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Umfrage ergab hohen Bedarf

Sengach bei Mühlacker will Anschluss ans ÖPNV-Netz

Schon einmal gab es im Weiler Sengach bei Mühlacker Diskussionen um den ÖPNV-Anschluss – und viele Gegner. Nun sind die meisten Anwohner für den Busanschluss im Ort. Die CDU hat einen entsprechenden Antrag eingereicht.

Sascha Werner und Daniela Steudle plädieren für einen Anschluss ans ÖPNV-Netz. Eine Bushaltestelle wäre am Ortseingang aus Enzberg kommend möglich. Foto: Stefan Friedrich

2002 gab es erste Diskussionen in Sengach bei Mühlacker, ob der Weiler an das ÖPNV-Netz angebunden werden sollte. Damals lagen Gegner und Befürworter gleichauf, erinnert sich Sascha Werner: „Das war eine sehr emotionale Nummer.“

Sie habe am Ende dazu geführt, dass sich die ganze Sache „extrem hochgeschaukelt“ habe und viele Bürger jahrelang nicht mehr miteinander geredet hätten.

Jetzt, knapp zwanzig Jahre später, soll ein neuer Versuch unternommen werden. Bei einer Umfrage hat Initiator Werner genau hingehört, wie die Befindlichkeiten sind. Das Ziel: Ein zweites Mal soll der Weiler durch dieses Thema nicht gespalten werden.

Initiator musste bei Anwohnern erst Überzeugungsarbeit leisten

Tatsächlich hatten viele Sengacher „Bedenken, dass es wieder so wie damals wird“, erzählt Werner. Und manche befürchteten, dass der Weilercharakter verloren gehen könnte, wenn mit einem erhöhten Durchgangsverkehr zu rechnen ist, so wie momentan bereits während des Feierabends der Fall, wenn viele durch Sengach fahren.

„Diese Angst konnten wir ihnen nehmen, indem wir gesagt haben: Es ist nicht so, dass jetzt alle zehn Minuten ein Zwölf-Meter-Gelenkbus kommen wird“, versichert Werner. Es dürfte einer der Gründe dafür gewesen sein, dass die Stimmung in Sengach derzeit eher pro Busanschluss geht – egal in welcher Altersgruppe.

Etwa 60 Prozent der Haushalte hat Werner befragt, Rentner ebenso wie Familien und Alleinstehende. Nur eine Person hat sich dabei gegen den Busanschluss ausgesprochen, alle anderen waren dafür. „Das hat sich durch alle Schichten durchgezogen“, betont Werner.

Er erzählt von einer älteren Dame, die nur noch mit dem Rollator unterwegs sein kann. „Die hat mir gesagt: Vor fünf Jahren wäre ein Bus schön gewesen, als ich noch laufen konnte. Dann hätte ich mal jemand in Enzberg oder Ötisheim zum Kaffee treffen können.“

Nächste Bushaltestellen sind weit entfernt

Vor allem aber auch von Familien mit schulpflichtigen Kindern sei die fehlende Bushaltestelle als Problem benannt worden. Nicht alleine, dass der Besuch der Großeltern mit dem Bus wesentlich einfacher wäre.

Die nächsten Bushaltestellen sind weit entfernt, entweder in Ötisheim oder in Enzberg. Theoretisch wären diese zwar fußläufig erreichbar. Wie viele das aber machen?

„Keiner“, ist sich die Ortsvorsitzende Daniela Steudle sicher. Eltern müssen ihre Kinder also mit dem Auto dorthin bringen. Insofern erinnert Werner an 2002. Damals schon war es als Bereicherung beschrieben worden, wenn Sengach ans ÖPNV-Netz angeschlossen werden könnte. Was damals nicht geklappt hat, könnte sich jetzt nachholen lassen.

Tatsächlich erhebt der Verkehrsbund Pforzheim-Enzkreis im Rahmen der derzeitigen Fortschreibung des Nahverkehrsplans, ob es im Enzkreis kleine Siedlungsteile wie Sengach gibt, die nicht vom ÖPNV erschlossen sind und ob für diese eine wirtschaftlich vertretbare Möglichkeit eines Anschlusses geschaffen werden kann, erklärt Selma Cantürk, Referentin Kommunikation und Marketing, auf Anfrage dieser Redaktion.

Entscheidung liegt nun bei Landkreis und Verkehrsbetrieben

Grundsätzlich denkbar wäre in Sengach eine Wendeschleife am Ortseingang, die von der Linie 701 bedient werden könnte – sofern die Einhaltung vorgeschriebener Pausenzeiten der Busfahrer dadurch nicht beeinträchtigt würden. Der Einsatz eines Kleinbusses sei wegen des Fahrzeugumlaufs allerdings nicht möglich, so Cantürk.

Eine Bushaltestelle direkt am Ortseingang von Enzberg kommend wäre problemlos machbar, versichern Steudle und Werner. Außerdem würde es aus ihrer Sicht reichen, wenn ein Bus drei oder vier Mal am Tag Sengach ansteuert, notfalls finanziert durch die Stadt Mühlacker, sollte es anders nicht umsetzbar sein.

„Politisch haben wir das jetzt ins Rollen gebracht“, bemerkt Steudle, „jetzt stehen wir wieder auf Standby.“ Die Entscheidung, ergänzt Werner, „muss im Landkreis und bei den Verkehrsbetrieben getroffen werden.“

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