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Projekt Smart Mobility Singen

Verkehrsausschuss bringt autonomem Shuttlebus auf den Weg

Im Remchinger Ortsteil Singen könnte ab Mitte 2022 ein selbstfahrender Bus unterwegs sein. Die Kosten des Enzkreises übernimmt der Bund.

Ein autonomer Shuttlebus des Herstellers Easy Mile, wie er auf Teststrecken in Karlsruhe im Einsatz ist. Foto: Forschungszentrum Informatik Karlsruhe

Der Enzkreis beteiligt sich am Projekt Smart Mobility Singen (SMS) innerhalb des Bundesförderprogramms „Ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Mobilitätssystem durch automatisiertes Fahren“. Dies beschloss der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags einstimmig in seiner Sitzung am Donnerstag.

Dabei geht es um die Erschließung des Remchinger Ortsteils Singen vom Bahnhof Remchingen aus. Der Rundkurs soll als Linien- oder Rufbus per App gestaltet werden. Der Clou dabei ist, dass der Bund den Anteil des Enzkreises an den Gesamtkosten dieses Projekts in Höhe von 1,124 Millionen Euro komplett übernimmt.

Eile war insofern geboten, weil an diesem Donnerstag die Frist zur Antragstellung ausläuft. Der Verkehrsausschuss musste deshalb eine Eilentscheidung anstelle des Kreistags treffen. Der Projektträger DLR hatte auf eine erste Projektskizze hin geradezu zu einer Bewerbung aufgefordert.

Der Remchinger Gemeinderat hat über das Projekt bereits beraten und ist „grundsätzlich begeistert“, wie Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon unserer Redaktion erläuterte. Allerdings gebe es noch keine Festlegungen über die Streckenführung und den eingesetzten Bustyp.

Hochschule Pforzheim, Verkehrsverbund und weitere Teilnehmer machen mit

Die Enzkreisverwaltung hat gemeinsam mit einem Konsortium aus Hochschule Pforzheim, dem Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis und weiteren Teilnehmern zuvor die Möglichkeiten für die Einrichtung eines autonomen Busverkehrs im Enzkreis untersucht. Dabei hat sich Singen herauskristallisiert.

Der Remchinger Ortsteil bietet mit fast 4.000 Einwohnern ein großes Potenzial für ein autonomes Busprojekt in enger Taktung, heißt es in der Vorlage der Kreisverwaltung. Zusammen mit dem Vorhaben eines Bürgerbusses könne sich Remchingen zu einer Drehscheibe für Formen nachhaltiger Mobilität entwickeln.

„Mit einem solchen Shuttlebus kann Remchingen einen bedarfsorientierten ÖPNV gestalten“, freut sich Verkehrsdezernent Wolfgang Herz. Mitte 2022 könne es losgehen. Die Idee müsse zuvor in einer Infokampagne unter die Leute gebracht werden, um Ängste von Bürgern zu vermeiden. Der Bürgerbus-Verein möchte das Projekt gerne koordinieren, sagte CDU-Kreisrat Kurt Ebel.

Der autonome Shuttlebus könne auf einem Teil der Route fahren, die vom Bürgerbus bedient werden sollte. Von einem „hervorragenden Projekt“ sprach auch Hans Vester (SPD). Von einer „ganz neuen Art von Mobilität“, nämlich Versorgung nach Bedarf, schwärmte geradezu der Grüne Peter Pförsich und signalisierte „volle Zustimmung“.

Der ÖPNV in Remchingen ist nur eines von vielen Projekten

Die Verbesserung des ÖPNV liegt auch dem Antrag der Kreistagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen zugrunde, eine Reaktivierung und Weiterführung des Zabergäubahn untersuchen zu lassen. Das Gremium stimmte dem Vorschlag einstimmig zu.

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg prüft seit Jahresbeginn 40 stillgelegt Bahntrassen, ob sie sich bei einem ausreichenden Fahrgastpotenzial reaktivieren ließen. Hintergrund ist eine spürbare Erhöhung der Bundesmittel zum Erreichen der notwendigen Verkehrswende.

Eine dieser untersuchten Bahntrassen ist die Zabergäubahn, die einst als Ost-West-Verbindung zwischen Württemberg und Baden dienten und konkret von Lauffen am Neckar nach Bretten führen sollte. Sie wurde aber nur zwischen Lauffen und Leonbronn gebaut, wo bis 1986 Personenzüge verkehrten und bis 1992 Güterverkehr stattfand.

Die Grünen knüpfen an ihren Antrag die Erwartung, die stillgelegte Trasse wieder zu aktivieren und entsprechend dem Ursprungsgedanken sie nach Bretten zu verlängern. Damit wäre eine Anbindung an die Kraichgaubahn hergestellt. In einem weiteren Schritt könnte dann auch an eine Schienenverbindung von Sternenfels bis nach Mühlacker gedacht werden. Gespräche mit den Nachbarkreisen und eine Machbarkeitsstudie sind die nächsten Schritte.

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