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Politiker-Streit

Hück fordert Krichbaum zum Rücktritt auf - Wirbel in Pforzheim um türkischen Unternehmer-Verband

Kamil Manzak ist sauer. Der Unternehmer aus Pforzheim und Chef des Karlsruher Verbands Müsiad ärgert sich über einen Vergleich des Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum, in dem Hunde und Flöhe vorkommen. Manzak: „Wir sind sehr irritiert über die unqualifizierte Aussage.“ SPD-Stadtrat Uwe Hück fordert deshalb sogar Krichbaums Rücktritt.

VON FLÖHEN UND HUNDEN: SPD-Stadtrat Uwe Hück und Unternehmer Kamil Manzak sind mächtig sauer auf CDU-Politiker Gunther Krichbaum. Foto: Ehmann

Der Satz, der Manzak so nachhaltig empört ist Ende Februar in einem Redaktionsgespräch beim Pforzheimer Kurier gefallen. Krichbaum hatte dabei seiner Kritik an Uwe Hück Nachdruck verliehen.

Antisemitismus von Müsiad geduldet?

Müsiad, das ist ein ursprünglich 1990 in der Türkei gegründeter Unternehmerverband, in dem sich hauptsächlich Mittelständler und kleinere Betriebe organisieren. In Deutschland handelt es sich um einen selbstständigen Verein mit überwiegend türkischstämmigen Mitgliedern.

Krichbaum hatte zunächst per Pressemitteilung gefragt, wie Hück die Ehrung eines Verbands annehmen könne, „der engste Beziehungen zum türkischen Staatspräsidenten unterhält und Antisemitismus in seinen Reihen duldet“.

IN DER KRITIK: CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum aus Pforzheim Foto: Wacker

Von Flöhen und Hunden

Sektionschef Manzak, ein gebürtiger Pforzheimer, fühlt sich seine Müsiad-Mitglieder im Regierungsbezirk Karlsruhe diffamiert. „Unser unabhängiger Unternehmerverein möchte nicht nur die deutsch-türkische Freundschaft stärken, sondern auch eine Brückenfunktion in den deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen wahrnehmen.“  Außerdem sei es Müsiad Karlsruhe ein besonderes Anliegen, Investoren und internationale Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Karlsruhe und Umgebung zu gewinnen.

Verband distanziert sich

Manzak stellt klar: „Wir distanzieren uns von jeglichem Antisemitismus. Müsiad Karlsruhe distanziere sich zudem „von jeglichen religiösen und politischen Gesinnungen.“ Man stehe offen für alle Unternehmer, sofern sie die universellen demokratischen Werte innehaben. Manzak: „Von Herrn Krichbaum haben sich die Müsiad-Mitglieder eine kompetentere Wortwahl erhofft und sind der Meinung, dass solch eine Aussage zu einem CDU-Bundestagsabgeordneten nicht passt.“

Solche Aussagen sind in keiner Weise angebracht, im Gegenteil: Sie schüren nur Hass und verhindern Integration.
Uwe Hück über Gunther Krichbaum

Manzak lobte sein so gescholtenes Ehrenmitglied. „Uwe Hück hat keine Flöhe. Von ihm kommen nicht nur Worte, sondern auch Taten für gute Zwecke.“ Hück selbst unterstützt den Müsiad-Vorstoss: „Solche Aussagen sind in keiner Weise angebracht, im Gegenteil: Sie schüren nur Hass und verhindern Integration.“

Hück fordert Krichbaum zum Rücktritt auf

Gewohnt vollmundig fährt Hück fort: „Wenn Herr Krichbaum noch einen Rest Anstand besitzt, sollte er von seinem Amt als Bundestagsabgeordneter zurücktreten. Unsere türkischstämmigen Mitbewohner, die seit den 1950er Jahren in Deutschland arbeiten und somit wesentlich für den Wohlstand hier beigetragen haben, als Hunde zu titulieren, das geht gar nicht! Herr Krichbaum, ich schäme mich persönlich sehr für Ihre Aussage!“

Manzak will Krichbaum nun zu einem Müsiad-Sektionstreffen einladen. Die nächsten Aktivitäten wurden freilich abgesagt. Stattdessen organisiere man derzeit einen Hilfsdienst für von Corona besonders gefährdeten Personen.

Gunther Krichbaum wollte sich zu der Kritik auf Anfrage nicht näher äußern. „Ich bin für den innerparteilichen Wahlkampf und die Profilierung von Herrn Hück nicht zuständig“, teilte er mit.

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