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Studium im Homeoffice

Hochschule Pforzheim in Zeiten von Corona: Lernen in 200 virtuellen Hörsälen

Studium im Homeoffice: Corona zwingt Studierende in Klausur. Dank digitaler Medien ist der Stoff jederzeit verfügbar, die Dozenten sind online erreichbar. Studentinnen wie Helena Sicko und Vivien Bechtold verlangt das isolierte Arbeiten aber auch viel Eigeninitiative ab.

In Klausur: Studentin Helena Sicko absolviert ihr Pensum für die Hochschule Pforzheim digital - wegen Corona. Foto: pr

Studium im Homeoffice: Corona zwingt Studierende in Klausur. Dank digitaler Medien ist der Stoff jederzeit verfügbar, die Dozenten sind online erreichbar. Studentinnen wie Helena Sicko und Vivien Bechtold verlangt  das isolierte Arbeiten aber auch viel Eigeninitiative ab.

Aufstehen, frühstücken und mit einem Coffee-to-go zur Vorlesung gehen. Später das Mittagessen in der Mensa gemeinsam mit Kommiltonen und wieder zurück in den Hörsaal: Rituale, die das Leben von Studierenden wie Vivien Bechtold und Helena Sicko bisher bestimmt haben, scheinen einer fernen Zeit anzugehören, der Zeit vor Corona.

Es fällt mir ein bisschen schwer
Vivien Bechtold, Studentin aus Pforzheim

Seit dem öffentlichen Shutdown befindet sich Vivien Bechtold zusammen mit ihrem Freund und Kommilitonen Luca Merz in Klausur, im buchstäblichen Sinne. Abgeschieden in der Wohnung ihrer Eltern in Altensteig erledigt sie nun ihr Aufgabenpensum für den Studiengang Personalmanagement an der Hochschule Pforzheim.

„Es fällt mir ein bisschen schwer“, sagt die 20-jährige Pforzheimerin von einem Alltag, der für sie noch kein richtiger ist. Noch versucht Vivien Bechtold, ihren Rhythmus zu finden im Modus einer neuen, virtuellen Wirklichkeit, in die die Hochschule Pforzheim gewechselt ist.

Veranstaltungen in rund 200 virtuellen Hörsälen

Seit über einer Woche finden dort in rund 200 virtuellen Hörsälen Vorlesungen und Projektarbeiten statt. „Ich bin sehr überrascht, dass die Hochschule das so schnell auf die Beine gebracht hat“, sagt die Studentin im vierten Semester anerkennend.

Das findet auch Helena Sicko bemerkenswert. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß sie von Freunden, die an anderen Hochschulen studieren. Die 22-Jährige kommt aus Gochsheim und will in Pforzheim ihren Master in Corporate Communication Management machen.

Zeit für kreative Dinge

Mit der Ausnahmesituation hat Sicko sich arrangiert. „Es fällt nichts aus.“ Weil die Veranstaltungen nun digital seien, müsse man sich umstellen, „aber das Internet funktioniert gut“. Man könne sich besser in Dinge einlesen, weil man nicht von einer Vorlesung zur nächsten hetze. Und dass sie jetzt nicht pendeln muss, spart ihr viel Zeit, die sie für anderes nutzen kann: Ein Buch lesen, ihr Zimmer dekorieren, kochen.

Für Sicko sind das die positiven Seiten eines Studiums im Homeoffice. „Eine schöne Abwechslung.“ Der Kontakt zu den Dozenten laufe sehr gut. Auch Vivien Bechtold lobt die gute Kommunikation mit der Hochschule. Sie ist froh, dass alle Professoren so viel Verständnis haben; dass sie offen für Verbesserungsvorschläge seien und die Studierenden immer dazu ermunterten, sich zu melden, sollten sie nicht klar kommen. „Es ist für alle eine ungewöhnliche Situation.“

Gute Kommunikation zu den Dozenten

Anstelle von Vorlesungen und Übungen, bei denen man mitunter dicht an dicht neben anderen Studierenden sitzt, gibt es verschiedene Online-Plattformen, zu denen man Zugang hat in häuslicher Isolation. Manche Dozenten bieten Live-Vorlesungen an, denen man sich zuschalten kann. Oder Studierenden werden Videos zur Verfügung gestellt.

Viel Selbstdisziplin muss Vivien Bechtold wie andere Studierende auch aufbringen, beim Studium im Homeoffice. Foto: pr

„Ich wähle mich im Internet ein, sehe mir Vorlesungen an oder Videos, die regelmäßig updatet werden“, berichtet Bechtold. Das digitale Studieren erfordere viel Eigeninitiative und Disziplin. „Man muss verantwortungsvoller arbeiten“, sagt auch Helena Sicko. Vivien Bechtold hat manchmal Mühe, sich aufzuraffen, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Wenn sie täglich an die Hochschule geht, gelingt es ihr besser, die Grenze zu ziehen zwischen Arbeit und Freizeit. Sich zu konzentrieren, während man alleine da sitzt, in seinen PC guckt und immer zuhören muss, sei für sie nicht einfach.

Webcam holt Kommilitonen ins Zimmer

Ganz auf Kommilitonen verzichten, müssen Vivien und Helena in ihrer jeweiligen Klausur aber nicht. Je nach Fach und Veranstaltung ist die Webcam eingeschaltet, eine Videokamera, die Aufnahmen direkt über das Internet liefert. Und so holt man sich bei Bedarf andere Studierende wenigstens visuell ins heimische Studierzimmer.

Ein ungewollter Testlauf für die Zukunft

In etwa so stellt sich Helena Sicko ein Studium der Zukunft vor. Statt Präsenzveranstaltungen mehr zielgerichtetes, konzentriertes Lernen zuhause. „Das kann ein ungewollter Testlauf sein“, sagt sie zur jetzigen Situation.

Vivien denkt eher an die nahe Zukunft. Eigentlich stehen für sie und ihre Kommilitonen im Juli Prüfungen an. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir einmal die Hochschule vermissen.“ Sie hofft, im Mai wieder aus der Klausur herauskommen zu kommen.

Seit vergangener Woche wird bei den Gestaltern der Hochschule Pforzheim anhand von Videokonferenzen und Online-Plattformen komplett digital gelehrt. Rund 350 Veranstaltungen finden digital statt. Mehr als 80 Lehrende und mehr als 800 Design-Studierende arbeiten über die digitale Plattform der Fakultät. Dort erhalten sie ihre Skripte, finden Aufgabenstellungen und reichen Arbeiten ein. Vielfach findet Live-Unterricht statt. Studierende und Dozenten können einander sehen, Präsentationen anschauen und individuell in Gruppenräumen arbeiten.

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