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ÖPNV

Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis will Preise zum Jahresende erhöhen

Es erscheint auf den ersten Blick paradox: Während aktuell jeder mit dem 9-Euro-Ticket quer durch Deutschland fahren können, will der VPE die Preise anziehen. Doch dafür gibt es gute Gründe.

Wer ab Dezember mit dem VPE unterwegs ist, wird wahrscheinlich etwas tiefer in die Tasche greifen müssen: Um durchschnittlich knapp vier Prozent will man die Tarife erhöhen, um zumindest einen Teil der höheren Kosten decken zu können.
Wer ab Dezember mit dem VPE unterwegs ist, wird wahrscheinlich etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Foto: Stefan Friedrich

Nachdem man während der Pandemie viele Fahrgäste im ÖPNV verloren hat, erholt sich die Situation nach Einschätzung von VPE-Geschäftsführer Axel Hofsäß derzeit wieder. Trotzdem will man – vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats am 20. Juli – die Preise zum Ende des Jahres wieder erhöhen.

Es ist ein Prozess, mit dem die Kreisräte eigentlich wenig zu tun haben, weil sie diese Beschlüsse nur zur Kenntnis bekommen. Trotzdem war es aus Sicht von Kreisrat Günther Bächle (CDU) ein „historischer Moment“, als der Umwelt- und Verkehrsausschuss am Montag nicht nur erstmals nach der Pandemiepause wieder in Präsenz tagte; zum ersten Mal überhaupt wurden die Tarifanpassungen in einer öffentlichen Sitzung besprochen.

Die wirtschaftlichen Zwänge sieht man im Gremium zwar gegeben, doch nicht jeder zeigte sich darüber erfreut. Über Erhöhungen zu entscheiden ist im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehr immer ein schwieriges Thema, räumte Hofsäß im Rahmen dieser Sitzung ein.

Tarife werden um knapp vier Prozent erhöht

In diesem Fall wird es flankiert von vielfachen Preiserhöhungen in anderen Bereichen des Lebens, mit denen teils auch die Bus- und Schienenunternehmer zu kämpfen haben, Stichwort Diesel-, Strom- und Benzinpreise. Berechnungen zufolge müsste man die Tarife eigentlich um 6,2 Prozent erhöhen, um halbwegs die Kosten zu decken.

Alleine des Wort ,Erhöhung’ ist aus meiner Sicht schon kontraproduktiv.
Hans Vester, SPD

„Wir gehen aber davon aus, dass das am Markt nicht realisierbar ist“, räumte Hofsäß ein. Hinzu kommt: Wenn man die Tarife zu stark erhöhe und Fahrgäste bleiben dadurch weg, „dann hat man am Ende nichts davon.“ Insofern habe man diskutiert, wie hoch die Erhöhung ausfallen dürfe, ohne einen negativen Einfluss auf die Fahrgastzahlen zu bewirken.

Das sah man bei einer durchschnittlichen Erhöhung von 3,76 Prozent gegeben, deutlich mehr also, als bei der Erhöhung im vergangenen Jahr, die bei einem Plus von 1,42 Prozent lag. Trotzdem werden es einige Unternehmen schwer haben, kostendeckend arbeiten zu können „und da müssen wir einfach abwarten, was passiert.“

Es sei eine „paradoxe Situation“, bemerkte Hans Vester (SPD), wenn man in Zeiten des 9-Euro-Tickets über Tariferhöhungen sprechen müsse. „Alleine des Wort ,Erhöhung’ ist aus meiner Sicht schon kontraproduktiv“, bemängelte er. Wenn man allerdings die Preise nicht erhöhen will, gab Landrat Bastian Rosenau zu bedenken, „dann muss uns klar sein, dass irgendjemand den Ausgleich erbringen muss.“

Das wäre in dem Fall die Stadt Pforzheim und der Kreis, und über die Umlage wiederum die einzelnen Gemeinden. Insgesamt würden es über 800.000 Euro sein, die jedes Jahr beim VPE fehlen. Am Ende war es also die alte Frage nach der richtigen Strategie, die sich die Ausschussmitglieder stellten: Erhöht man den Umsatz durch höhere Tarife oder durch mehr Fahrgäste, die den bisherigen Preis bezahlen.

CDU äußert Zweifel an Preiserhöhung

„Unser großes Ziel ist die Verdopplung der Fahrgastzahlen bis 2030“, gab Joachim Wildenmann (Grüne) zu bedenken. Von daher sei es doch „etwas zu einfach gegriffen, dass eine Preiserhöhung gleichbedeutend ist mit Mehreinnahmen.“ Vielmehr müsse man darüber sprechen, wie man den Nahverkehr attraktiver macht.

Ob zudem die Fahrgäste verstehen, dass die Preise erhöht werden müssen, das bezweifelte Bächle (CDU). „Die Leute können jetzt mit neun Euro in ganz Deutschland fahren und anschließend sollen sie mehr zahlen.“ Das sei nur schwer zu vermitteln.

Thomas Fink (AfD) wiederum verwies auf zwei Gutachten, die im Ausschuss behandelt worden sind. Aus beiden habe sich im Endeffekt ergeben, was auch Hofsäß angedeutet habe: „Es bringt mehr, den Service zu verbessern, als die Preise niedrig zu subventionieren“, so Fink.

Und am Ende, räumte Hartmut Lutz (FWV) ein, wäre „vielleicht alles gar nicht so schlimm, wenn wir das 9-Euro-Ticket nicht hätten“. So aber falle der Sprung zurück auf das 100-Euro-Monatsticket natürlich ins Gewicht und kaum jemand denke daran, dass auch das Autofahren Geld koste – meist mehr als der ÖPNV. „Man muss Quervergleiche machen, damit die Leute umsteigen“, forderte er.

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