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Mit Dampf von Pforzheim nach Bad Wildbad

Historische Lok soll im Enztal künftig regelmäßig fahren

Im nächsten Jahr feiert die Dampflok ein rundes Jubiläum: 1921 wurde die 58 311 bei der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe gebaut. Es steckt viel Aufwand dahinter, dass die Rarität auch heute noch mit Dampf auf den Gleisen unterwegs sein kann.

Zwischen Pforzheim und Bad Wildbad: Die Dampflok 58 311 war zur Begeisterung vieler Beobachter und Mitfahrer unterwegs. Bei der Fahrt zurück schon die Lok die Waggongs im Rückwärtsgang. Foto: Stefan Friedrich

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

In den Zeiten moderner Zugfahrt ist die Faszination einer Dampflok ungebrochen, selbst wenn sie nur noch selten zu sehen ist. Umso beeindruckender war der Blickfang, als die Mitstreiter des Vereins Dampfnostalgie Karlsruhe am Samstag mit einer knapp hundert Jahre alten Lok Passagiere stilecht von Pforzheim nach Bad Wildbad brachten. Viele wollten sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen und stiegen direkt zu.

„Bitte einsteigen und Türen schließen“: Der Ruf von Hans-Peter Fantoli an Bahnsteig 1 auf dem Pforzheimer Hauptbahnhof, kurz bevor sich der Zug in Bewegung setzt, weckt Erinnerungen an frühere Zeiten. Zugfahren wie anno dazumal, ist auch heute noch ein kleines Erlebnis für Jung und Alt, für Einzelreisende und Familien.

Im Wagen riecht es nach Feuer und Kohle

Für die einen, weil sie selbst in einem der drei historischen Wagen Platz nehmen, für die anderen, weil sie überall an der Strecke stehen. Auf Wiesen und an den Bahnsteigen werden Handys und Fotoapparate gezückt, um diesen Zug im Bild festzuhalten. Die Gäste im Zug lehnen sich entspannt aus den geöffneten Fenstern und winken auch mal.

Drinnen in den Wagen riecht es, selbst durch die Gesichtsmasken, nach Feuer, Kohle, Schweiß und harter Arbeit vorne auf dem Führerstand, während Christoph Joggerst und Samuel Heiss in der Tradition früherer Schaffner die Fahrkarten kontrollieren. Nostalgie pur eben, zumal, wenn vorne eine Lok zieht, die zu den ganz wenigen aus der 58er-Baureihe zählt, die auch heute noch fahrtüchtig sind.

Lok feiert 100-jähriges Bestehen nächstes Jahr

Im nächsten Jahr feiert diese Lok ein rundes Jubiläum: „1921 ist die 58 311 bei der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe gebaut worden und damit eine der echten Raritäten unter den in Deutschland erhalten gebliebenen Dampflokomotiven”, erzählt Fantoli. Sie zu erhalten, „da steckt sehr viel Arbeit drin“. Arbeit, aber auch Zeit und Geld, denn die Wartung und Unterhaltung trägt der Verein Dampfnostalgie Karlsruhe - eine Sektion der Ulmer Eisenbahnfreunde e. V. – alleine.

Finanziert wird der alles aus dem Fahrkartenverkauf und durch Spenden. Nicht nur für die liebevoll restaurierten Wagen braucht es eine sechsstellige Summe, vor allem die Lok geht ins Geld, weiß Fantoli. Sicherheit steht hier eben über allem. Am Kessel beispielsweise dürfen nur zertifizierte Schweißer arbeiten. Mit einem Kesselprüfer steht der Verein immer in Kontakt.

„Ohne Wasser können Sie den Kessel nicht kühlen“, erklärt Fantoli. Das bedeutet: Wenn die Kohle irgendwann ausgehen würde, und damit auch das Feuer, dann fehlt schlimmstenfalls irgendwann die Energie und die Lok bleibt auf freier Strecke stehen. Ohne genügend Wasser jedoch „kann Ihnen der Kessel um die Ohren fliegen“.

Kessel wird am Vortag sechs Stunden lang angeheizt

Nach der Ankunft in Bad Wildbad wird deshalb erst einmal kräftig Wasser nachgetankt – aus dem historischen Wassertank und auch hier beobachtet von zahlreichen Schaulustigen. Dass die Lok in diesem Moment bereits mit dem Kohlewagen voraus dasteht, hat damit zu tun, dass es weder in Pforzheim noch in Bad Wildbad eine Drehscheibe gibt.

Wir müssen eine Strecke immer rückwärts fahren.
Hans-Peter Fantoli, Mitglied im Verein Dampfnostalgie

„Wir müssen eine Strecke immer rückwärts fahren“, erklärt Fantoli. Dazu wird die Lok abgehängt und über ein Parallelgleis ans andere Ende der Wagenreihe gebracht. Auch das ist ein kleines Spektakel, attraktiv, um es in Bild oder Video festzuhalten. Was man dabei übrigens nicht sieht: Der Kessel wurde tags zuvor schon sechs Stunden lang angeheizt und alle Aggregate wurden überprüft, um die Lok betriebsfähig zu machen. Ein Ruhefeuer über Nacht hat die Basis gelegt, dass „genug Power vorhanden ist, damit wir fahren können“, betont Fantoli.

Dass die historische Lok auf diese Strecke darf, das sei ein kleiner Verwaltungsakt gewesen. „Jahrelang ging das nicht, weil es hieß, dass die Lok rückwärts zu langsam ist.“ Die Befürchtung war, dass diese Bahn den normalen Verkehr beeinträchtigen würde. Bestätigt hat sich das nicht. Historischer Zug und moderne S-Bahn kommen sich an diesem Samstag nicht in die Quere.

Der Fahrplan ist schließlich genau durchgetaktet ist. Insofern spricht nichts dagegen, wenn der Verein solche Fahrten regelmäßig anbietet. „Wir wollen es in den nächsten Jahren mindestens ein oder zwei Mal ins Programm aufnehmen“, sagt Fantoli. Das werden nicht nur die Nostalgie-Freunde gerne hören.

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