ist längst nicht alles. Die Deckenkonstruktion muss passen, ebenso, wie die anderen Elemente in einem sinnvollen Verhältnis stehen sollten. „Und man muss auch Glück haben“, sagt er.

Können gehört ebenfalls dazu. Denn ein Gitarrenbauer benötigt viele Fähigkeiten, wie ein Blick auf das fast mannshohe Kontrabass-Banjo belegt, das im Esszimmer steht. Das massive Ebenholz-Griffbrett hat Michl als Rohling gekauft und passend gemacht. Einzelne Teile sind mit Mahagoni furniert, die Intarsien aus Perlmutt hat er selbst ausgesägt. Den Korpus bildet ein hochwertiger Schlagzeug-Korpus, den er verstärkte. Selbst die Spannbrücke aus Edelstahl, über die die Saiten verlaufen, hat er selber hergestellt.

Michl hat sich alles selbst beigebracht

Die Arbeit mit Metall und Holz geht Michl flink von der Hand. Er schweißt, arbeitet aber auch geschickt mit dem Stechbeitel. Aufwendige Pläne benötigt er keine. Ihm genügten Skizzen, erklärt der Lehrer im Ruhestand. Wie das Instrument aussehen soll, hat er längst im Kopf, bevor der erste Handgriff getan ist. Doch wie bereits erwähnt, schönes Aussehen genügt bei einem guten Instrument nicht. „Der Klang ist das Wesentliche“, sagt er und baut stets an mehreren Instrumenten gleichzeitig.

Zwölf Banjos in verschiedenen „Zuständen“ und ebenso viele Gitarren, die auf ihre Restaurierung oder ihren Neubau warten, gibt es im Haus der Michls zu entdecken. Hansjörg Michl hat den Instrumentenbau nie erlernt, sonders sich über Jahrzehnte hinweg immer weiteres Wissen angeeignet. Und es gibt auch Rückschläge bei der Arbeit.

Wenn man die Instrumente nicht spielen kann, dann kann man auch keine bauen.
Hansjörg Michl, Instrumentenbauer

„Ich erkämpfe mir das“, gesteht Michl, dass es immer auch ein Ringen mit sich und dem Material ist. „Es ist ein unwahrscheinliches Glücksgefühl“, beschreibt der Instrumentenbauer sein Empfinden, wenn er eine einst kaputte Gitarre zum ersten Mal wieder erklingen lässt.

Arbeiten sind auf YouTube zu sehen

Doch nicht nur das handwerkliche Geschick muss vorhanden sein. „Wenn man die Instrumente nicht spielen kann, dann kann man auch keine bauen“, macht der ursprünglich aus dem Bayerischen Wald Stammende deutlich, dass er auch als Musiker stets seinen eigenen Weg gegangen ist. Andere Musiker zu kopieren ist ihm nie in den Sinn gekommen. „Ich wollte immer meinen eigenen Ausdruck finden“, sagt er. Das scheint ihm als Musiker und Instrumentenbauer auf das Beste gelungen zu sein.

Einblicke in die Arbeit von Hansjörg Michl gibt es auf dem YouTube-Kanal Saiteninstrumente-and-Music. Zu sehen und zu hören sind eine Vielzahl von restaurierten oder nach eigenem Entwurf gebauten Instrumenten.

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