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Bei Nominierung in Pforzheim

„Es wird bestialisch“ – Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordneter Krichbaum warnt eindringlich vor Corona-Folgen

Der Pforzheimer Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum warnt eindringlich vor den Folgen der Corona-Pandemie. Die wirtschaftlichen Auswirkungen würden unausweichlich auch in der Region viele Menschen hart treffen, so Krichbaum.

Erwartet einen wirtschaftlichen Tsunami: CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum aus Pforzheim hier im Gespräch in der Pforzheimer BNN-Redaktion. Foto: Wacker

Auf einer Parteiversammlung in Pforzheim sagte der CDU-Politiker mit Blick auf den von Experten erwarteten Rückgang der Wirtschaftsleistung: „Es wird bestialisch!“

Eigentlich läuft es derzeit gut für die CDU im Kreisverband Pforzheim/Enz und ihren Vorsitzenden Gunther Krichbaum. Noch vor ein paar Monaten schien das anders: Der Klimaschutz war für viele das überragende Thema und die Grünen schickten sich an, nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch im Bund die stärkste Kraft zu werden. Derweil stritten die CDU-Oberen wie die Bürstenbinder um Merkels Erbe.

Doch das war alles vor Corona.

Vom Krisenmanagement der Bundesregierung profitiert seither vor allem die CDU – und somit auch Gunther Krichbaum (56), Inhaber des Direktmandats Pforzheim/Enz seit 2002 und einflussreicher Vorsitzender des Europaausschusses. Doch bei seiner überzeugenden Wiederwahl zum Bundestagskandidaten am Freitagabend auf einer CDU-Mitgliederversammlung in Pforzheim-Huchenfeld präsentierte sich Krichbaum vor allem als sorgenvoller Mahner – insbesondere mit Blick auf die Pandemie.

Ergebnis noch nicht so gut wie bei Stefan Mappus

Dabei bot der Abend für den Wahlkreisbewerber eigentlich Grund zur Freude. 148 der 160 gültigen Stimmen entfielen auf den einzigen Kandidaten, wie Sitzungsleiter Daniel Caspary, EU-Abgeordneter und CDU-Präsidiumsmitglied, verkündete.

CDU-Nominierungsversammlung in Pforzheim-HuchenfeldCDU-Nominierungsversammlung in Pforzheim-Huchenfeld Foto: Daniel Streib

Das sind zwar nicht die 100 Prozent, mit denen der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus 2010 als Pforzheimer Landtagskandidat nominiert wurde, aber am Freitagabend in Huchenfeld war, oder zuvor bei den beiden Landtagsnominierungen in Niefern und Büchenbronn, die Krichbaum als Kreisvorsitzender leitete, der versteht: Der Mann ist die unangefochtene Nummer 1 bei der regionalen CDU.

Krichbaum spielt inzwischen in seiner eigenen Liga.
Ein Parteimitglied

Personal-Diskussionen wie bei den Pforzheimer Grünen oder gar ein Personal-Gemetzel wie bei der SPD wäre bei der CDU auf absehbare Zeit völlig undenkbar. Ein Parteimitglied sagt im Hintergrundgespräch „Krichbaum spielt inzwischen in seiner eigenen Liga.“ Nach den Zerwürfnissen im Zuge der Mappus-Misere und dessen Rückzug aus der Politik im August 2011 habe Krichbaum für die Konsolidierung der hiesigen CDU viel geleistet.

Spott in Richtung SPD Pforzheim

In seiner 20-minütigen Bewerbungsrede lässt Krichbaum derlei Verdienste allenfalls zwischen den Zeilen anklingen. Weniger zimperlich wird er naturgemäß, wenn es gegen die politischen Mitbewerber geht. Die SPD? Sei derzeit allenfalls für „Freunde des Theaters“ interessant.

Wobei er auch nicht wisse, in welchem Akt man sich gerade befinde. „Ich kann Ihnen nur versichern, dass Herr Hück nicht bei uns auf der Gehaltsliste steht“, so Krichbaum, der für seine Verhältnisse fast übermütig wird und zur Freude der CDU-Mitglieder im Saal ein „Hück, Hück, Hurra“ hinterher schießt.

Wir dürfen nicht nachlassen im Kampf gegen Corona.
Gunther Krichbaum, Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordnete

Auch die Grünen („Habeck kein Kanzler-Format“) und die AfD („politische Heimat für Nazis“) werden bedacht. Die FDP bezeichnete Krichbaum als „Frei-Drehende Partei“, die sich in Sachen Populismus immer weniger von der AfD unterscheide. Zur Freiheit gehöre auch Verantwortung, und das bedeute, dass „wir stets für die Sicherheit unserer Nächsten einstehen müssen“. Womit Krichbaum wieder bei seinem dringlichsten Thema war. Mit einem beherzten Krisenmanagement habe man in Deutschland das Schlimmste verhindern können. „Doch wir dürfen nicht nachlassen im Kampf gegen Corona.“

Corona als wirtschaftlicher Naturgewalt

Besonders eindringlich wurde der Abgeordnete dabei erst abseits des Redeprotokolls. Als sich in der Fragerunde ein CDU-Mitglied skeptisch zum großzügigen Kurzarbeitergeld äußerte, holte Krichbaum aus, verteidigte die Maßnahme vehement und wählte einmal mehr einen bildhaften Vergleich, um die wirtschaftlichen Corona-Folgen aufzuzeigen, die auch vor Pforzheim und der Region nicht Halt machten.

Es ist wie bei einem Tsunami.
Gunther Krichbaum, Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordnete

Hatte Krichbaum unlängst noch von einem Unwetter am Horizont gesprochen, von dem man erst glaubt, dass es vorbeizieht, war es nun eine noch stärkere Naturgewalt. „Es ist wie bei einem Tsunami, die Welle türmt sich auf und man glaubt nicht, dass sie reinkommt. Aber sie kommt rein.“

Sinke die Wirtschaftsleistung in Deutschland in diesem Jahr um die etwa vom ifo-Institut prognostizierten knapp sieben Prozent, bedeute das: „Es wird bestialisch.“ Auch in der Region drohten Pleiten, auch im Wahlkreis müssten Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchten. Eine Partei könne da nur erfolgreich sein, wenn sie drei Dinge tue: helfen, helfen und helfen.

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