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WiP warnt auf Radtour vor Verlust

Geplantes Gewerbegebiet bringt in Pforzheim schützenswerte Flächen in Bedrängnis

Pforzheim diskutiert seit Jahren über ein weiteres, rund 60 Hektar großes Gewerbegebiet. WiP-Stadtrat Christof Weisenbacher unterstreicht bei einer Radrundfahrt die Bedeutung der dafür in der Auswahl stehenden Flächen Ochsenwäldle und Klapfenhardt und zeigt auch, was Niefern-Öschelbronn am Reiserweg vorhat.

Die Zukunft im Blick: Mit dem Rad erkundeten Interessierte angeführt von Christof Weisenbacher (rechts) die Waldareale, die als Flächen für neue Gewerbegebiete in der Diskussion stehen. Foto: Edith Kopf

Ochsenwäldle oder Klapfenhardt? Wer Christof Weisenbacher zuhört, erfährt schnell, dass er weder die eine noch die andere Fläche für geeignet hält, darauf ein Gewerbegebiet einzurichten. Der Stadtrat von Wir in Pforzheim (WiP) findet es „unsinnig, Wald abzuholzen, um Gewerbe anzusiedeln“. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deswegen – radelt er am Samstag rund 32 Kilometer und über 500 Höhenmeter vom östlichen zum westlichen Zipfel der Stadt, um zu zeigen, auf was es ankommt bei der Ablehnung.

Außerdem erfahren die rund 25 Teilnehmer der Tour, was es zu dem in Niefern-Öschelbronn angestrebten Gewerbegebiet Reisersweg zu sagen gibt und wo die Pforzheimer Wasserquellen liegen, die dort eine besondere Rolle spielen.

Sind die Gutachter für den Standort Ochsenwäldle?

Die Sommeraktion hat einen klaren Fokus. Weisenbacher bezieht sich auf die von Oberbürgermeister Peter Boch angekündigte Präsentation der Ergebnisse der Standortüberprüfungen. Für die Erstinformation schickt der Rathauschef den Gemeinderat zunächst hinter verschlossene Türen. Das Gremium soll Ende des Monats nichtöffentlich erfahren, wie Wasser und Natur auf die großflächige Ansiedelung von Betrieben reagieren und wie groß der zusätzliche Verkehr sein wird.

Auf der Gutachterebene scheint es einen Ausschlag in Richtung Ochsenwäldle zu geben für die rund 60 Hektar Gewerbefläche, über die der Gemeinderat noch in diesem Jahr entscheiden soll. Auch Weisenbacher kennt diese Flüsterinformation. Er geht davon aus, dass Klapfenhardt rechtlich gar nicht funktioniert, und ob es stattdessen das „doppelt so teure“ Ochsenwäldle geben kann, sei unsicher.

Die WiP-Tour führt durch Wald, „richtigen Wald“. Weisenbacher will zeigen, was zerstört ist, wenn dereinst Autos und Lastwagen in das angedachte neue Gewerbegebiet fahren. Haselmaus, Ringelnatter und Gelbbauunke kann er der Radlergruppe natürlich nicht vor Augen zaubern, die da im Ochsenwäldle und damit in einer Wasserschutzzone der Kategorie 3 Station macht. Die Tiere gelten als schützenswert, was ihnen möglicherweise die Kraft verleiht, eine Flächenumnutzung zu verhindern.

Schützenswerte Tiere kommen Bauprojekten in die Quere

Statt der geschützten Tiere, zeigt Weisenbacher eine Übersicht mit vielen rot eingezeichneten Flächen. Diese –darunter der Gebiet Klapfenhardt – gelten nach einer Untersuchung von Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) aus dem Jahr 2018 als ungeeignet für ein Gewerbegebiet, so erläutert der Kommunalpolitiker. Er erinnert auch daran, dass der frühere Oberbürgermeister Gert Hager für das auf der Karte gelb eingezeichnete und deshalb nicht total ausgeschlossene Ochsenwäldle im Wahlkampf 2017 die Firma Porsche ins Spiel brachte.

Das skizzierte Projekt verschwand, als Peter Boch neuer Rathauschef wurde. Warum dieser plötzlich Klapfenhardt favorisiert, könne er nicht beantworten, sagt Weisenbacher. Aber er verweist auf Rotmilan, Mittelspecht und andere „total geschützte Tiere“, die dort inmitten eines FFH-Gebiets leben – also einer EU-geschützten Fläche, die überdies der Naherholung dient.

Fragen und Einschätzungen – zum Beispiel zur Bedeutung von Corona für den Flächenbedarf – begleiten die etwa vierstündige Rundfahrt zu den neuralgischen Punkten der Gewerbegebietsdiskussion. Die Teilnehmer erfahren, dass es um eine Flächenbevorratung gehe, die Stadt bis 2034 einen Bedarf von 120 Hektar veranschlage und dass Pforzheim über Gewerbeansiedelungen seine Einkommenssituation stärken will.

Anregung: Besser Leerstände nutzen

Es sei auf jeden Fall sinnvoll, Flächen zu aktivieren und Leerstände wie bei Bader zu nutzen, „anstatt mit der Axt in den Wald zu gehen“, wie ein Teilnehmer sagt. Das Brötzinger Tal werde durch die neue Anbindung über die Westtangente auf jeden Fall interessant. Interessanter seien allerdings die Areale an den Autobahnausfahrten und „deshalb will auch Niefern-Öschelbronn den Reisersweg bauen“, lenkt Weisenbacher den Blick auf das zweite Ziel bei der Tour.

Die projektierte Fläche wäre wie Klapfenhardt ein Fall fürs Regierungspräsidium, sollte sie tatsächlich realisiert werden, erfahren die Radler. Hier wie dort sei eine Ausnahmegenehmigung vonnöten, nehmen sie mit nach Hause: In Niefern wegen der Pforzheimer Trinkwasserquellen (Wasserschutzgebiet 2), im Naherholungsgebiet auf der Westseite der Stadt wegen der geschützten Tiere.

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