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Ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Knapp gibt seine Ämter auf

Stimmenkönig aus dem Enzkreis verabschiedet sich aus der Lokalpolitik

Er ist der Hansdampf der Kreis-SPD, Unternehmer und Sender-Retter: Doch Ende des Jahres ist Schluss mit der Lokalpolitik. Dann legt Thomas Knapp seine politischen Ämter nieder. Nicht aus Frust, sondern „weil mir einfach die Zeit ausgeht“, sagt der Mühlackerer im Gespräch mit dieser Redaktion.

Abschied von der Politik: Thomas Knapp gibt zum Jahresende sein Amt im Kreistag und im Regionalverband ab. Er will sich künftig ganz seinen Unternehmen widmen und Zeit fürs Privatleben haben. Foto: Herbert Ehmann

„Ich bin gern Unternehmer und vielfältig beschäftigt“, sagt Thomas Knapp – und wie um diese Aussage zu unterstreichen, klingelt kurz danach zwei Mal das Handy: Solarmodule werden angeliefert. Der 61-Jährige ist Geschäftsführer von Unomondo Knapp, die Biogasanlagen betreibt, Fotovoltaikanlagen baut und eine Gesellschaft für Elektroautos führt. Seit 2011 fahre er selbst ausschließlich E-Autos, sagt der Energieexperte.

Auch der Unomondo-Fuhrpark ist inzwischen komplett elektrisch. Unomondo ist im September 2019 von Mühlacker ins ehemalige Geigle-Gebäude in Enzberg eingezogen. Knapps Sohn Michael hat die Firma Geigle, eine Automatendreherei für die Automobilindustrie, gekauft. Das Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern laufe gut, sagt Knapp.

Senderrettung als „Husarenstreich“

Im März ist es ihm und seinen vier Mitstreitern außerdem „in einem Husarenstreich“ gelungen, den Sender, das Wahrzeichen von Mühlacker, zu retten. Der SWR hatte das Gelände angeboten; der Sender sollte eigentlich abgerissen werden. „Da muss man was machen“, hatte sich Knapp gesagt und Bekannte angerufen. Sie gründeten die „Sender Mühlacker Grundstücks GmbH & Co. KG“, deren Geschäftsführer Knapp ist, übernahmen im März das Sender-Areal und überlegen jetzt, wie sie es nutzen können.

Demnächst wollen die Fünf den Bebauungsplan im Stadtrat vorstellen. Denkbar sei auf dem Gelände eine Tiny-House-Siedlung, ein Eventbereich oder ein Senderfest, so Knapp.

Jürgen Metzger rückt in den Kreistag nach

Seine vielen Aufgaben hätten bewirkt, dass er mehr arbeite als in den vergangenen fünf Jahren, erklärt Knapp. Darum habe er sich gesagt: „Ein bisschen muss ich nachlassen.“ Zumal auch Privatleben und Sport nicht zu kurz kommen sollen. Also hat er sich dazu entschlossen, Ende des Jahres seine verbliebenen politischen Ämter abzugeben. Im Kreistag, wo er seit 1999 in der SPD-Fraktion sitzt, rückt Jürgen Metzger nach. Und Hans Vester wird seinen Platz im Regionalverband übernehmen. Sein Mandat im Stadtrat von Mühlacker, wo er mit Unterbrechung seit 1994 Mitglied war, hat er bereits 2017 abgegeben. Mitglied im Vorstand des Vereins „miteinanderleben“ und im Präsidium des DRK-Kreisverbands will der 61-Jährige aber bleiben.

Bundesweit für Schlagzeilen gesorgt

Auch mit der Zeit als Landtagsabgeordneter hat Knapp endgültig abgeschlossen. Die Zeit von 2001 bis 2011 hat er als „hochspannend und intensiv“ erlebt.

Hochspannend: Eine intensive Zeit hatte Thomas Knapp (rechts) in seiner Zeit als Landtagsmitglied. Hier beim Neujahrsempfang 2002 im Pforzheimer Congresscentrum mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping. Foto: Herbert Ehmann

Bundesweit für Schlagzeilen sorgte Knapps Kritik an der Rolle der CDU in der Affäre um Günther Oettingers Trauerrede 2007 anlässlich des Todes des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger. Knapp sprach unter anderem von „brauner Soße“ in den Köpfen einiger CDU-Politiker. Das würde er heute so nicht mehr wiederholen, gesteht Knapp. Allerdings steht er zu seinem Ausspruch Stefan Mappus fische am rechten Rand und „wäre die Erde eine Scheibe, würde Mappus rechts runter fallen, so weit rechts-außen steht er schon“. Mappus versuchte auf zivilrechtlichem Wege, die Aussage verbieten zu lassen, scheiterte im Mai 2007 aber vor dem Landgericht Karlsruhe. Knapp, der dafür bekannt ist, seine Meinung klar zu sagen, war überrascht über die Wellen, die seine Aussagen bei der Kreisdelegiertenkonferenz in Ellmendingen schlug, freute sich aber auch über die Geschlossenheit, mit der die SPD hinter ihm stand.

Den Einzug ins Landesparlament 2001 hatte er mit 33 Prozent als „Stimmenkönig“ der SPD geschafft. „Ich war wochenlang in Feierstimmung. Das ist das Höchste der Gefühle“, erinnert sich Knapp. Als er zehn Jahre später den Wiedereinzug verpasste, habe er schnell damit abgeschlossen und sich fortan auf sein Unternehmen konzentriert. „Ich habe immer ein Leben außerhalb der Politik gehabt und bin ich kein Loch gefallen.“ Zuhören, Nachfragen und den Blick über den Tellerrand – das habe er aus seiner politischen Zeit in seine Arbeit als Unternehmer mitgenommen.

Im Wahlkampf 5.000 Rosen verteilt

Bei der Landtagswahl 2016 ist der ehemalige energiepolitische Sprecher der Landes-SPD dennoch noch einmal für seine Partei in den Wahlkampf gezogen und hat in den über 60 Ortsteilen im Enzkreis 5.000 Rosen verteilt. „Ich habe es gern gemacht und Spaß gehabt, aber in Wählerstimmen hat sich das überhaupt nicht niedergeschlagen“, sagt Knapp lachend. Das Ergebnis sei schlecht ausgefallen, weil die SPD in den Jahren zuvor „kein Traumbild“ abgegeben hatte.

Die Pforzheimer SPD muss das „Thema Hück“ erledigen
Thomas Knapp, scheidender Kreisrat

Die Probleme der SPD bezeichnet Knapp als „hausgemacht“. An Finanzminister Olaf Scholz missfällt ihm der „technokratische Stil“ und den Pforzheimer Sozialdemokraten rät er, den Streit beim „Thema Hück endlich zu erledigen“. Knapp ist allerdings überzeugt, dass das Corona-Krisenmanagement in Deutschland wegen der SPD in der großen Koalition so überlegt und sauber abgelaufen ist. „Sonst hätten wir Verhältnisse wie in Italien, Spanien oder Frankreich.“

Das Thema Klimaschutz sei wegen Corona zwar ins Hintertreffen geraten, aber noch da. Den „Greta-Hype“ begrüßt der Energieexperte, weil er etwas bewegt hat und Jugendliche auf die Straße gegangen sind. Der Ausbau der erneuerbaren Energien seien in den vergangenen 20 Jahren deutlich vorangekommen, derzeit werde er aber vom Bund ausgebremst.

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