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Testergebnisse am Mittwoch

Mühlacker: Heimleiter befürchtet weitere Corona-Fälle in Altenheim

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Mühlacker werden am Mittwoch weitere Testergebnisse erwartet. Der Heimleiter geht von weiteren positiven Befunden aus. Wie das Virus ins Haus kam, wird sich wohl nicht mehr klären lassen.

Kaum Bewegung: Das Seniorenheim St. Franziskus in Mühlacker steht unter Corona-Quarantäne. An diesem Mittwoch werden weitere Testergebnisse erwartet. Foto: Ulrike Stahlfeld

Zehn Bewohner und nochmal fast ebenso viele Beschäftigte positiv auf das Coronavirus getestet: Wie lange diese Zahlen im Seniorenheim St. Franziskus in Mühlacker Bestand haben, war am Dienstagmittag noch unklar. Im Lauf des Tages und bis zum Mittwoch trudelten weitere Testergebnisse ein, an diesem Mittwoch sollen sie gesammelt kommuniziert werden.

Während man in der Pressestelle des Landratsamts hofft, dass sich die Lage nicht verschärft, klingt Heimleiter Markus Schellinger deutlich weniger optimistisch. „Es ist anzunehmen, dass noch weitere Fälle dazukommen“, sagt er dieser Redaktion. Insgesamt wohnen 92 Senioren im Haus, sie alle gelten gemäß ihres Alters als Hochrisikogruppe. Getestet wurden auch die rund 100 Beschäftigten.

Wie das Virus ins Heim kam, bleibt ungeklärt

Wie das Virus überhaupt ins Haus gelangte, ist unklar. Es wird sich offenbar auch nicht mehr klären lassen. Am Sonntag vor einer Woche hatte ein Bewohner leichte Symptome gezeigt, am Montag wurde er getestet, am Mittwoch lag das positive Ergebnis vor.

Doch bei den breiter angelegten Folgetests im Haus zeigten sich überraschend so viele positive Fälle, dass es zumindest bisher nicht gelang, den ersten Fall zu bestimmen, von dem aus man den Weg des Virus nachvollziehen könnte.

„Wir wissen es nicht, gar nicht. Wir haben überlegt und geschaut, wie es gewesen sein könnte. Aber es drängt sich niemand auf“, sagt Heimleiter Schellinger. Die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts, Angelika Edwards, bestätigt: „Wir haben keinen Eintragsweg gefunden.“ Man habe ausführliche Befragungen gemacht, aber keine Spur. Nicht nur die knapp 20 bestätigten Fälle kommen als Quelle in Frage. „Es kann auch jemand gewesen sein, der asymptomatisch war.“

Bewohner werden intensiv auf Symptome beobachtet

Zum Gesundheitszustand der Bewohner will die Heimleitung derweil keine Auskunft geben. In der Pressestelle des Landratsamts heißt es dazu: „Soweit uns bekannt geht es den älteren Herrschaften weitgehend gut.“ Details möge man aber bitte bei der Heimleitung erfragen. Schellinger erklärt: „Es kann heute früh noch ganz ruhig sein, und dann plötzlich dramatisch kippen.

Man hört das ja, wie es ist, wenn sich bei dieser Krankheit plötzlich das Immunsystem gegen den Patienten wendet“, so Schellinger. Deswegen sei er vorsichtig mit öffentlichen Erklärungen zum Verlauf. Auch, ob alle Heimbewohner vor Ort in Quarantäne versorgt werden, oder ob Patienten ins Krankenhaus mussten, lässt er daher offen.

Obwohl die ersten Symptome nun schon anderthalb Wochen her sind, scheint die Lage also noch volatil zu sein. Man beobachte die Bewohner sehr aufmerksam und achte auf Symptome, betont Schellinger. Ein negativer Abstrich bedeute ja nicht, dass nicht noch etwas nachkommen könne. Parallel zum Gesundheitsamt arbeitet die Heimleitung mit den Hausärzten der Bewohner zusammen, um den Ausbruch zu bewältigen.

Man kann nicht in den dauerhaften Lockdown gehen. Sonst vereinsamen die Bewohner im Haus.
Markus Schellinger, Leiter des Seniorenheims

Der Ausbruch in Mühlacker ist der erste bekannte in einem Seniorenheim im Enzkreis seit dem Frühjahr, als Einrichtungen in Remchingen und Straubenhardt betroffen waren. In Remchingen war eine 85-jährige Bewohnerin gestorben, auch in Straubenhardt starb ein Bewohner nach einer Infektion.

Trotz der Gefahren gerade für die Hochrisikogruppe wollen sich die Heime nicht mehr abschotten, wie es während der ersten Corona-Welle im Frühjahr der Fall war. „Natürlich hat man ein hohes Risiko, wenn man die Einrichtungen öffnet“, erklärt Schellinger noch einmal seine Position. „Aber man kann nicht in den dauerhaften Lockdown gehen. Sonst vereinsamen die Bewohner im Haus, sie brauchen Kontakte.“

Gesundheitsamt appelliert an Bevölkerung

Erst vorige Woche hatte das Gesundheitsamt zusammen mit Vize-Landrat Wolfgang Herz an die Bevölkerung appelliert, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Der Appell galt vor allem jüngeren Leuten, bei denen zuletzt teilweise eine gewisse Sorglosigkeit zu beobachten sei.

Die Mahnung: Auch wer jung ist, kommt in Kontakt zu Älteren oder zu Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. „Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz, im Verein oder im Familienkreis – überall, wo Menschen zusammenkommen, kann sich das Virus verbreiten“, so Gesundheitsamtschefin Brigitte Joggerst.

Dass schwere Verläufe derzeit seltener sind als zu Beginn der Pandemie, erklärt man sich im Gesundheitsamt zum einen mit dem geringeren Alter der Infizierten, aber auch durch eine gestiegene Vorsicht bei Älteren und bei Menschen mit Vorerkrankungen. „Die Alten- und Pflegeheime sind mittlerweile sehr gut aufgestellt, was Hygiene-Konzepte angeht“, so Vize-Landrat Herz. Zudem sei man dort wesentlich besser vorbereitet, falls es doch wie in Mühlacker zu einer Infektion kommen sollte.

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