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Großeinsatz in Neuenbürg

180 Feuerwehrleute kämpfen gegen Silobrand in Neuenbürg

Jeder Handgriff beim Großeinsatz in der Pektinfabrik in Neuenbürg ist 100 Mal geübt. „Aber so etwas kann man nicht trainieren“, stellt Kreisbrandmeister Carsten Sorg fest, als die letzten von rund 180 Einsatzkräften das Firmengelände von Herbstreith & Fox verlassen.

Komplizierter Einsatz: Verborgen in der Halle stehen die beiden Silos, die Feuerwehrkräfte aus der ganzen Region mehr als 24 Stunden auf den Beinen halten. Foto: Igor Myroshnichenko

„Zu 100 Prozent an ihre körperlichen Grenzen geführt worden“ sind dabei die rund 70 Atemschutzgeräteträger, sagt Neuenbürgs Kommandant Helmut Wankmüller, der den Einsatz leitete.

Er ist am Montag gegen 11 Uhr wieder im Feuerwehrhaus – fast 28 Stunden, nachdem er wegen einer Hitzeentwicklung in einem Silo in das Unternehmen geholt worden war. Auch die beiden während des Einsatzes leicht verletzten Feuerwehrleute sind zu diesem Zeitpunkt längst wieder als gesund aus der Klinik entlassen.

Angefangen hat alles „ganz harmlos“, erzählt Wankmüller. Seine Beratung ist gefragt, nachdem bei einem Kontrollgang in einem Gebäude mit acht Silos Unregelmäßigkeiten auftraten. „50 Grad, leichte Rauchentwicklung – alles völlig unspektakulär“, lautet die Ersteinschätzung.

Es gilt, heiß gewordene Pellets in einem der Silos abzulassen. Zur Absicherung rückt die Feuerwehr aus. Sie fährt ohne Sondersignal zum wichtigsten Arbeitgeber von Neuenbürg.

Einer der spektakulärsten Einsätze der Region

Beim Blick zurück ist das ein „Vorgeplänkel“ zu einem der spektakulärsten Einsätze in der Region. Der Siloauslass verstopft, die Temperatur steigt, nach und nach werden Feuerwehrleute aus Straubenhardt, Eisingen, Illingen, Keltern, Mühlacker, Pforzheim und die Werksfeuerwehr des KIT in Karlsruhe sowie medizinisches Personal alarmiert.

Beim Höhepunkt der Löscharbeiten kämpfen zeitgleich rund 160 Männer und Frauen gegen den Brand auf dem Werksgelände. Niemand ist zu viel. Davon ist der Kreisbrandmeister auch noch Stunden später überzeugt.

Messeinheiten aus Illingen und Pforzheim kontrollieren Schadstoffentwicklungen. Andere machen sich mit der komplexen Anlage vertraut, zu der das Silo gehört, in dem die Pellets vor sich hin glimmen.

Feuerwehr Keltern sichert Atemschutzträger ab

Die Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Keltern sichert die Atemschutzträger ab, die sich in Dunkelheit und großer Hitze mit Stocherstangen zum Brandherd in dem zehn Meter hohen Silo vorkämpfen. Eisingen unterstützt Einsatzleiter Wankmüller.

Den wesentlichen Stoff bei diesem ungewöhnlichen Einsatz hat die Werkfeuerwehr vorgefahren, die normalerweise für das Universitätsgelände in Karlsruhe zuständig ist: Kohlendioxid. „Es hat erstickende Wirkung, weil es Sauerstoff verdrängt“, erläutert Sorg.

Das Gas in Kombination mit Löschwasser wird zweimal gebraucht. Eine Stunde nachdem die Nachtwache aus Engelsbrand um 2.30 Uhr übernommen hat, muss ein zweiter Silobrand erstickt werden.

Wankmüller geht davon aus, dass die große Hitze, die auch die Elektroleitungen in der Halle abschmelzen ließ, dafür ursächlich ist.

Die hohen Temperaturen in den 150 Kubikmeter großen Silos mit tonnenweise Tierfutter sind auch die Hauptschwierigkeit für die Leute, die den Brand direkt bekämpfen. Sorg spricht von mehreren hundert Grad.

Außerdem droht der Brand auf andere der insgesamt acht Silos sowie die Konstruktion des Gebäudes überzuspringen. Zeitweise sind drei Drehleitern im Einsatz.

Ich bin froh, dass es so glimpflich abgegangen ist.
Horst Martin, Bürgermeister

Als die Silos am Montagfrüh geleert sind und die Pellets zum Auskühlen auf das Betriebsgelände im Rotenbach gefahren werden, beginnt für die meisten der rund 220 Mitarbeiter der Firma ein normaler Arbeitstag. Dass Bürgermeister Horst Martin (parteilos) vorfährt, dürften nur wenige bemerken.

Er ist „froh, dass es so glimpflich abgegangen ist“ mit dem Brand, den nach ersten Einschätzungen eine chemische Reaktion auslöste. Herbstreith & Fox stellt rund zehn Prozent der Arbeitsplätze in Neuenbürg und ist ortsbildprägend.

Der Dauereinsatz des Kommandanten und des ganzen Feuerwehrteams sucht seinesgleichen in der Region. Jeder und jede kann stolz sein auf die gemeinsame Leistung, ist den Worten von Sorg zu entnehmen. „Sie haben eine sehr komplexe Löschaufgabe mit vielen Schwierigkeiten und Sonderaufgaben mit Bravour bewältigt.“

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