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Herzstillstand im Freibad

Vom Freibad auf die Intensivstation: Nieferner Patientin trifft zum ersten Mal auf ihren Lebensretter

Am 2. Juli erlitt die 68-jährige Regina Krumpel einen Herzstillstand im Freibad Niefern. Bademeister Nico Voges hat sofort reagiert und mit der Herzdruckmassage begonnen. Nach einem Aufenthalt im Helios Klinikum Pforzheim sowie einer dreiwöchigen Reha standen sich die beiden zum ersten Mal gegenüber.

Freuen sich gemeinsam über die Rettung: Nieferner Bürgermeisterin Birgit Förster, Bademeister Nico Voges, Patientin Regina Krumpel und der Chefarzt für Notfallmedizin Felix Schumacher (von links). Foto: Christina Schwara/Helios-Klinikum

Die zierliche Regina Krumpel schwamm am 2. Juli wie gewohnt zusammen mit ihrem Mann Bahnen im Freibad Niefern. Als sie aus dem Wasser kam, fühlte sie sich nicht gut. Sie zog sich an und gab dem Bademeister Bescheid. Nico Voges bot ihr einen Platz im Personalraum an und rief vorsorglich den Rettungsdienst, wie die Helios Klinik mitteilt. In der Zwischenzeit ging es Krumpel immer schlechter, bis sie schließlich bewusstlos wurde.

Dann ging alles ganz schnell: Voges stellte keine Atmung fest. Sofort begann er mit der Wiederbelebung. „Schon beim Drücken habe ich bemerkt, dass meine Maßnahmen etwas bringen. Immer wieder bewegten sich Frau Krumpels Füße leicht“, erzählt Voges.

Ich habe einfach funktioniert.
Nico Voges/Bademeister

Auf Bitten des Rettungsdienstes führte er die Herzdruckmassage fort, während sich die Rettungsdienstmitarbeiter um die Beatmung kümmerten. „Die Nulllinie auf dem Überwachungsmonitor und der Blick in die verzweifelten Augen von Herrn Krumpel, haben mich angespornt durchzuhalten. Ich habe einfach funktioniert,“ erinnert sich Voges.

Regina Krumpel wurde mit dem Rettungswagen ins Helios Klinikum gebracht. Auf der Intensivstation stellte sich heraus, dass ein Verschluss der linken Herzkranzarterie die Ursache des Herzstillstandes war. Durch eine Herzkatheteruntersuchung wurde das Gefäß sofort wieder eröffnet, anschließend erhielt die Patientin einen Defibrillator.

Patientin hat sich schnell wieder erholt

Krumpel erinnert sich nur noch daran, dass Sie abends im Klinikum aufgewacht ist. „Mir kratzt der Hals“, waren ihre ersten Worte. Ihr ging es so gut, dass sie das Krankenhaus nach einer Woche bereits wieder verlassen durfte.

Während einer dreiwöchigen Reha hat sich Krumpel gut erholt. Ihr Mann durfte sie dort coronabedingt nur eingeschränkt besuchen. Dennoch hat er den Bademeister immer darüber informiert, wie es seiner Frau geht. Regina Krumpel überwacht nun regelmäßig ihren Blutdruck und besucht die Defibrillator-Sprechstunde am Helios Klinikum.

Nun haben sich Regina Krumpel und Nico Voges das erste Mal wieder getroffen: Mit Tränen in den Augen schaut Voges Krumpel an „Sie steht hier vor mir und lacht, schöner kann es nicht sein.“ Krumpel freut sich sehr, sich bei ihrem Lebensretter persönlich bedanken zu können.

Bademeister bedankt sich bei seinem Berufsschullehrer

Schmunzelnd erzählt der Bademeister, dass er sich nach der Heldentat erstmal bei seinem Berufsschullehrer bedankt habe. „Er hat uns immer Reanimationskurse gegeben und jetzt ist der eine Tag gekommen, an dem dieses Wissen überlebenswichtig war.“ Der Berufsschullehrer wird die Geschichte an seine jetzigen Schülerinnen und Schüler weitertragen.

Auch der Chefarzt für Intensiv- und Notfallmedizin am Helios Klinikum Pforzheim, Felix Schumacher ist stolz: „Für mich sind Menschen wie Herr Voges die wahren Helden der Notfallmedizin – sie schenken in einem solchen Fall tatsächlich Leben. Deshalb habe ich mich nochmals persönlich bei Herrn Voges für seinen selbstlosen Einsatz bedankt.“ Auch Bürgermeisterin Birgit Förster hat sich persönlich bei Voges bedankt: „Ich bin stolz darauf, so engagierte Mitarbeiter in unserer Gemeinde zu haben.“

Wenn in den ersten Minuten eines plötzlichen Herztodes keine Herzdruckmassage erfolgt, sinkt die Chance, diesen zu überleben. Denn wenn kein sauerstoffhaltiges Blut in das Gehirn gepumpt wird, sterben Gehirnzellen ab. Engagierte Ersthelfer wie Nico Voges sorgen in der entscheidenden Phase nach dem Herzstillstand dafür, dass das Gehirn keinen Schaden nimmt.

Noch hat sich Regina Krumpel nicht getraut, wieder schwimmen zu gehen. Doch Schumacher hat der zuvor immer sportlichen Schwimmerin angeboten, sie ins Freibad Niefern zu begleiten. Dann erfüllt sich Voges größter Wunsch: Regina Krumpel wieder lächelnd schwimmen zu sehen.

„Auch in Coronazeiten ist erste Hilfe unerlässlich. Auf eine Beatmung der verunglückten Person kann zwar verzichtet werden, aber eine Herzdruckmassage sollte immer durchgeführt werden. Wer beherzt eingreift, kann Leben retten und macht niemals etwas falsch“, unterstreicht Schumacher.

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