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Ein alter Freund erzählt

Älteste Remchingerin Hildegard Fabian ist mit 107 Jahren gestorben

1914 in Berlin geboren, besaß sie nach Erzählungen einst das erste Auto der Metropole. Nachdem sie mit ihrem Mann aus der DDR geflohen war, bereisten die beiden die halbe Welt.

Weltenbummlerin: Bis ins hohe Alter war Hildegard Fabian gerne unterwegs. Foto: Eric Griese

Zwei Tage nach ihrem 107. Geburtstag ist die älteste Remchinger Bürgerin Hildegard Fabian im Altenpflegeheim gestorben. „Ihren ganz besonderen Geburtstag durfte sie am Montag noch fröhlich miterleben, bevor sie in der Nacht auf Mittwoch eingeschlafen ist“, berichtet Eric Griese.

Der Geschäftsführende Direktor des Hotels und Restaurants Villa Hammerschmiede in Pfinztal war ein langjähriger Freund der trotz ihres hohen Alters fast bis zuletzt rüstigen Hildegard Fabian. Sie führte ein selbstbestimmtes Leben und versorgte sich bis ins Alter von 102 Jahren in ihrer eigenen Wohnung in Wilferdingen weitestgehend eigenständig.

Sie war ein Genussmensch und hat großen Wert auf Qualität gelegt.
Eric Griese, langjähriger Freund

Dankbar blickt er zurück auf viele bereichernde Begegnungen und Gespräche mit der hochbetagten Dame. Sonntags besuchte sie gerne Restaurants in der Region, erzählt er. Und noch im Frühsommer saß sie bei ihm am Esstisch: „Sie war ein Genussmensch und hat großen Wert auf Qualität gelegt – aber auch auf Disziplin.“ Deshalb habe sie selbst im Rollstuhl noch Wert auf eine schicke Garderobe gelegt.

Mit 98 Jahren kam sie sogar noch alleine mit dem Auto zur Hammerschmiede, später holte Griese sie dann in Wilferdingen ab. Überhaupt machte die Liebe zum Automobil die am 9. August 1914 geborene und in Berlin aufgewachsene Frau schon früh zum dortigen Stadtgespräch: Sie war nach eigenen Erzählungen die erste Berlinerin, die einen Führerschein besaß.

Nach Flucht aus der DDR erkundete sie die halbe Welt

Mit dem Auto fuhr sie zur Arbeit bei den Deutschen Werken vor, was sonst nur für die beiden Direktoren üblich war. Mit ihrem Mann, mit dem sie in Zeiten der DDR von Ost- nach Westberlin geflohen war, erkundete sie später die halbe Welt. Reiseberichte erinnern an die entlegensten Orte, berichtet Griese: „Immer, wenn ich ihr von einem Urlaubsziel erzählt habe, wo ich gerne einmal hin will, sagte sie: ‘Da war ich schon.’“

Zweifellos ein Highlight war eine Südamerikareise mit dem Schiff, denn auch auf See war Hildegard Fabian nicht unerfahren. Rudern sei eine weitere Leidenschaft von ihr gewesen, so Griese: „Vom Einer bis zum Achter war sie mit dem Berliner Ruderclub erfolgreich bei vielen Wettkämpfen. Das gab ihr Gesundheit und Kraft fürs ganze Leben.“ Eine Anstellung ihres Mannes in Karlsruhe führte sie nach Remchingen. Nach dem Tod ihres Mannes lebte Hildegard Fabian viele Jahre in Wilferdingen und schließlich im Altenpflegeheim.

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