Skip to main content

Zwei Rennserien, fast das gleiche Konzept

GT-Masters oder DTM? Wo liegt die Zukunft von Rutronik Racing?

Der Konkurrenzkampf zwischen der DTM und den ADAC GT Masters könnte zum Ende einer der beiden Serien führen. Was hat das für Auswirkungen für die Rennställe wie Top-Team Rutronik Racing?

Knapp an der Titelverteidigung vorbei: Rutronik Racing aus Remchingen plant für das kommende Jahr wieder um den Titel der ADAC GT Masters mitzufahren. Aber in welcher Serie liegt die Zukunft des Rennstalls. Foto: Gruppe C / Tim Upietz Gruppe C

Die Titelverteidigung bei den ADAC GT Masters gelang in bislang 14 Saisons der Serie noch keinem einzigen Fahrerduo. Rutronik Racing hätte Geschichte schreiben können. Zum Finalwochenende in Oschersleben reisten Patric Niederhauser und Kelvin van der Linde sogar als Meisterschaftsführende an, wenn auch nur mit vier respektive fünf Punkten Vorsprung auf die Verfolger.

Eine Karambolage direkt beim Start des zweite Laufs zerstörte dann jäh alle Hoffnungen des Rennstalls aus Remchingen (Enzkreis) auf eine mögliche Titelverteidigung. „Das war nicht das gewünschte Ende. Aber das passt in die ganze Saison mit viel Höhen und Tiefen“, sagt Rutronik-Teamchef Fabian Plentz.

Wenn ich Fan wäre, würde ich durchdrehen.
Fabian Plentz / Teamchef Rutronik Racing

Nach der durch die Corona-Pandemie turbulent verlaufenen Saison, die mit nur dreieinhalb Monaten quasi eine Turbo-Version war, ist Plentz aber zufrieden: „Wir sind wieder um die Meisterschaft mitgefahren. Das zeigt die positive Formkurve.“

Wenn im Mai 2021 die ADAC GT Masters beginnt, wird wohl auch Rutronik Racing wieder an den Start gehen. „Wir fühlen uns in der Serie wohl“, so Plentz. Viele der verschiedenen GT-3-Teams hätten Siege geholt. „Man sieht, dass alle Hersteller und Konzepte gewinnen können. Wenn ich Fan wäre, würde ich durchdrehen“, schwärmt Plentz von der Abwechslung, sagt aber auch: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“

Mehrere Teams haben für neue Saison bereits zugesagt

So sei gerade beim Strafmaß der Rennleitungen nicht immer eine klare Linie zu erkennen gewesen. Die Planungen für das neue Jahr laufen bereits, Auswirkungen wegen der Corona-Pandemie gibt es bislang keine: „Wir sind guter Dinge. Der Veranstalter hat reagiert und den Saisonstart auf Mitte Mai verschoben“, so Plentz.

Für 2021 sollen mehrere Teams ihre Zusage zur Teilnahme an der Serie mitgeteilt haben. Einige sogar nach Aussagen der ADAC-Motorsportabteilung schon vor der offiziellen Ausschreibung, die am 9. November startete.

Machtkampf zwischen GT-Masters und DTM droht

Dass die Diskussion um eine erneute Teilnahme an den GT Masters bei den Kundenteams für Aufregung sorgt, hängt mit den Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) zusammen. Die starten bekanntermaßen im nächsten Jahr ebenfalls mit GT-3-Autos, nachdem Hersteller Audi zu Beginn des Jahres 2020 seinen Ausstieg aus dem Werkssport bekannt gab. Zwar unterstützen Audi und BMW weiter Rennställe, jedoch nur noch im Kundensport. Und so musste die DTM um ihren Chef, den ehemaligen Formel-1-Piloten Gerhard Berger, die Serie umbauen.

Damit gibt es 2021 zwei ähnlich aufgebaute Rennserien – und viel Rumoren im deutschen Motorsport. Ex-DTM-Fahrer und Audi-Pilot Loic Duval kritisierte: „Es würde mehr Sinn machen, beides zu kombinieren. Ich kann das nicht nachvollziehen.“ Die ITR, der Dachverband der DTM, und der ADAC scheinen hier wenig kompromissbereit. Auch das Aus einer der beiden Meisterschaften ist für die Zukunft möglich. „Eine Serie wird darunter leiden“, sagt Rutronik-Teamchef Plentz.

DTM-Boss Berger versuchte mehrfach, den GT Masters den Stempel einer Hobby-Serie aufzudrücken. Damit machte er sich vor allem im Fahrerlager der GT Masters wenig Freunde. Fakt ist, dass sich die Autos der Serien kaum unterscheiden. Der größte Unterschied ist: Zwei Fahrer sitzen bei den GT Masters im Wechsel im Cockpit, bei der DTM nur einer. Außerdem soll die Leistungsanpassung, die sogenannte „Balance of Power“, anders aufgebaut sein. Nur welche Rennställe und Fahrer 2021 DTM fahren werden, steht nicht fest. Zwar spricht die IRT von mehr als 50 Anfragen, zugesagt hat bislang aber nur eines.

„Der Trumpf der DTM ist aktuell lediglich die Marke selbst“, weiß Plentz um den Stellenwert. Auch der Remchinger Rennstall setze sich mit der DTM auseinander. „Das ist wie in der Wirtschaft, wenn sich ein neuer Markt auftut“, erklärt der Teamchef. Für 2021 sei das aber eher schwierig. „Es gibt noch kein Reglement, vieles ist noch ungeklärt.“

Bekommt Karlsruher Marschall wieder ein Cockpit?

Klarheit herrscht teilweise bei den Fahrerpaarungen. Patric Niederhauser wird auch 2021 für Rutronik hinter dem Lenkrad sitzen. Dazu könnte Dennis Marschall gehalten werden. Der 24-Jährige aus Eggenstein-Leopoldshafen (Landkreis Karlsruhe) fuhr in der Saison 2020 mit seinem Audi zwei Mal auf die Pole Position. „Wir führen Gespräche und würden mit ihm gerne weiter arbeiten“, sagt Plentz.

Eine Aufwertung erhielt unterdessen die GT Masters: Der ADAC gab im November bekannt, dass die Fahrer offiziell um den Titel des Internationalen Deutschen GT-Meisters 2021 kämpfen werden. „Damit ist das ADAC GT Masters die einzige Deutsche Meisterschaft im professionellen Automobil-Rundstreckensport“, heißt es in einer Pressemitteilung – eine klare Ansage an die ITR. Diese hat ein solches Prädikat nicht. Ob das hilft, um im Wettstreit um die Gunst der Fans zu Bestehen, wird sich zeigen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang