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„Kein Fasching? Nicht mit uns!“

Party-Paket und Sommerfest: Faschingsvereine im Enzkreis haben Ersatz-Ideen für Kampagne

Die Party im großen Stil fällt bei den Faschingsvereinen im Enzkreis im Februar auf jeden Fall aus. Manche wollen die fünfte Jahreszeit trotzdem nicht ganz sausen lassen und planen digitale Alternativen.

Digitale Party: Die Ersinger „Fledermaus“ verlegt ihre Faschingskampagne notgedrungen auch dieses Jahr ins Internet. Hier ein Bild von der digitalen Prunksitzung von 2020. Die Karnevalsgesellschaft überlegt derzeit, was bis Ende Februar noch möglich ist. Foto: Screenshot PK Foto: Foto: Screenshot PK

„Kein Fasching? Nicht mit uns!“ lautet die kämpferische Ansage der Spaßvögel aus Singen. Mit einem Party-Paket will die Carnevals-Gesellschaft ihre Mitglieder in Feierlaune bringen. Per E-Mail kann man das Paket bei den Spaßvögeln bestellen und erhält neben Sekt, Wein und Knabbereien einen Code zum Auftritt von DJ Tony Tonez, der am 19. Februar das Internet „zum Beben“ bringen will.

Präsidentin Sarah Sebastian hofft durch das digitale Angebot auf einen Motivationsschub, denn daran mangelt es vielen Faschingsvereinen nach zwei abgesagten Kampagnen. „Wir hoffen, dass es bald besser wird und planen für den Herbst“, sagt Sebastian. Vorgesehen sei auch ein Sommerfest mit Open-Air-Party auf dem Kulturhallen-Areal.

Das 55-jährige Narrenjubiläum vom vergangenen Jahr soll 2023 nachgeholt werden. Den Spaß wollen sich auch die Narren in der Faschingshochburg Ersingen nicht ganz nehmen lassen. Eine digitale Kampagne wie im vergangenen Jahr werde es aber nicht geben, sagt Robin Brenk, Umzugsleiter der Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ auf Nachfrage.

Trotz digitaler Ersatz-Angebote fehlt den Mitgliedern die Gemeinschaft

2021 hatte ein Medienteam des Vereins wie berichtet einen digitalen Umzug mit 26 Gruppen und eine umfangreiche Kampagne mit Bildern und Clips aus vergangenen Jahren auf die Beine gestellt. Viele Faschingsfans haben das virtuelle Spektakel im Internet verfolgt. Den Teilnehmern hat dennoch eines gefehlt: die Gemeinschaft.

Alles ist derzeit schwierig und frustrierend.
Robin Brenk, Umzugsleiter der „Fledermaus“ Ersingen

Die wird es auch in diesem Jahr nicht geben. Die „Fledermaus“-Mitglieder sammeln derzeit Ideen, wie doch noch etwas in kleinerem Rahmen stattfinden kann. Abhängig ist das aber von der Corona-Lage. „Alles ist derzeit schwierig und frustrierend“, klagt Brenk. Die Motivation sei im Verein einfach nicht vorhanden, seit die Prunksitzung am 11.11. wegen der Pandemie kurzfristig abgesagt werden musste, ergänzt „Fledermaus“-Präsident Dominik Kern.

Fastnachtsflair trotz Corona: Dazu könnten ein Staffellauf oder eine Art Geocaching mit den Ersinger Schaufenstern beitragen. „Fledermaus“-Präsident Dominik Kern (links) und Umzugleiter Robin Brenk sammeln derzeit Ideen für die Kampagne. Foto: Torsten Ochs Foto: Torsten Ochs

Dennoch brüte die Verwaltung, was in den nächsten Wochen digital möglich sei. Clips, Beiträge, Sketche? Oder eine Art närrisches Geocaching: Die Bevölkerung könnte dabei die Ersinger Schaufenster ablaufen, die zu bestimmten Themen gestaltet werden. Auch ein Staffellauf oder Verkaufsstände mit Speisen und Getränken kann sich Kern vorstellen. Hier müsse die Karnevalsgesellschaft aber noch die Vorgaben der Gemeinde abwarten.

Kulturveranstaltungen werden von der Politik wenig unterstützt.
Dominik Kern, „Fledermaus“-Präsident

Auf jeden Fall sollen die Kanäle der sozialen Medien bespielt werden – aber spärlicher als im vergangenen Jahr, so Kern: „Die Kapazität ist einfach nicht da und die Luft ist raus. Kulturveranstaltungen werden von der Politik wenig unterstützt und die Kommune hat keine Entscheidungsgewalt.“

Die Ersinger Narren denken auch über Veranstaltungen im Sommer nach. Vielleicht ist ein Grillfest für die 100 Mitglieder möglich oder ein Festumzug zum 66-jährigen Narrenjubiläum des Vereins mit einem Sommerfest über ein langes Wochenende. Auch die Narren im benachbarten Bilfingen planen für Mitte Juli ein Sommerfest mit Faschingsprogramm.

Für die laufende Kampagne haben sie bei ihrer Verwaltungssitzung am Freitag entschieden, nichts zu machen – auch nichts digitales. Der traditionelle Umzug sei nicht möglich und bei Saalveranstaltungen übersteigen Aufwand durch Hygienemaßnahmen und Kosten das Machbare, erklärt Kakadu-Präsidentin Regina Fuchs.

Irgendwann muss es ja weitergehen.
Regina Fuchs, Präsidentin „Kakadu“ Bilfingen

Leid tut es ihr für die Garde-Mädchen, die seit anderthalb Jahren trainieren, aber nicht auftreten können. Falls es Corona zulassen sollte, sei eine Kleinigkeit im Freien möglich, aber das werde sich kurzfristig klären, so Fuchs. Sie hofft, dass die Lage am 4. November anders sein wird, denn an diesem Tag plant der Narrenbund seine nächste Prunksitzung. Die Präsidentin ist optimistisch: „Irgendwann muss es ja weitergehen.“

Neuhausener Hau-Hu will den Ort schmücken

Ähnlich sieht das auch der Fastnachtsverein Hau-Hu in Neuhausen, der am Donnerstag seine Kampagne ebenfalls abgesagt hat. Eventuell werde – ähnlich wie 2021 – der Ort geschmückt und in kleinem Rahmen Zylinder in der Ortsmitte aufgehängt, sagt Sprecherin Sabine Volz. Eine digitale Kampagne sei nicht geplant: „Das ist einfach nicht dasselbe wie eine Präsenzveranstaltung.“ Hau-Hu-Präsident Heiko Stoll hofft, dass im Sommer eine Veranstaltung möglich ist. „Es geht jetzt halt nicht anders. Wir müssen da einfach durch.“

Kleiner Festumzug im Sommer durch Schellbronn?

Bei seiner Vorstandssitzung am Dienstag will auch der Narrenbund Schellau darüber nachdenken, ob im Sommer ein Grillfest oder ein kleiner Umzug durch Schellbronn stattfinden kann. Der Frust bei den Mitgliedern ist groß, nachdem der große Nachtumzug abgesagt werden musste. Ein digitales Programm plant der Narrenbund nicht, weil momentan noch die Ausrüstung und das Know-how fehlen, sagt Schellau-Präsident Jens Machirus.

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