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Neulingen-Bauschlott im Enzkreis

Frieda Hölzle feiert ihren 108. Geburtstag – und ist damit die älteste Neulingerin aller Zeiten

Noch nie wurde in Neulingen jemand so alt wie Frieda Hölzle. An diesem Dienstag darf sie im Seniorenzentrum Bethesda in Bauschlott ihr 108. Wiegenfest begehen.

Frieda Hölzle mit der jüngsten Enkelin Anika Hölzle (24). Foto: Peter Dietrich

Die zuvor älteste Einwohnerin war Elise Reinmuth, die am 25. November 2017, ebenfalls im Bethesda, ihren 107. Geburtstag beging und zwei Monate später starb. Sie stammte jedoch nicht von hier, sondern war im Dezember 2014 aus ihrem Haus in Reutlingen hergezogen, da sie sich nicht mehr alleine versorgen konnte.

Wenngleich die älteste Neulingerin, auch eine der ältesten im Enzkreis, im Rollstuhl sitzt und in den vergangenen Wochen gesundheitlich abgebaut hat, ist sie dennoch dafür dankbar, dass sie noch jeden Tag aus dem Bett hinaus kann.

Ärzte, Apotheker und die Pharmaindustrie konnten noch keine großen Geschäfte mit mir machen
Frieda Hölzle, Geburtstagskind

Auf die Frage, ob es ein Geheimrezept gibt, antwortet Frieda Hölzle: „Ich weiß es nicht, für mich galt immer: schaffen, keine Genussmittel, solide leben, Gottvertrauen, sich nicht gehen lassen und anderen Menschen zu helfen.“

Sie entstammt einem alten Geschlecht aus Dürrn, wo sie im Elternhaus mit fünf Brüdern und vier Schwestern aufwuchs. „Ärzte, Apotheker und die Pharmaindustrie konnten noch keine großen Geschäfte mit mir machen“, erklärt die Jubilarin scherzhaft. Nur eine Cousine, die allerdings schon früh in die USA ausgewandert war, wurde zuvor mit 101 Jahren ebenfalls sehr alt.

1930 nach Pforzheim gezogen

Beruflich bedingt zogen Frieda Hölzle und ihr Mann Wilhelm im Dezember 1930 nach Pforzheim, um nicht jeden Tag von Bauschlott in die Goldstadt und zurück fahren zu müssen. Beide arbeiteten in der Schmuckbranche. Es war ein großes Glück für das Ehepaar, dass es am 22. Februar 1945, einen Tag vor dem Luftangriff auf Pforzheim, zurück nach Bauschlott in das Elternhaus von Wilhelm Hölzle zog, wo Landwirtschaft betrieben wurde. Das baufällige Haus wurde abgerissen und neu aufgebaut.

Wilhelm Hölzle verlor im Zweiten Weltkrieg einen Arm und arbeitete später als Gemeinderechner. Die Hauptlast der Landwirtschaft lag damit bei seiner Ehefrau. So war es selbstverständlich, dass sie zunächst eine Kuh und später ein Pferd einspannte, um damit auf die Felder zu fahren, um zu pflügen, eggen, Getreide auszubringen und vieles mehr.

Anfang der 1960er-Jahre gaben die Hölzles die Landwirtschaft auf. Wilhelm Hölzle starb bereits 1977 im Alter von 67 Jahren. Über drei Jahrzehnte, bis sie schon über 80 war, arbeitete Frieda Hölzle danach im Landgasthof Adler in Bauschlott in der Küche, wo ihr deftiger Kartoffelsalat reißenden Absatz fand. Mit dem Fahrrad war sie in Bauschlott noch mit über 90 Jahren unterwegs. Bis vor zehn Jahren versah die Jubilarin alleine ihren Haushalt und ihren Garten. Nach einem Sturz in ihrem Haus konnte sie nicht mehr alleine bleiben und zog in das Seniorenzentrum um, wo es ihr gut gefällt. Für die Versorgung sei sie sehr dankbar, sagt die Jubilarin.

Die Jubilarin, die zwei Töchter und einen Sohn hat, darf sich an jeweils fünf Enkeln und Urenkeln erfreuen. Die jüngste Tochter Renate Nafe wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag 83.

Wenngleich sich die Wahl-Bauschlotterin in ihrem langen Leben persönlich nicht viel gegönnt hatte, bereitete es ihr dennoch stets große Freude, auf der Segeljacht ihrer inzwischen 89-jährigen ältesten Tochter Herta Böhme und deren Mann Hans mitfahren zu können. Anlässlich ihres 85. Geburtstages bereitete sie ihrer damals 103-jährigen Mutter eine große Freude, ihre in Stuttgart wohnende Enkelin Monika (die Tochter von Böhme) besuchen zu können.

Alle bedauern es sehr, dass wegen Corona der Geburtstag nicht gefeiert wird kann. Als bisher jüngstes außergewöhnliches Jubiläum hatte Frieda Hölzle im April 2017 ihre Marmor-Konfirmation (90 Jahre) gefeiert.

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