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Vereinsleben versus Nachbarschaft

Huchenfelder Sportverein will neues Vereinsheim - und verärgert die Anwohner

Mit Ängsten reagieren Anwohner auf die Ausbaupläne des SV Huchenfeld. Diesen Donnerstag soll darüber beim Pforzheimer Oberbürgermeister gesprochen werden.

Neubaupläne beim SV Huchenfeld: Das zweiteilige Vereinsheim nordöstlich des Spielfelds soll abgerissen und durch einen zweigeschossigen Neubau ersetzt werden. Dagegen regt sich Widerstand. Foto: Jürgen Müller

Angst vor Lärm, Verkehr und nächtlichem Kneipentrubel bringt mächtig Druck für ein Großprojekt des SV Huchenfeld. Wo der Fußballverein endlich aus seinen beiden aneinandergebauten, maroden Vereinsheimen herauswachsen möchte und überdies Platz für neue Ziele im Sinn hat, befürchten Nachbarn eine Verschlechterung ihrer Wohnsituation und einen Wertverlust für ihre Immobilien. Entsprechend wird ordentlich Stimmung gemacht gegen ein aus Sicht mancher Anrainer „völlig überdimensioniertes Bauvorhaben“.

Die Grundlagen dafür werden dieser Tage im Rathaus geschaffen. Dort kann noch bis diesen Freitag der vorhabenbezogene Bebauungsplan „Hu Hellerich“ eingesehen werden. Er soll den Teil der 1980 durch einen Bebauungsplan geregelten Sportanlage neu definieren, auf dem das vor 92 Jahren gebaute erste Vereinsheim und der vor 53 Jahren hergestellte Anbau stehen. Dort gibt es beispielsweise zwei Duschbereiche mit acht Duschköpfen für einen Verein mit 14 Mannschaften, so beschreibt Vorstandssprecher Hans-Bernd Lipinski.

Neubau soll drei Millionen Euro kosten

Die sanitäre Ausstattung ist einer von vielen Schwachpunkten, die der SV mit einem rund drei Millionen Euro teuren Neubau beseitigen möchte. Daneben geht es den Verantwortlichen laut Lipinski auch um eine neue sportliche Basis. Sie wollen den Breitensport ausbauen. Bereits vor drei Jahren wurde deshalb eine Montainbike-Abteilung eröffnet. Unter Eindruck der Corona-Restriktionen kam jetzt „Functional Training“ – eine Mischung aus Fitness- und Kraftsport im Freien – hinzu und nimmt gewissermaßen vorweg, was neue Gymnastik- und Fitnessräume bringen sollen.

Insgesamt skizziert der Verein einen zweieinhalbgeschossigen Neubau mit „1.300 bis 1.400 Quadratmetern“, in dem auch Schulungsräume sowie ein Restaurant mit gutbürgerlicher Küche und Gartenbewirtung eingerichtet werden sollen. Für die Gastronomie ist zusätzlich rund eine halbe Million Euro veranschlagt. Außerdem werden laut Lipinski bereits Pächter-Gespräche geführt.

Für den Bau selbst würden „maximal 60 Prozent des Baufensters benötigt“, heißt es weiter. Es umfasst den nordöstlich gelegenen Zwickel, auf dem bereits jetzt das gesellige Leben des 1909 gegründeten Vereins stattfindet. Zum Abstellen von Autos gibt es bereits jetzt dort eine asphaltierte Fläche, auf der künftig 28 Parkplätze eingezeichnet sein sollen.

Türen, Jugendliche und Verbindungen „nach oben”

Stadtplanerisch betrachtet, ist das alles eine „geringfügige Abweichung“ vom bestehenden Baurecht. Trotzdem werden nach der für Anfang 2023 geplanten Eröffnung des neuen Vereinsheims mehr Autotüren zugeschlagen werden und sich mehr Jugendliche als jetzt in altersüblicher Manier auf den Heimweg machen, führen Anwohner an. Verschärfend komme noch hinzu, dass Landschaftsschutz ausgehebelt werde. Gegner des Projekts ziehen überdies in Zweifel, ob mit dem Bebauungsplanverfahren die ganze Wahrheit auf dem Rathaustisch liegt. Schließlich habe der SV Huchenfeld gute Verbindungen zu Ortspolitikern und überdies gebe es da noch den Spielplatz und eine 40 Jahre alte Option, dort Parkplätze anzulegen.

Stimmt, bestätigt Lipinski und macht keinen Hehl daraus, dass der Verein mit 535 Mitgliedern nichts dagegen hätte, wenn der 40 Jahre alte Bebauungsplan umgesetzt würde. Betroffen ist aber nicht der Spielplatz, sondern die angrenzende Grünfläche mit zwei Tischtennisplatten. Den Planungsauftrag dazu hat der Ortschaftsrat am 10. Oktober in Richtung Pforzheimer Rathaus geschickt. Er enthalte mit der Halbierung des Geländes und damit der Aussicht auf zehn bis zwölf neue Parkplätze bereits einen Kompromiss, nachdem das Umweltamt Einwände wegen des Baumbestands vorgebracht habe, erläutert Ortsvorsteherin Sabine Wagner.

Einen womöglich zweiten Kompromiss könnte an diesem Donnerstagnachmittag ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister bringen. Da wird dann wohl auch das Lärmschutzgutachten auf dem Tisch liegen, nach dem sich automäßig auch nach den Veränderungen alles im Rahmen des für ein Mischgebiet Zulässigen bewege. Auch das Naturschutzargument dürfte im Umfeld des SV Huchenfeld wenig Überzeugungskraft entfalten. Die Bäume am Waldrand stehen bereits jetzt gefährlich zu nah an der Bebauung. Jeder Bauantrag würde dazu führen, dass sie im Abstand von bis zu 30 Metern gefällt werden müssen.

Den Bebauungsplan finden Sie hier .

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