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Areal bröckelt vor sich hin

Hängepartie in Pforzheim: Besucher hätten den Enzauenpark längst saniert

Eine große Zukunft hat Pforzheim mit der vor 28 Jahren eröffneten Landesgartenschau verbunden. Aber das Areal bröckelt seit über einem Jahrzehnt vor sich hin. Jetzt steht eine weitere Rahmenplanung zur Oststadtentwicklung inklusive Enzauenpark einem zügigen Fortschritt entgegen.

Abendstimmung: Der Enzauenpark ist zu jeder Tageszeit ein beliebtes Ziel für Spaziergänger. Foto: Edith Kopf

Würde mit den Füßen abgestimmt, die Zukunft des Enzauenparks wäre längst beschlossene Sache. Aber es wird eben weder mit den Füßen der vielen Besucher, noch sonst irgendwie abgestimmt, und deshalb geht auch nichts weiter mit dem am 15. April 1992 mit Tamtam im damals regnerischen Pforzheim eröffneten Naherholungsgebiet.

Dieser Stillstand wird seit Monaten mit Coronaviren begründet. Tatsächlich fehlt aber seit Jahren eine Antwort auf die Frage, was denn nun werden soll mit dem vor 28 Jahren hochgelobten Landesgartenschaugelände, das in zwei Jahren groß gefeiert werden könnte.

„Könnte“ muss hier unterstrichen werden. So wie der Stand der Dinge ist, wird es wohl nichts zu feiern geben bei dem einst als Motor für die Oststadt-Entwicklung angelegten Park. Der ist zwar weiterhin hübsch anzuschauen und dieses Jahr so beliebt wie seit 28 Jahren nicht mehr, wie Biergartenwirt Frank Daudert diesen Sommer ein ums andere Mal erzählt.

Rathaus schottet sich ab

Die dicken Brocken des Verfalls liegen aber bereits seit gut einem Jahrzehnt auf der Langen Bank. Beim „immerwährenden Reichstag“ in Regensburg, wo der Begriff mutmaßlich geprägt wurde, führte das bekanntlich dazu, dass manche Akten gleich ganz verschwanden.

Das Pforzheimer Rathaus schottet sich ab beim Thema Enzauenpark. „Nichts Neues“, heißt es denn auch. „Bei einer Fortentwicklung des Themas Oststadt wird die Verwaltung in die Kommunikation gehen“, heißt es weiter zu einer Anfrage mit der Bitte um ein Gespräch über die Knackpunkte im Gartenschaugelände und zu den Überlegungen für die Zukunft des Enzauenparks.

Natur und Technik: Pforzheim präsentierte 1992 ein Landesgartenschaukonzept, das die Industriestadt nicht versteckte. Foto: Edith Kpof

Das war vor rund eineinhalb Jahren noch anders: Im April 2019 urteilte der Leiter des Grünflächen- und Tiefbauamts, Stefan Auer, die Anlage habe ihre Qualitäten, aber es brauche eine Art Gesamtentwicklungsplan.

Es lässt sich nicht klären, ob er damit den Rahmenplan zur Oststadt-Entwicklung meinte, den der Gemeinderat im Dezember beschloss. In der Vorlage dazu ist der Enzauenpark als „wichtiges Ziel für Freizeit, Naherholung und Tourismus“ gesetzt. Außerdem sollen „bestehende, teils unabhängig nebeneinanderstehende Planungen und Konzepte“ zusammengeführt werden.

Weit gediehen ist hier nichts – dieses Mal womöglich tatsächlich aufgrund der Corona-Situation. Der Auftrag auf Basis eines kleinen Einladungswettbewerbs soll am 30. September im Planungs- und Umweltausschuss nichtöffentlich vergeben werden.

Teure Sanierung wird aufgeschoben

Die finanzielle Seite des Stillstands wird das nicht lösen. Bereits 2010 wurde im Gemeinderat geschätzt, dass die Sanierung des 2008 wegen verrosteter Tragseile gesperrten Römerstegs mit gut 600.000 Euro veranschlagt werden muss. Passiert ist nichts. Bereits damals erfuhren die Entscheider auch, dass sich der nunmehr 95 Jahre alte Gärtnersteg „nicht mehr wirtschaftlich sanieren lässt“.

Er steht noch immer, während der seit zwölf Jahren gesperrte Römersteg zumindest bei sportlichen Parkbesuchern eine beliebte Brücke geblieben ist: Zugangshürden lassen sich überwinden, wenn’s bequem und schnell gehen soll. Das lässt sich alle Tage beobachten.

Spektakel für Tausende: Mit den Flößern fährt die Landesgartenschau am 26. September 1992 die Enz hinunter. Übrig bleibt der Enzauenpark, dessen Zukunft ungewiss ist. Foto: Archiv BNN

Nicht nur an heißen Tagen mehr als geschätzt ist auch der Wasserspielplatz. Er galt 1992 als Jahresbauwerk. Dann wuchs er Jung und Alt aber dermaßen ans Herz, dass er erhalten blieb, obwohl er technisch längst nicht mehr auf Stand ist und überdies einen sehr hohen Wasserverbrauch hat. Dies erläuterte der stellvertretende Leiter des Tiefbauamts, Harald Kuch, bereits vor knapp zwei Jahren, als in Pforzheim engagiert darüber diskutiert wurde, ob denn die Parkhotel GmbH in Ergänzung zum umgebauten Gasometer und zur St. Maur-Halle den Römersteg und einiges mehr im Enzauenpark in Schuss bringen könnte.

Damals standen den von Wolfgang Scheidtweiler vorgebrachten Ideen aus städtischer Sicht vor allem eigentumsrechtliche Probleme in Kombination mit Gewährleistungspflichten zur Sicherheit entgegen. Es wurde auch schon mal erwähnt, dass grundsätzlich über den Park nachgedacht werden müsse. Im Oktober 2019 lief der Pachtvertrag für den Biergarten nach 25 Jahren aus und wird jetzt jahresweise verlängert. Für Investitionen, zum Beispiel in neue Sonnenschirme, ist das keine gute Voraussetzung.

Bis 2022 wäre manches möglich

Auch über die Oststadt wurde in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise nachgedacht. Zu den Ergebnissen gehört ein im Juli 2018 vorgelegtes Quartierskonzept, das vom alten Schlachthof bis zum Thales-Gebäude vieles berücksichtigt. Die Enz bleibt eine Grenze, die auch früher schon, zum Beispiel beim Rahmenplan Oststadt von 2009, nicht überschritten wird.

Spielen am Ufer der Enz: Der Enzauenpark bietet auch 28 Jahre nach seiner Eröffnung viel Platz für junge und weniger junge Besucher. Foto: Edith Kopf

„Der Park braucht nach 25 Jahren neue Impulse“, bestätigt auch Scheidtweiler, dass südlich des Flusses etwas getan werden müsste. Der rührige Brauhauschef fände es zum Beispiel nach wie vor großartig für Pforzheim, wenn es so etwas gäbe wie die von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp initiierten Alla-Hopp-Anlagen.

Als idealen Platz für eine vergleichbare Mischung aus Spielplatz und Bewegungsparcours hat er den ehemaligen Fußballplatz im Holzhof ausgemacht. Hochbeete mit Beeren statt Blümchen sind auch so eine Idee, die Scheidtweiler schon vorbrachte, bevor die lange angedachte Grundsanierung des Parks mit dem „Rahmenplan für die Oststadt“ eine neue Dimension bekam.

Die Unterlagen für Grundsätzliches wanderten im Oktober 2019 von dem bis dato zuständigen Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP) zum Grünflächen- und Tiefbauamt. „Wenn man jetzt loslegen würde, ließe sich bis 2022 manches realisieren, das dann gefeiert werden könnte“, ist Scheidtweiler überzeugt. Eine nächste Gelegenheit, die Bedeutung der Landesgartenschau 1992 für die Menschen in Pforzheim hervorzuheben, ist nach 2022 länger nicht in Sicht.

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