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Schwimmausbildung

Rettungsaktion für das Remchinger Hallenbad: 350 Menschen kämpfen gegen Schließung

Was wird aus dem Remchinger Hallenbad? Weil die Sanierung wegen hoher Kosten verschoben wurde, droht die Schließung. Knapp 350 Menschen wollen das verhindern.

Für den Erhalt des Remchinger Hallenbads setzten rund 350 Menschen ein Zeichen. Aufgerufen zur Aktion hatte die DLRG-Ortsgruppe um den Vorsitzenden Daniel Höpfinger (vorne am Rettungsauto).
Für den Erhalt des Remchinger Hallenbads setzten rund 350 Menschen ein Zeichen. Aufgerufen zur Aktion hatte die DLRG-Ortsgruppe. Foto: Zachmann

Hohe Wellen hat die Nachricht geschlagen, dass eine Sanierung des Remchinger Hallenbads an der Singener Bergschule wegen ausufernden Kosten in weite Ferne rücken und damit eine Schließung der beliebten Einrichtung drohen könnte.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich innerhalb von drei Tagen ein Aufruf der DLRG-Ortsgruppe, die über die sozialen Medien einlud, gemeinsam für den Erhalt des Hallenbads einzustehen und dessen hohe Bedeutung für den regionalen Schwimmunterricht zu unterstreichen.

Rund 350 Menschen versammelten sich am Montagabend eine Viertelstunde vor Schwimmkursbeginn vor dem Bad, um ruhig und gesittet ein Zeichen Richtung Politik zu setzen – insbesondere Richtung Bundespolitik.

„Es ist Wahnsinn, wie viele unserem Aufruf gefolgt sind. Der erste Schritt ist getan“, sagte der Remchinger DLRG-Vorsitzende Daniel Höpfinger.

Er unterstrich den Grund der Initiative: „Wir stehen hier nicht, um uns gegen irgendwen zu richten – schon gar nicht gegen unsere Gemeinde. Sondern, um aufmerksam zu machen, wie wichtig das Hallenbad ist, was und wer alles dahintersteckt.“

Remchinger schwimmen seltener am Abend

Während die Anzahl an Abendschwimmern aus der Bürgerschaft eher überschaubar ist und sich vor allem auf das im Sommer geöffnete Freibad konzentriert, hat das Hallenbad tagsüber insbesondere für Kinder, Jugendliche und Sportler eine immense Bedeutung.

So finden das ganze Jahr über nicht nur die unterschiedlichen Schwimmkurse, Trainings und Rettungsschwimmer-Ausbildungen der Remchinger DLRG, sondern auch der Ortsgruppen aus Waldbronn und Karlsbad statt.

Hinzu kommt der Schwimmunterricht der örtlichen Schulen, des Sperlingshofs, aber auch immer mehr benachbarter und sogar einer Pforzheimer Schule. Das Triathlonteam trainiert dort für Wettkämpfe auf Bundesebene. Unmittelbar am Bad hängt auch der Zustand der darüberliegenden Schul- und Vereinsturnhalle.

„Unser Bad ist unter der Woche regelmäßig ausgebucht und unsere Kurse auch“, verdeutlichte Höpfinger. Vier Minuten, nachdem sein Verein in diesem Jahr das Kursangebot online gestellt hatte, waren alle Kurse belegt – auch mit Kindern aus Bretten, Stein oder Schellbronn. Viele stehen auf der Warteliste: „Schwimmen lernen ist überlebenswichtig und wir haben nicht nur wegen Corona großen Nachholbedarf.“

Remchingen wird wohl nicht von Bund gefördert

In die Jahre gekommen ist das 1971 eröffnete Hallenbad nicht nur augenscheinlich mit abgeplatzten Kacheln oder defekter Wärmeregelung. Vor allem an den Stützpfeilern im Untergrund nagt der Zahn der Zeit. Die Uhr tickt.

Saison für Saison prüft mittlerweile die Ingenieurgruppe Bauen den Zustand des Tragwerks – und könnte bereits im kommenden Frühjahr den Riegel vorschieben. Dabei beschäftigt sich der Remchinger Gemeinderat schon lange mit der Sanierung, erhält aber immer wieder ernüchternde Dämpfer.

2018 hatte die Gemeinde für eine Betonsanierung zunächst 500.000 Euro in den Haushalt eingestellt. Wenig später lagen Kostenschätzungen bei zwei, drei und mittlerweile wie berichtet über fünf Millionen Euro. Die Hälfte davon ist im Haushalt eingeplant – für die andere Hälfte hofft die Gemeinde auf den Zuschuss über ein entsprechendes Bundesprogramm.

Doch wie schon bei der 4,5 Millionen Euro teuren, letztlich selbst geschulterten Freibadsanierung ging Remchingen mit einem Antrag mehrmals leer aus. Demzufolge, was man momentan höre, sei Remchingen zugunsten anderer Projekte in der weiteren Region vermutlich wieder nicht dabei, ließ Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (CDU) durchblicken.

„Auch in kritischen Zeiten sind wir gewillt, unser Bad zu sanieren – mit dem entsprechenden Zuschuss. Solange die Kosten so hoch bleiben und kein Zuschuss kommt, müssen wir uns mit einer möglichen Schließung auseinandersetzen“, sagte er.

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