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Offener Brief

Floristin aus dem Enzkreis beklagt: „Nur der Supermarkt darf Blumen direkt an Kunden verkaufen“

Floristen beklagen Ungerechtigkeiten, weil sie nur Bestellungen ausliefern dürfen, im Geschäft aber keine Kunden erlaubt sind. Sina Bertsch aus Wimsheim hat in einem Brief in den sozialen Medien geschildert, wie die Lage ist.

Sina Bertsch weiß: Der Frust unter Floristen ist groß, wenn sie derzeit einen Supermarkt betreten und das Sortiment an Blumen sehen Foto: Stefan Friedrich

Floristen haben in der Krise einen schweren Stand. Was ihnen untersagt ist, dürfen Supermärkte problemlos tun: Blumen direkt verkaufen. Floristen sehen darin eine Ungleichbehandlung und vor allem auch eine Gefahr. Eine hat sich dagegen zur Wehr gesetzt und einen Brief veröffentlicht: Sina Bertsch aus Wimsheim.

In den sozialen Medien stieß dieser auf großes Interesse und wurde schon über 20.000 Mal gesehen sowie über 160 Mal geteilt. „Vielen Kollegen aus unserer Branche geht es nicht gut, also überlegt, ob ihr wirklich im Supermarkt die Blumen mitnehmt oder doch lieber beim Fachgeschäft vor Ort bestellt“, schreibt Bertsch dort.

Es ist ein flammender Appell, die Fachgeschäfte zu unterstützen, bevor sie ganz aufgeben müssen. Bertsch hat ihn an einem Sonntagnachmittag verfasst. „Das hat mich schon länger umgetrieben“, verrät sie dieser Redaktion und schildert ihre Erfahrungen mit den Lockdowns. Beim ersten Mal haben sie alle noch versucht, Lösungen zu finden. Draußen bei ihr gab es einen Selbstbedienungsverkauf, den die Kunden gut angenommen haben.

„Als dann der zweite Lockdown kam, wurde jedoch alles viel schwieriger“, so Bertsch. Inzwischen ist es Blumenläden nur noch erlaubt, Bestellungen auszuliefern. Bestellungen, die oftmals telefonisch aufgegeben werden müssen, wenn es keinen eigenen Online-Shop gibt.

Genau da beginnt das Problem, das nicht nur Bertsch, sondern auch viele ihrer Kollegen betrifft, mit denen sie im ständigen Austausch ist. „Gerade bei der älteren Kundschaft gibt es da eine Hemmschwelle“, weiß sie. „Anrufen und bestellen: das macht man nicht.“

Umso größer ist der Frust der Floristen, wenn sie derzeit einen Supermarkt betreten und sehen, dass das Sortiment an Blumen dort oftmals sogar noch hochgefahren wurde.

„Zum Teil hat man da das Gefühl, man steht auf dem Großmarkt“, bemerkt Bertsch. Da werde die Ungerechtigkeit der Corona-Maßnahmen so richtig sichtbar, denn eines verstehen sie im Kollegenkreis alle nicht: Warum darf der Supermarkt eigentlich Blumen direkt an Kunden verkaufen, sie müssen aber geschlossen bleiben. Eine Haltung, die auch Karin Geiger teilt. Sie betreibt in Niefern ein Blumenhaus.

Wenn nur ein oder zwei Kunden in den Blumenladen kommen, dann passierte doch viel weniger, als wenn alle in die Supermärkte gehen.
Sina Bertsch, Floristn aus Wimsheim

Anders als die Kollegen darf sie aber öffnen, weil sie auch Obst und Gemüse im Sortiment führt. „Sonst würde es nicht so gut aussehen“, bestätigt sie. Deshalb hat auch sie wenig Verständnis dafür, dass die Supermärkte Blumen verkaufen dürfen, die eigentlichen Blumengeschäfte jedoch nicht. „Wenn nur ein oder zwei Kunden in den Blumenladen kommen, dann passierte doch viel weniger, als wenn alle in die Supermärkte gehen“, gibt sie zu bedenken.

Es sind Stimmen, die so oder so ähnlich auch Bertsch zu hören bekommt, wenn sie sich mit den Kollegen austauscht. „Bei vielen ist der Unmut sehr gewachsen“, räumt sie ein, zumal viele Floristen bereits am Existenzlimit angekommen sind und mancher auch nicht mehr lange durchhält. Noch dazu wurde der Lockdown gerade wieder verlängert und wird somit auch den Valentinstag tangieren, der den Floristen eigentlich gute Umsätze beschert.

„Da sieht man Männer, die nur einmal im Jahr zu uns kommen“, erklärt Bertsch. Kreative Lösungen sind jetzt gefragt, einmal mehr. Bertsch weiß aber auch, wie frustrierend es für viele ihrer Kollegen ist, sich immer wieder Neues einfallen lassen zu müssen, wenn sie gleichzeitig um ihre Existenz fürchten.

Der Zusammenhalt untereinander sei dennoch groß. „Wir tauschen uns aus. Da hilft sich jeder gegenseitig“, versichert Bertsch. Und auch der Fachverband Deutscher Floristen engagiere sich stark, vor allem der Landesverband Baden-Württemberg, der fast täglich im Kontakt mit der Politik steht und darauf drängt, dass zumindest Abholungen wieder möglich sein müssen – am liebsten aber der direkte Verkauf. Und das nicht erst morgen, sondern am liebsten gestern schon, bevor die Geschäfte reihenweise schließen müssen.

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