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Schüler bleiben weg

Im Lockdown lässt das Interesse an Nachhilfe in Pforzheim nach

Lockdown in den Schulen, Unterricht zu Hause: Es ist eine Situation, die vermuten lässt, dass die Nachfrage nach Nachhilfe unter Schülern derzeit besonders groß ist. Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein. 

Digitaler Zusatzunterricht: Auch wenn einige Schüler Nachhilfe in der Pandemie-Situation eigentlich besonders bräuchten, verzichten viele momentan darauf, weiß unter anderem Maimu Förtsch vom Studienkreis Pforzheim-Mitte. Sie sieht auch einen Hardware-Mangel als mögliches Problem. Foto: Stefan Friedrich

Abacus möchte sich als Anbieter dazu zwar nicht äußern und auch die Schülernachhilfe verweist lediglich auf ihre Marketing-Abteilung. Maimu Förtsch vom Studienkreis Pforzheim-Mitte allerdings kann nicht von steigenden Schülerzahlen in der Nachhilfe berichten. Während Grundschüler und Abiturienten weiterhin dabei sind, zeichne sich vor allem in den Mittelstufenklassen ein Rückgang ab.

Womit das genau zu tun hat, das kann auch Förtsch nur vermuten. Sie sieht eine Ursache dafür aber in dem Chaos, das der digitale Unterricht mitunter verursacht hat. Wie es in den Schulen gelaufen ist, das sei „eher katastrophal“ gewesen, weiß sie.

Viele Eltern übertragen diese negativen Erfahrungen auch auf den Nachhilfeunterricht, der beim Studienkreis ebenfalls digital, via Skype, stattfindet. Dazu komme ein Problem hinsichtlich der Bevölkerungszusammensetzung in Pforzheim mit dem hohen Anteil an Migranten: „Viele von ihnen haben die benötigte Hardware nicht“, erklärt Förtsch.

Online-Nachhilfe vor dem heimischen Bildschirm

Dennoch habe der virtuelle Nachhilfeunterricht seine Vorteile, gerade wenn die Schulen keinen Präsenzunterricht anbieten können. Schüler, die sonst extra für die Nachhilfe nach Pforzheim fahren müssten, können nun bequem von zu Hause aus mit dem Lehrer lernen, betont Förtsch – in kleinen Gruppen von je zwei Schülern pro Lehrkraft. Auch deshalb ist sie überzeugt: wer einmal reingeschnuppert und den Vorteil eines solchen digitalen Nachhilfeunterrichts erfahren hat, der fasst schnell Vertrauen in ein solches Format. So zeige es zumindest die Erfahrung.

Online stellt sich zudem ein Problem nicht, mit dem beispielsweise Joachim Roller vom Schülerförderungskreis Pforzheim zu tun hat: Die aktuellen Regeln besagen ja, dass man sich nur mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen kann. „Auf Schüler gemünzt heißt das, dass ich nur einen Schüler unterrichten kann“, erklärt er gegenüber dieser Redaktion.

Insofern ist er bereits relativ ausgelastet momentan, auch wenn die Nachfrage insgesamt zurückgegangen ist. Begonnen habe das bereits im März, mit dem ersten Lockdown. „Schüler, die ich hatte, kamen dann nicht mehr.“ Viele blieben damals auch aus Angst vor Ansteckungen weg. „Es gab eine Zeit lang ja eine totale Kontaktsperre“, bemerkt Roller. Das hat auch bei Schülern und Eltern Eindruck hinterlassen. Der Fernunterricht anstelle des Präsenzunterrichts habe zudem zur Folge, dass Schüler bereits ausgelastet sind, berichtet Roller, was er als Rückmeldung von einer Mutter bekommen hat. „Viele könnten die Nachhilfe schon brauchen, aber sie haben keine Zeit mehr.“

Bereitschaft, für Nachhilfe zu bezahlen, geht zurück

Auch Nachhilfelehrer Uli Kirchner aus Pforzheim kennt diese Situation. Zwar habe der Bedarf an Nachhilfe eigentlich zugenommen, weiß der ehemalige Daimler-Manager, der seinen Schülern mit den Instrumenten des japanischen Managementtrainings beibringt, Lernprozesse und Klausurnoten zu verbessern.

Nur die Bereitschaft, Nachhilfe zu bezahlen, die sei durch Corona eben auch spürbar gesunken. Er führt das auf eine große Verunsicherung in der Bevölkerung zurück, wie es in Sachen Pandemie weitergeht. Sorgen vor einer Ansteckungsgefahr beim Nachhilfeunterricht sind aus seiner Erfahrung dabei gar nicht mal das Problem – die wirtschaftliche Situation der Eltern dagegen schon. Das haben ihm zumindest Eltern seiner Schüler bestätigt, die im Zuge der Corona-Krise vorerst auf Nachhilfestunden für ihre Kinder verzichtet haben.

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